ARD-Gremium zu Talkshows Günther Jauch kassiert derbe Schelte

Vernichtendes Zeugnis für Günther Jauch: Der ARD-Programmbeirat kritisiert den TV-Moderator als konfliktscheu und einseitig, wirft ihm Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht vor und bemängelt sogar seine Gesprächsführung. Aber auch Frank Plasberg kriegt sein Fett ab.
Moderator Günther Jauch: Kritisches Nachfragen fehlt

Moderator Günther Jauch: Kritisches Nachfragen fehlt

Foto: Jörg Carstensen/ dpa

Hamburg - Ein ARD-Gremium hat Frank Plasberg und Günther Jauch, die Talkgrößen des Ersten, heftig kritisiert. Vor allem Jauch kassiert dabei ordentlich Schelte. In einem Papier von Ende April, das die Kritik des ARD-Programmbeirats zusammenfasst und aus dem die Berliner Tageszeitung "taz" genüsslich zitiert, heißt es: "Herr Jauch ist […] der einzige Moderator, dessen Gesprächsführung der Beirat deutlich kritisieren muss: er hakt selten nach, setzt sich sogar teilweise über die Antworten seiner Gäste hinweg".

Der ARD-Programmbeirat steht Volker Herres, dem Programmdirektor des Ersten beratend zur Seite, hat aber keinen direkten Einfluss. In dem Dokument, das die Position des Beirates zusammenfasst und das der "taz" vorliegt, heißt es weiter: Jauch vertrete zu oft "eine klar erkennbare eigene Meinung, folge "strikt seinem vorgefertigten Konzept" und hake "eine Frage nach der anderen ab".

Zudem gehe er "einer ihm nicht genehmen Gesprächsentwicklung und Konfliktsituationen aus dem Weg", in dem er andiskutierte Gesprächsschienen schlicht nicht weiterverfolge. "Nicht selten hangelt er sich von einem Einspieler zum nächsten", ist in den Unterlagen des Gremiums weiter zu lesen. Und: "Herr Jauch sollte dringend an seiner Gesprächsführung arbeiten, ebenso an der Themen- und Gästeauswahl."

Jauch polarisiere "unnötig, schürt mit seinen Suggestivfragen teilweise Politikverdrossenheit und kommt damit der Verpflichtung zur journalistischen Sorgfalt nicht nach". "'Günther Jauch'" sei "eher eine Show als ein politischer Talk - eine beunruhigende Entwicklung für ein öffentlich-rechtliches Format!"

Ein schlechteres Zeugnis lässt sich kaum denken, besonders überraschend kommt es aber nicht. Der Beirat fordert bereits seit längerem - wie öffentlich auch bekannt - eine Reduzierung und Profilierung der Talks im Ersten. Dies bestätigte zum Beispiel die Vertreterin des WDR-Rundfunkrats im Programmbeirat, Geesken Wörmann, bereits im April. Die Sendungen mit Günther Jauch, Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Anne Will und Reinhold Beckmann böten "zu viel vom Selben" an. Außerdem fragten die Moderatoren zu selten kritisch nach - eine Kritik, die nun eben auch im Detail öffentlich geworden ist.

Auch Frank Plasberg wird scharf angegriffen. Bei seiner TV-Show "Hart aber fair" fehle das kritische Nachfragen, das "konfrontierende und hinterfragende Potential" werde zu wenig eingesetzt: "Man wünscht sich den hart aber fair nachfragenden Herrn Plasberg zurück." Der Beirat stuft die Sendung auch als zu weich ein. "Bei härteren politischen Themen könnte der Moderator seine Kompetenzen besser ausspielen", zudem fehle "diese Farbe im Ersten nun vollständig".

Wie die "taz" weiter berichtet, kritisiert der ARD-Beirat auch das Publikum von "Anne Will", "Günther Jauch" und "Hart aber fair". Die Zuschauer störten, "da zu oft und zu häufig auch an unpassenden Stellen geklatscht wird" - was wiederum "den Showcharakter" verstärke. Der Beirat hält "eine Reduzierung der Talkangebote […] für angebracht".

kha