Fußball-EM in ARD und ZDF Ein Team von Wasserträgern

Die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten ARD und ZDF schicken eingespielte Mannschaften zur Fußball-EM nach Polen und in die Ukraine. Ihre Konzepte sind bewährt, die Führungsfiguren bekannt. Nur das Zusammenspiel versuchen die Sender zu verbessern - allerdings nur hinter den Kameras.

DPA

Von Cai-Simon Preuten


Hamburg - Mit eingespielten Teams, bekannten Gesichtern und bewährten Konzepten übertragen ARD und ZDF alle 31 Spiele der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Neu ist nur das Zusammenspiel der TV-Anstalten. Produktion und Technik sollen in beiden Ländern eng verknüpft werden - nach dem Motto: "Was deins ist, ist auch meins".

Die ARD leitet die Produktion in Polen, das ZDF in der Ukraine. Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur und erstmals Teamchef einer ARD-Mannschaft bei einem sportlichen Großereignis, erklärte am Dienstag: "Wenn die ARD eine Übertragung in einer ukrainischen Stadt durchführt, macht sie das mit Personal vom ZDF."

Das gilt allerdings nur für die fast 600 Mitarbeiter hinter den Kulissen. Die Führungsfiguren bleiben die Aushängeschilder der Sender. Die Konkurrenz bestehe trotz aller Vertrautheit natürlich weiter, sagte denn auch Schönenborns ZDF-Pendant Dieter Gruschwitz bei der Vorstellung des Sendekonzeptes.

Der Sportchef läutete die heiße Vorbereitungsphase auf die EM mit einer Vertragsverlängerung ein. Oliver Kahn bleibt als Experte drei weitere Jahre bis 2015 beim zukünftigen Champions-League-Sender und bildet auf der deutschen Insel Usedom erneut ein Team mit Katrin Müller-Hohenstein. Am Ostseestrand wird eine EM-Arena aufgebaut, analog zur Seebühne in Bregenz 2008. Als Aushängeschild am Mikrofon ist erneut Béla Réthy gesetzt. Dem Live-Reporter werden beste Aussichten eingeräumt, das Finale am 1. Juli zu kommentieren.

Routine auch bei der ARD: Experte ist und bleibt Mehmet Scholl im Studio-Doppelpass mit Routinier Gerhard Delling, der seine sechste EM absolviert. Reinhold Beckmann moderiert aus dem Stadion, während Newcomer und Sportschau-Moderator Matthias Opdenhövel die deutsche Mannschaft in ihrem Quartier in Danzig begleitet. Das Eröffnungsspiel am 8. Juni in Warschau soll Tom Bartels kommentieren.

Schönenborn bezeichnete das Turnier als "die politischste EM der Geschichte. Noch nie zuvor gab es in einem Austragungsland solche Menschenrechtsverletzungen". Beide Sender seien sich der Aufgaben bewusst und versuchen den Spagat zwischen Event-Berichterstattung und öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag.

Deswegen führt Wahlmoderator Schönenborn die Sportmannschaft der ARD sogar an, beim ZDF sitzt mit Theo Koll vom "auslandsjournal" ebenfalls ein Experte im Team. "Der europäische Osten ist für uns völlig unvertraut. Mit unseren Dokumentationen wollen wir ein Fenster öffnen", sagte Koll.



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