Streit mit Zeitungsverlegern ARD-Vorsitzende Wille zieht selbstkritisch Bilanz

Zum Ende ihrer Amtszeit als ARD-Vorsitzende blickt Karola Wille kritisch auf ihr Schaffen - und bedauert, dass sie den Disput mit den Zeitungsverlegern nicht beilegen konnte.
Die MDR-Intendantin und scheidende ARD-Vorsitzende Karola Wille

Die MDR-Intendantin und scheidende ARD-Vorsitzende Karola Wille

Foto: Ralf Hirschberger/ picture alliance / dpa

Zwei Jahre war sie als Vorsitzende tätig und damit die oberste Repräsentantin des ARD-Senderverbunds - anlässlich des Ausscheidens aus dem Amt hat Karola Wille, in Hauptfunktion MDR-Intendantin, in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur nur eine gemischte Bilanz gezogen.

In dem Interview erinnert sie an Tabubrüche und Grenzverschiebungen. "Dazu gehört für mich auch das Thema Staatsrundfunk, das ein Teil der öffentlichen Debatte geworden ist", sagte Wille. "Wir haben auch einen Werteschwund. Mich beschäftigt schon, was in den sozialen Netzwerken teilweise los ist. Und wir erleben auch eine Ignoranz gegenüber Fakten."

Kritisch bewertet sie die Reaktionen auf den Bericht, den die ARD im September an die Rundfunkkommission der Länder überreicht hat: "Das Papier ist in der öffentlichen Wahrnehmung ein Einsparpapier, was ihm nicht gerecht wird", so Wille. Das Schriftstück sollte Leitlinien für das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Zukunft liefern.

Sagen, was falsch läuft

Positive Entwicklungen sieht die Fernsehmanagerin beim Thema Vertrauen in die Medien: Nach den Kölner Silvesterereignissen habe es intensive Diskussionen zu Qualitätsfragen im Journalismus gegeben. "Wir haben uns in der ARD kritisch hinterfragt: Trennen wir immer sauber zwischen Nachricht und Kommentar, zwischen Fakten und Meinung?" Wichtig sei auch ein offener Umgang mit Fehlern: "Es ist aus meiner Sicht sogar demokratieförderlich, wenn man sagt, was man falsch gemacht hat."

Nicht zufrieden ist Wille mit den Diskussionen mit Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern. Zuletzt hatte sich Mathias Döpfner, Springer-Chef und Präsident des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger, in einem SPIEGEL-Gespräch kritisch zu der ARD und ihrer publizistischen Expansion in den Textbereich samt digitaler Verbreitungswege geäußert.

Wille erklärt nun, es sei ihr Ziel gewesen, die Kooperationen mit anderen Qualitätsmedien zu stärken. "Und dazu gehörte dann auch, den Streit mit den Verlegern zu beenden." Nach einer langwierigen Diskussion mit Höhen und Tiefen sei es leider nicht gelungen, den gordischen Knoten zu durchschlagen.

Wille plädiert aber dafür, die Gespräche fortzusetzen und bietet den Verlagen an, sie in der Auseinandersetzung mit Internetgiganten wie Google beim Thema Leistungsschutzrecht zu unterstützen.

Am 1. Januar übernimmt Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, den ARD-Vorsitz.

cbu/dpa
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