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Jauch-Talk: Kachelmanns Richter

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Massive Kritik an Günther Jauch ARD verteidigt Kachelmann-Talk

War es ein Fehler von Günther Jauch, Jörg Kachelmann zu sich in die Sendung einzuladen? Waren der Moderator oder seine Redaktion gar überfordert davon? Die ARD und die Produktionsfirma weisen die Kritik von sich.

Hamburg - Die ARD und Günther Jauchs Produktionsfirma I&U TV haben auf die Kritik an der Talkshow-Ausgabe vom Sonntagabend reagiert. Jauch hatte dort den vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochenen Wettermoderator Jörg Kachelmann zu Gast. Die Sendung hatte den Titel: "Kachelmanns Fall - Was ist ein Freispruch wert?".

Nicht viel, lautet wohl die Antwort auf diese Frage - das zumindest legte der verunglückte Verlauf der Sendung nahe, in der Moderator Jauch dem ehemaligen Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Hans-Hermann Tiedje viel Raum gab, um Kachelmann - auch persönlich - zu attackieren. So bezeichnete er Kachelmann als "Wetterfuzzi" und attestierte ihm einen "miesen Charakter". Eine sachliche Diskussion war bei solchen Angriffen kaum mehr möglich. Jauch beschloss die Sendung mit dem Fazit, dass alle "relativ unbefriedigt" aus dem Gespräch gegangen seien. Neben SPIEGEL ONLINE kritisierten auch andere Medien wie "Die Welt"  oder die "FAZ"  Jauch für dessen Gesprächsführung.

Andreas Zaik, Chefredakteur und Geschäftsführer von Jauchs Firma I&U TV, sagte nun, dass jede Woche Kritiker dem Moderator bescheinigten, dieselbe Sendung entweder "äußerst souverän" oder "komplett ahnungslos" moderiert zu haben. Es scheine so, als sehnten sich die Zuschauer danach, dass bei "Günther Jauch" die Wahrheit schlechthin sowie die Lösung aller angesprochenen Probleme verkündet werden. Die Sendung wolle aber den Diskurs über gesellschaftspolitische Themen abbilden. Aufgabe sei es, die Argumente in ihrer Widersprüchlichkeit zuzulassen - und der Moderator solle sie strukturieren.

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann sekundierte: Die Frage, "Was ist ein Freispruch wert?", sei ein relevantes Thema. Im Übrigen gelte: "Wenn Personen, die über Monate hinweg wesentlicher Gegenstand medialer Berichterstattung waren, erstmals bereit sind, sich einem längeren Live-Gespräch im Fernsehen zu stellen, so gibt es keinen Grund, darauf zu verzichten." Natürlich nehme er das Echo auf die Sendung zur Kenntnis. Man werde daraus aber "keine Lehren ziehen, weil wir unsere redaktionelle Linie für richtig erachten."

Jauch war erst im Juni vom ARD-Programmbeirat stark kritisiert worden. Dem Gremium missfiel auch der Moderationsstil des ARD-Talkmasters: "Herr Jauch ist der einzige Moderator, dessen Gesprächsführung der Beirat deutlich kritisieren muss", heißt es in einer mehrseitigen internen Analyse. Jauch hake "selten nach", setze sich "über die Antworten seiner Gäste hinweg", folge "strikt seinem vorgefertigten Konzept" und hake bloß "eine Frage nach der anderen ab". Er gehe "einer ihm nicht genehmen Gesprächsentwicklung" aus dem Weg, die Diskussion verlaufe "selten ergebnisoffen". Jauch betreibe "Stimmungsmache".

kha/dpa
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