Handy-Skandal ARD rechtfertigt fehlenden Brennpunkt

Aufregung um eine ausgebliebene Sondersendung: Medienjournalist Stefan Niggemeier hat ARD-Programmdirektor Volker Herres vorgeworfen, aus Quotengründen einen "Brennpunkt" zur Handy-Affäre verhindert zu haben. Die ARD hat jetzt reagiert: Die Vorwürfe seien "frei erfunden".

ARD-Programmdirektor Volker Herres: Kein "Brennpunkt" wegen Kai Pflaume?
NDR

ARD-Programmdirektor Volker Herres: Kein "Brennpunkt" wegen Kai Pflaume?


Hamburg/Berlin - Der NSA-Abhörskandal war am Mittwoch das Thema des Tages. Doch eine "Brennpunkt"-Sendung war das Handy von Kanzlerin Merkel der ARD nicht wert.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hatte in seinem Blog behauptet, die Entscheidung gegen den Handy-Skandal-"Brennpunkt" sei von ARD-Programmchef Volker Herres persönlich getroffen worden - und zwar gegen die Entscheidung der ARD-Chefredakteure, die zuvor ihr Okay für die Sondersendung gegeben hätte. "Anders als die legendären 'Brennpunkte', die das Erste ins Programm nimmt, wenn es zu seltenen Wetterphänomenen wie Schnee im Winter kommt, sind politische Sondersendungen ein Risiko, wenn es um die Quote geht", schreibt Niggemeier in seinem Blog.

Auch Frank Schirrmacher, Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", hat die ARD dafür kritisiert, keine Sondersendung zur Späh-Affäre gebracht zu haben. Dass die ARD keinen "Brennpunkt" gesendet habe, "finde ich skandalös", sagte Schirrmacher zum Schluss der Talkshow "Beckmann" am Donnerstagabend.

"Kaum weitere filmische Erkenntnisse"

Am Freitag hat die ARD auf die Vorwürfe reagiert: Man habe am Donnerstag nach interner Diskussion entschieden, keinen Brennpunkt zu bringen, "weil dieser - über die bereits vorgesehene, umfangreiche nachrichtliche Berichterstattung in einer verlängerten Hauptausgabe der "Tagesschau" hinaus - zu diesem Zeitpunkt kaum weitere filmische Erkenntnisse liefern hätte können", so die ARD-Pressestelle.

Das Erste habe sein Programm aktuell geändert und dem Thema ausgiebig Platz eingeräumt: Sowohl in der "Tagesschau" als auch in den "Tagesthemen" sei die Abhöraffäre Schwerpunkt gewesen. Außerdem hätte das Magazin "Kontraste" berichtet und Reinhold Beckmann habe in seiner Talkshow das Thema "Europa nach dem Handy-Gate" diskutieren lassen. "Das Programm des Ersten am gestrigen Tag war nicht 'business as usual'", rechtfertigte sich die ARD.

Die Entscheidung gegen einen "Brennpunkt" sei "ausschließlich aus inhaltlichen Gründen" erfolgt. Stefan Niggemeier hatte behauptet, Herres habe nicht mit einer vorgeschalteten Sondersendung die Quoten der Unterhaltungsshow "Die deutschen Meister" mit Kai Pflaume gefährden wollen. Das sei "frei erfunden", so die ARD-Pressestelle.

Die Kai Pflaume-Show lief übrigens trotz halbwegs pünktlichen Beginns nur dürftig: Gerade mal 9,8 Prozent Marktanteile erzielte die Spielshow.

twi/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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fpwinter 25.10.2013
1. Danke, ARD!
Endlich mal eine Entscheidung, die ich als Gebührenzahler gern mit trage: Ich fand schon seit einiger Zeit, es gibt immer mehr überflüssige "Brennpunkte" zu in ihrer Bedeutung weit überschätzten Themen. Muttis Handy wäre doch eher ein Thema für Satiresendungen ---
noalk 25.10.2013
2. gute Entscheidung
Was hätte ein "brennpunkt" zum Thema gebracht? Nichts! Die NSA spioniert - ist bekannt. Die Bundesregierung hat abgewiegelt - ist bekannt. Merkel versucht, das Thema auszusitzen - ist bekannt. Merkel wird auch ausspioniert - war zu erwarten. Der "Brennpunkt" läuft ohnehin Gefahr, durch inflationär ansteigende Zahl der Sendungen an Interesse beim Zuschauer zu verlieren. Also lieber mal kürzertreten. Gut so.
4141 25.10.2013
3. Ich kann es nicht glauben,
gleich der erste Kommentar ist ein Troll! Wenn es ihnen um die Gebüren geht, fragen sie mich nicht nach Kai Pflaume! Aber die CDU-Pressefraktion kann gerne weiterhin versuchen den Skandal klein zu halten. Wir werden so etwas von belogen, es ist eigentlich schon zum schreien! Es sind schon Regierungen, wegen weniger "Problemen" aus dem Amt gejagt worden. Wir haben nun einmal unser GG, und ich will es eingehalten wissen! Ich bezahle die Regierung doch nicht für`s LÜGEN!
cirkular 25.10.2013
4. Wozu einen Brennpunkt für eine Sache,
die schon längst beendet ist. Frau Merkel hat bewusst ihr Parteihandy benutzt, damit unsere amerikanischen Freund schnellstmöglich über ihre aktuellen Wenden informiert werden, bevor sei es in der Zeitung lesen müssen. Bis die Zeitung nämlich in den USA ist, könnte sie ja schon erneut gewendet sein oder haben.
seikor 25.10.2013
5. auch diese Meldung ist überflüssig
Merkels Handy ist eine Nachricht von vielen. Was ist daran so wichtig für die Bevölkerung, dass es einen "Brennpunkt" rechtfertigt? Brennpunkte ja bei Naturkatastrophen, wenn das Wissen der Bevölkerung umgehend befriedigt werdend muss. Aber doch nicht bei irgendeinem abgehörten Handy - das kann doch nicht wahr sein!!!???
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