Schmonzetten-Firma Degeto ARD-Tochter führt Frauenquote ein

Ab August werden bei Filmen der ARD-Tochter Degeto mehr Frauen Regie führen. Es geht um eine Quote von 20 Prozent. Damit kommt die Produktionsgesellschaft einer Forderung von Regisseurinnen nach.
Degeto-Film "Vier kriegen ein Kind"

Degeto-Film "Vier kriegen ein Kind"

Foto: ARD Degeto/Marion von der Mehden

Die ARD-Filmtochter Degeto führt eine Frauenquote für Regieaufträge ein. Eine Sprecherin bestätigte einen Bericht der "FAZ", wonach ab August bei mindestens 20 Prozent der Filme, die von der Degeto produziert oder mitfinanziert werden, Frauen Regie führen sollen. Die Firma soll eine Selbstverpflichtungserklärung für drei Jahre abgegeben haben.

Die Degeto ist eine Tochter der ARD und produziert für diese rund 100 Fernsehfilme und Serien im Jahr. Chefin ist seit 2012 die Juristin Christine Strobl. Sie sagte der "FAZ", mit der Einführung der Quote greife sie eine Forderung des Zusammenschlusses Pro Quote Regie auf  und wolle so in der Branche, bei Produzenten und in Redaktionen für ein verändertes Bewusstsein sorgen. Die bisherige Aufteilung der Geschlechter halte sie "für geradezu absurd".

Pro Quote Regie prangert an, dass Frauen zwar 42 Prozent aller Absolventen von Regiestudiengängen ausmachen, ihr Anteil bei den fiktionalen Programmen von ARD und ZDF aber nur 11 Prozent beträgt. Beim "Tatort" und "Polizeiruf 110" liegt der Anteil sogar nur bei 9 Prozent. Diese Zahlen hatte der erste Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie (BVR), der im November 2014 veröffentlicht wurde, ergeben.

Imagewandel für die Süßstoff-Fabrik?

In einer Stellungnahme zu Strobls Vorstoß schreibt Pro Quote Regie: "Generell geht es darum, dass Produktionsfirmen und Sender ihr Netzwerk an Regisseurinnen aktiv ausbauen müssen." Die freiwillige Selbstverpflichtung der Degeto könne dabei nur ein Anfang sein, sei aber ein erster Schritt mit Signalwirkung.

Der Verein, in dem sich 170 Regisseurinnen zusammengeschlossen haben, fordert bis 2018 einen Regieanteil von 30 Prozent bei Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender, bis 2020 soll er sich auf 42 Prozent erhöht haben.

Möglicherweise hängt die Ankündigung der Quote mit dem Versuch der Degeto zusammen, sich einen Imagewandel zu verpassen. In der Vergangenheit hatten ihr Produktionen wie die "Lilly Schönauer"-Reihe oder Schmonzetten mit Titeln wie "Tulpen aus Amsterdam" den Spottnamen "Süßstoff-Fabrik" eingebracht.

Seit 2014 steuert Chefin Strobl um. Sie kündigte bei ihrem Antritt an, man könne leicht sein, ohne seicht zu sein. Das Ergebnis sind Filme wie die Demenz-Komödie "Nicht für Feiglinge" oder "Vier kriegen ein Kind", in dem es um zwei schwule Paare mit Kinderwunsch geht.

kae/dpa
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