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"Brot und Spiele" in der ARD: Ein Hauch von "Dschungelcamp"

Foto: Horst Ossinger/ dpa

"Brot und Spiele" in der ARD Schweine-Euter im Sandkasten

Was wissen wir über die Römer? Sie aßen Euter vom Schwein, verpackten ihre Muskeln in Body-Panzern und schummelten beim Würfeln. Die ARD ist ihrem Bildungsauftrag nachgekommen und hat dem Publikum "Brot und Spiele" präsentiert - eine langatmige Latschenshow.

Am Spannendsten war die Frage, ob das Wetter halten würde. Gewitter waren angekündigt für den Niederrhein, und eventuell hätte noch während der Live-Sendung evakuiert werden müssen. Aber um Spannung ging es in "Brot und Spiele", anders als damals in Rom, bei der ARD ohnehin nur am Rande.

Angelegt war der Abend als familienfreundliche Mischung aus "Wetten, dass ..? ", "Spiel ohne Grenzen" und "Galileo". Der mächtigste und dauerhafteste Staat, den unser Erdteil je gesehen hat - als thematischer Hintergrund für ein TV-Reality-Game am Samstagabend. Moderator Matthias Opdenhövel wollte über die Römer vor allem wissen: "Wie haben sie gelebt, was haben sie angehabt, und warum waren sie so erfolgreich?"

Diese und noch ganz andere Rätsel sind von legendären Historikern wie Edward Gibbon oder Theodor Mommsen schon vor Generationen auf Tausenden von Buchseiten weitgehend gelöst worden. Das Fernsehen freilich verfolgt einen anderen, etwas bekömmlicheren Ansatz. Nach nur sechs Minuten wurde erstmals "Asterix und Obelix" erwähnt, nach 27 endlich "Das Leben des Brian". Und der Hollywood-Film "Gladiator" stand gewissermaßen Pate für die Veranstaltung. Schließlich war auch der wiederholt als "baumgleich" bezeichnete "Gladiator"-Nebendarsteller Ralf Moeller mit von der Partie.

Die Römer haben also gut gelebt, sie haben die unterschiedlichsten Klamotten angehabt und eine offenbar recht effiziente Armee unterhalten. Um das herauszufinden und ihrem Bildungsauftrag nachzukommen, fuhr die ARD einiges auf. 100 Komparsen stellten in bewährter Reenactment-Manier römisches Leben zur Schau. 3000 Zuschauer verfolgten in der rekonstruierten Arena der römischen Metropole Xanten, wie sich Franziska van Almsick, Maite Kelly, Christine Neubauer, Jens Riewa oder Henry Maske durch betuliche Sandkastenspielchen quälten.

Ein Hauch von "Dschungelcamp"

Die Prominenten bildeten zwei Teams, wie im Kindergarten in eine "Bären"- und eine "Löwen"-Gruppe aufgeteilt. Sie sollten auf einer Deutschlandkarte den Limes legen, den Zweck archäologischer Artefakte erraten, aus Styroporsteinen Rundbögen errichten oder römische Speisen von nichtrömischen Speisen unterscheiden. Dabei erfuhr man dann zwar, dass die Römer bei aller Liberalität doch "lactoseintolerant" waren und deshalb Milch und Käse mieden - nur ist es eben wenig aufregend, minutenlang einer Gruppe von Leuten in antiken Kostümen dabei zuzuschauen, wie sie plappernd und tuschelnd um ein Buffet herumwuseln. Euter vom Schwein! Perlen in Essig! Da wehte ein Hauch von "Dschungelcamp" durch Xanten.

Aber auch potentiell aufregendere Spiele wie das Zielschießen mit nachgebauter Artillerie gingen seltsam fahrig über die Bühne. Und der zum "Höhepunkt des Abends" hochgejazzte Gladiatorenkampf zwischen Ralf Moeller und Henry Maske glitt unter dem Gekeuche und Gestakse der Protagonisten mit ihren hölzernen Schwertern unfreiwillig ins Komische ab. Die Römer wussten schon, warum sie Blut sehen wollten. Dazu passte, dass ausgerechnet der "Comedian" Bernhard Hoëcker ("Switch reloaded", "Ladykracher") mit seinen Respektlosigkeiten stellenweise Opdenhövel die Show stahl - und der darüber fast handgreiflich wurde. Immerhin war es Hoëcker, der die Liste der innerhalb dieser drei zähen Stunden tatsächlich namentlich genannten Römer (Cäsar, Pompeius, Vitruv) um den Kaiser Hadrian erweiterte. Und immer wieder übernahmen es die Gäste, nicht der überforderte Opdenhövel, das sachte entschlummernde Publikum hin und wieder zum Klatschen zu animieren.

Am Ende wirkten alle Beteiligten erleichtert, als die Sendung endlich vorbei war. "Brot und Spiele" ist als Experiment respektabel, aber gescheitert. Es war tatsächlich kaum lehrreicher als "Asterix als Legionär", bei weitem aber nicht so unterhaltsam.

Sogar das Gewitter blieb aus.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.