ARD-Personalie Bettina Reitz wird BR-Fernsehdirektorin

Personalie mit Folgen: Der BR-Rundfunkrat bestätigte die Berufung von Bettina Reitz zur Fernsehdirektorin im Juni 2012. Bleibt die Frage, wer von ihr die schwierige Aufgabe übernimmt, bei der in Misskredit geratenen ARD-Produktionsgesellschaft Degeto aufzuräumen.

Bettina Reitz: Zurück zum BR
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Bettina Reitz: Zurück zum BR


Hamburg/München - Der Vorgang war eigentlich nur eine Formalie: Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) hat in seiner Sitzung am Mittwoch der Berufung von Bettina Reitz, 49, als Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks zugestimmt. Schon Mitte November war bekanntgeworden, dass die TV-Managerin vom BR-Intendanten Ulrich Wilhelm für den Posten vorgeschlagen worden war.

Dass der Rundfunkrat dem Vorschlag zustimmen würde, galt als sicher, da Reitz im Haus ein sicheres Standing genießt: Als Fernsehspielchefin hatte sie von 2003 bis Anfang 2011 für den BR viele erfolgreiche, aber auch prestigeträchtige Produktionen auf den Weg gebracht; die Serie "Türkisch für Anfänger" wurde von ihr ebenso angeschoben wie Doris Dörries Kinofilm "Kirschblüten - Hanami". Ab Juni 2012 wird die machtbewusste, aber allseits beliebte Fernsehmanagerin nun Nachfolgerin des scheidenden Fernsehdirektors Gerhard Fuchs.

Bleibt die Frage, wer Reitz' Nachfolger oder Nachfolgerin bei der ARD-Tochter Degeto wird. Die Produktionsfirma, bei dem die unterschiedlichen ARD-Anstalten als Gesellschafter fungieren, war in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen in den letzten Jahren regelmäßig seinen Produktionsetat überzogen hatte. Erst im Mai 2011 hatte Reitz ihren Job als Co-Geschäftsführerin der Degeto angetreten, sie fand einen wahren Scherbenhaufen vor.

Was wird aus dem Degeto-Scherbenhaufen?

Der Schuldige wurde von den ARD-Verantwortlichen vor zwei Wochen ausgemacht: Wie man mitteilen ließ, habe eine Prüfung der Geschäftsabläufe gravierende organisatorische Mängel ergeben, die in der Verantwortung von Reitz' Co-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan gelegen hätten. Außerdem sei festgestellt worden, dass Jurgan seine Berichts- und Informationspflicht gegenüber dem Aufsichtsrat verletzt habe. Jurgan wurde umgehend suspendiert.

Wer immer nun Jurgan und der im Mai ausscheidenden Reitz nachfolgt, er oder sie wird eine Menge Aufräumarbeiten übernehmen müssen, um aus der einstigen Gutsherren-Wirtschaft von Jurgan ein System der Transparenz zu entwickeln. Schließlich verfügt die Degeto mit einem Gesamtetat von 400 Millionen Euro im Jahr über den größten Geldtopf des deutschen Fernsehens. Allein 250 Millionen davon gehen in die Produktion neuer Serien, Dokumentationen und Spielfilme.

Als mögliche Nachfolgerinnen werden zur Zeit gerüchteweise zwei TV-Managerinnen gehandelt, die als durchsetzungsfähig und gestaltungsfreudig gelten: die WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff und die ZDF-Unterhaltungschefin Heike Hempel. Gerade letztere hat es immer wieder verstanden, innovative Fernseh-Fiction mit großen Publikumsstoffen abzustimmen.

Eine ausgewiesene Filmästhetin mit Managerqualitäten wie sie wäre wohl genau die richtige, um den ins Schlingern geratenen größten Geldgeber des deutschen Fernsehens wieder auf die richtige Spur zu bringen.

cbu

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