ARD-Adoptionsdrama 2700 Kilometer bis zum Glück

Vater, Mutter, kein Kind: Das ARD-Drama "Wunschkinder" erzählt, wie sich ein Paar mit seiner Sehnsucht nach Nachwuchs auseinandersetzt. Ein Film, der durch seine Sachlichkeit rührt.

WDR/ Alexander Fischerkoesen

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Kinder sind seltsame Menschen. Sie sind laut, teuer und können auf Zugfahrten entsetzlich nerven. Noch seltsamere Menschen sind allerdings jene, die sich nichts sehnlicher wünschen als eben Kinder. Auch Marie und Peter Meisner, beide um die 40 und erfolgreich im Beruf, fehlt als letzter Scheitelstein zum Glück nur noch der Nachwuchs. Und mit jedem Monat, in dem "es" wieder nicht klappen will, erhöht sich der Leidensdruck. Wie weit Wunscheltern für Wunschkinder zu gehen bereit sind, davon erzählt der ARD-Film "Wunschkinder".

Es beginnt mit dem dunklen Fleck auf dem Ultraschall: "Ich sehe zwar eine Fruchthöhle hier", kommentiert der Arzt, "aber die ist leer." Wieder nichts. Während das Paar schon nach seinen Jacken greift, sagt der Arzt in tröstender Absicht: "Wahrscheinlich könnte jeder von ihnen mit einem anderen Partner Kinder bekommen", womit er das Drama hinter dem Drama in Bewegung setzt. Wie sehr ist der Wunsch nach Kindern ein gemeinsamer Wunsch? Wird das Paar daran zerbrechen?

In abgedämpften Blautönen und zu verhaltener Klaviermusik schickt Regisseurin Emily Atef ("Das Fremde in mir") die Meisners auf den üblichen Spießrutenlauf. Zunächst ist es die Hormonbehandlung, die Marie von ihrem eigenen Körper entfremdet: "Ich bin fett. Und ich bin unfruchtbar. Und diese Hormone machen mich knallhysterisch."

Projekt Adoption

Mehr zur eigenen Absicherung erkundigen sich Marie und Peter nach den Möglichkeiten für eine Adoption. Schnell wird klar, dass aus formalen Gründen nur ein Kind aus dem Ausland in Frage kommt. Bei einem Informationsabend lernen sie die beiden Leidensgenossen Sandra (Silke Bodenbender) und Martin (Arnd Klawitter) kennen - gemeinsam treiben sie das Projekt einer Adoption voran. Sozialbericht, Lebensläufe, Steuererklärungen, was es alles braucht.

Bald schon spiegelt sich im anderen Paar, was den Meisners ebenfalls droht. Deren Beziehung wird am unerfüllten und vielleicht auch nicht ganz geteilten Wunsch zerbrechen. Hinzu kommt der soziale Druck. Peter bekommt von seinem Chef (Ernst Stötzner) erzählt: "Freunde von mir haben einen rumänischen Jungen adoptiert, schwer traumatisiert", es laufe nicht so gut. Peter: "Freunde von mir haben leibliche Kinder, bei denen läuft's manchmal auch nicht so gut."

Und hinter dem kultivierten Umgang, den die beiden Paare miteinander pflegen, lauern Neid und Wettbewerb. Als Marie doch noch schwanger wird, begegnet ihr Sandra mit Misstrauen: "Was ist denn eigentlich los mit dir? Du bist so fröhlich." Eine weitere Sitzung beim Frauenarzt aber zerschlägt auch diese letzte Hoffnung auf ein leibliches Kind: "Das Herz? Wo ist denn der Herzschlag?" - "Das Herz schlägt nicht mehr."

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ARD-Film "Wunschkinder": Brüchiges Glück

Mit dieser Wendung wird alles zuvor Geschehene zur Vorgeschichte. Es beginnt die eigentliche Handlung, die auch Thema der literarischen Vorlage von Marion Gaedicke ("Wunschkind - Geschichte einer Adoption") ist. Ein russisches Waisenhaus ("kurz vor der finnischen Grenze") stellt ihnen ein kleines Mädchen in Ausssicht. Und dann sitzen Marie und Peter beim guten Rotwein am Küchentisch, beschmachten das Foto einer Zehnmonatigen, "2700 Kilometer entfernt" - und machen sich auf den Weg.

Aufgeben? Keine Option!

