Mediatheken-Offensive ARD will 20 Millionen Euro in Serien investieren

Zeitenwende bei der ARD. Die Sendergruppe investiert nicht nur in den Ausbau ihres digitalen Serienangebots: Künftig sollen Formate primär für die Mediathek produziert - und nur an ihrem Online-Erfolg gemessen werden.

Szene aus ARD-Serie "Das Verschwinden"
ARD

Szene aus ARD-Serie "Das Verschwinden"


Die ARD kehrt ihre Verwertungslogik um - zumindest teilweise: Künftig will der Senderverbund verstärkt in Serien investieren, die in erster Linie als Streamingangebot in der Mediathek funktionieren sollen. Das hat NDR-Programmdirektor Frank Beckmann im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de angekündigt. Im kommenden Jahr werde man erstmals 20 Millionen Euro in entsprechende Serien stecken, so Beckmann. Neben dem Ersten und der ARD Degeto sind bei diesem Projekt auch alle Landesrundfunkanstalten beteiligt.

"Es geht neben horizontalen Erzählweisen auch um Genres, die wir eher seltener bedienen: aus den Bereichen Science Fiction oder auch Mystery zum Beispiel", sagte Beckmann DWDL.de. Für einen kleinen Teil werde man auch Lizenzen erwerben, das Gros der 20 Millionen fließt aber in Eigenproduktionen. Abgezweigt wird das Geld aus den linearen Programmen.

Mit der neuen Verwertungslogik gehe auch eine Abkehr von der Fixierung auf die offiziellen TV-Quoten einher, sagte Beckmann weiter. "Im Vordergrund steht bei der Serienoffensive erstmals der Erfolg unserer Mediathek, nicht der des linearen Programms. Wir werden die Sendungen sicher auch im Fernsehen anbieten, allerdings ohne sie mit einer zu hohen Erwartung an die Zuschauerakzeptanz zu verknüpfen." Das alles könne aber nur der Anfang sein, so Beckmann: "Wir werden uns künftig in diesem Bereich verstärken müssen."

Die Ankündigung klingt wie eine direkte Reaktion auf eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die vergangene Woche veröffentlicht wurde. Demnach verbringt das Fernsehgesamtpublikum in Deutschland mehr Zeit mit der Streamingplattform Netflix als mit jedem einzelnen klassischen linearen Sender, Tendenz steigend.

Die ARD hatte damals den repräsentativen Charakter der Studie angezweifelt. Nun scheint sie sich die Kernbotschaft der Berger-Studie, die auch von Erkenntnissen der Erhebung "ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019" des Kantar-Instituts gestützt wird, zu Herzen genommen zu haben: Ohne massive Mediatheken-Angebote werden die Öffentlich-Rechtlichen keine jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauer mehr gewinnen können.

hpi

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
frantonis 04.10.2019
1. Hoffentlich nicht schon wieder eine Soko
Gute Serien wie Dr. Klein (ZDF) wurden vermutlich wegen höherer Produktionskosten abgesetzt. Dafür laufen ständig diese Sokos...
irgendwieanders 04.10.2019
2. Grundversorgung?
Also gehören jetzt auch für OnDemand produzierte Serien zum Grundversorgungsverständnis von ARD und ZDF? Bei den Büffeln, die sich bereits auf dem Markt herumtreiben (Netflix, Amazon, HBO) und denen die ihren Markteintritt schon angekündigt haben (Apple, Disney) müssen unsere Grundversorger aber schon ganz anders in unsere Taschen greifen um da nur den Hauch von einer Chance zu haben. Und bei ihrem Verständnis von guten Inhalten wird es dann ganz schwierig. Aber sie können ja mal bei der BBC anfragen, wie man mit einem Bruchteil der Mittel von ARD anspruchsvolle Serien konzipiert....
bogedain 04.10.2019
3. Gehören zur Grundversorgung
Serien schaue ich mir seit 20 Jahren nicht mehr an.Ausserdem gehören diese na wohl nicht zur Grundversorgung,wozu die ÖR ja einmal verpflichtet wurden und wir jeden Monat 17.50 Euro zhlen dürfen.
mayeastrise 04.10.2019
4. Ein Schritt in die richtige Richtung
Sehr wichtig, wenn man nicht nur Programm für die Generation Ü40 machen will. Die Kollegen von der BBC zeigen ja, wie man auch als "Staatssender" international gefeierte Serien produzieren kann.
K. Larname 04.10.2019
5.
m.E. sollten die ÖR einen Teil der Gebühren in verstärkte Digitalisierung von Inhalten (gerade auch ältere Inhalte) investieren, es gibt m.E. genug Bereiche, in denen man dafür Gelder einsparen könnte. Und dann sollte man z.B. mit einem GEZ-Login bei den ÖR in beliebig viel Material stöbern können. Ein Problem der ÖR (neben anderen) ist das geänderte Sehverhalten. Selbst ich (55) habe schon lange keine Lust mehr, mir vom Fernsehprogramm diktieren zu lassen, wann ich etwas schauen soll. YouTube via TV liegt bei mir aus diesem Grund in der Nutzung vor den ÖR, hier kann ich in endlos viel Content stöbern und zappen, wann ich will.
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