Nicht nur die strapaziöse Reise mit Flugzeug und Zug zeichnet sich in den Gesichtern ab, auch das Glück angesichts ihrer potentiellen Tochter, das Ziel in gtreifbarer Nähe. Schlaglöcher, Ladas und Industrieruinen machen einen "Osten" (gedreht wurde in Polen) spürbar, der in krassem Gegensatz zum deutschen Wohlstand steht. Umso härter trifft die Meisners das Urteil einer Amtsrichterin, die ihnen eine Adoption verweigert. Fortan nehmen Warten und Frustration immer mehr Raum ein. Aufgeben? Keine Option. Das Urteil anfechten? Kaum Chancen.

In der zweiten Filmhälfte wird die Qual der Ungewissheit immer mehr greifbar, was vor allem an Victoria Meyer (Marie) und Godehard Giese (Peter) liegt. Die beiden Hauptdarsteller sind eben nicht Silke Bodenbender und Arnd Klawitter (in allen Ehren), sondern das, was man "unverbrauchte Gesichter" nennt - auch wenn Meyer und Giese bereits im "Tatort" und dergleichen aufgetreten sind.

Hier geben sie die präzise und ergreifende Studie zweier Menschen, deren Beziehung auf eine ganze Reihe harter Proben gestellt wird. Hier erntet das Drehbuch (Dorothee Schön) auch die Früchte seiner Sachlichlickeit. Es rührt. Die Dialoge bleiben lebensnah und realistisch und bilden so einen idealen Kontrast zur bizarren Tortur, der sich das Paar ausgesetzt sieht. Denn was auch immer geschieht, im eigenen Körper oder den russischen Behörden, es liegt immer außerhalb ihrer Macht.

Das Ende sei nicht verraten, nur so viel: Kinder sind seltsame Leute. Manchmal sind sie auch auf langen Zugfahrten ganz zauberhaft.


"Wunschkinder", Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
xbergberlin 25.01.2017
1. so viele Rechtschreibfehler...
..da hätte sich mal einer mehr Mühe machen sollen.
markus.w77 25.01.2017
2.
unerfüllter Kinderwunsch kann seehr demütig oder traurig oder verzweifelt machen.
isar56 25.01.2017
3. Ein Schicksalsschlag..
bei Kinderwunsch keine Kinder bekommen zu können. Über mehrere Jahre war ich in einer Adoptionsvermittlungsstelle tätig. Der verständliche Wunsch nach einem Kind wird von Paaren meist "unter dem Deckmantel" der Wohltätigkeit - "einem armen Kind ein Zuhause geben zu wollen" - geäußert. Es ist schwer sich damit auseinander zu setzen und es zu akzeptieren. Auslandsadoptionen sind sehr teuer. Es kommen durchaus 20 000 Euro zusammen, weil bei Vermittlung eines Kindes ein ca. Vierwöchiger Aufenthalt vor Ort Bedingung für die Adoption ist. Bei den meisten Bewerbern stehen hohe Erwartungen im Vordergrund und das Bedürnis nach Elternschaft. Behinderungen werden immer ausgeschlossen und alle wollen gesunde Babys. Das alles beruht auf dem Prinzip, sich ein Kind von bitterarmen Eltern legal zu kaufen. Diese Madonna praktiziert dies erneut, obwohl sie zu alt ist, sowie Kinder ihrer leiblichen Eltern und der Heimat beraubt, statt eine Patenschaft zu übernehmen. Ekelhaft.
julia-s12345 25.01.2017
4. markus
Zitat von markus.w77unerfüllter Kinderwunsch kann seehr demütig oder traurig oder verzweifelt machen.
Man kann die Patenschaft für ein Kind aus einer sozial schwachen Familie übernehmen! Das tut gut und gibt einem Kind Möglichkeiten, die es in seinem Zuhause nicht hat!
Ökofred 25.01.2017
5. @Isar56 #3
Der Fall Madonna ist ja auch extrem und nicht typisch für Auslandsadaoption! In D hätte die glaub ich kaum eine Chance gehabt das Kind überhaupt mitzubringen. Gegen Auslandsadoption spricht gar nichts, wenn die Kinder aus dem Waisenhaus kommen. Die Eltern also entweder tot sind oder das Kind ausgestzt wurde, (ja, das gibt es!) Insbsondere da in vielen (besonders asiatischen) Ländern Adoptionen im Land eher selten sind! Die Kinder bleiben dann im Heim und in vielen Ländern ist das ganz und gar nicht nett!!
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