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Harald Schmidt Show: Der Profi-Abgänger

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Show-Aus für Harald Schmidt Ein Prost auf die ewige Sommerpause

Ein Stück deutscher TV-Geschichte geht zu Ende. 17 Jahre nach der Premiere setzt Sat.1 die "Harald Schmidt Show" ab. Das Publikum wollte den Late-Night-Talker einfach nicht mehr sehen. Ein entscheidender Fehler führte zu diesem Liebesentzug, er trägt den Namen: Oliver Pocher.

Es war sinnlos, der Patient siechte nur noch vor sich hin. Besucht wurde er zuletzt nur noch von rund 500.000 festen Freundinnen und Freunden. Jetzt werden die lebenserhaltenden Geräte endgültig abgeschaltet. Nach einer Sendezeit von nur acht Monaten zieht Sat.1 die Konsequenzen aus den katastrophalen Einschaltquoten und setzt die "Harald Schmidt Show" ab. Wenn am 3. Mai die letzte Sendung ausgestrahlt wird, geht damit auch ein Stück deutscher Fernsehgeschichte zu Ende.

Schmidts Manager und langjähriger Wegbegleiter Fred Kogel gab zu Protokoll: "Die Sendungen waren gut, die Quoten waren es insgesamt noch nicht. Eine tägliche Late Night Show braucht entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit. Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf." Und Sat.1-Geschäftsführer Joachim Kosack sagte, was Geschäftsführer eben sagen, wenn sie eine unprofitable Abteilung schließen: "Harald Schmidt ist für mich persönlich Late Night der Extraklasse. Doch auch die Erhöhung der wöchentlichen Frequenz auf drei Ausgaben hat die Fangemeinde leider nicht ausreichend erweitern können. Ich danke Harald Schmidt und seinem gesamten Team herzlich für viele wunderbare Sendungen."

Dabei war Harald Schmidt am Ende gar nicht mal viel schlechter als in den Jahren unmittelbar zuvor. Und wahrscheinlich hätte es auch nichts genützt, wenn er wesentlich besser gewesen wäre. Die besten Quoten seit seiner Rückkehr zu Sat.1 hatte er in der ersten Sendung. Es war, als habe sich das Publikum damals vergewissern wollen, dass es Harald Schmidt noch gibt. Es gab ihn, er war wie immer - und damit begann der lange Sinkflug. Man könnte sagen, dass das Prinzip Schmidt "auserzählt" war oder nicht mehr "zeitgemäß" ist. Und kommt doch nicht umhin, ihm eine gewisse Amtsmüdigkeit zu attestieren.

Mit altersbedingter Wurschtigkeit in die ewige Sommerpause

Zuletzt verhedderte er sich in schulhoftauglichem Gezanke mit Thomas Gottschalk, der in der "Todeszone" vor der "Tagesschau" gerade um sein Lebenswerk kämpft. Gottschalk warf per Twitter den Fehde-Handschuh ("Lieber Harald, spiele diese Woche nur vor Testpublikum, aber habe dabei immer noch mehr Zuschauer als Du"), und Schmidt nahm ihn in seiner Sendung feixend auf: "Ich glaube, Thommy macht mit dem Showkonzept das, was er sonst mit weiblichen Gästen macht: einfach noch 'n bisschen rumfummeln." Das war, als würde man zwei nicht einmal mehr sonderlich rüstigen Rentnern dabei zuschauen, wie sie mit ihren Krückstöcken aufeinander losgehen - man will, dass das aufhört.

Tatsächlich fühlt es sich nun ein wenig so an, als erklärte eine ehemals populäre Rockgruppe ihre endgültige Auflösung, die man ohnehin seit Jahren nicht mehr gehört hat. Es gibt den Schmidt der Sturm-und-Drang-Phase ("Schmidteinander"), es gibt die klassische Hochzeit in Idealbesetzung mir einem Marktanteil von bis zu zwölf Prozent (Andrack!) - und die Ära des allmählichen Abgleitens in die altersbedingte Wurschtigkeit.

Wenn er in dieser erstaunlichen Karriere einen entscheidenden Fehler gemacht hat, dann war es sein Zutrauen zu Oliver Pocher. Zuvor konnte man als Zuschauer mit Schmidt immer, auch in seinen müden Jahren bei der ARD, in eine Art inneren Dialog treten - und natürlich genial finden, was er da an albern abgefedertem Bildungsfernsehen veranstaltete.

Als aber Schmidt statt auf einen Jedermann wie Manuel Andrack lieber auf einen präpotenten Sidekick wie Oliver Pocher setzte, war die Liebe enttäuscht und damit vorbei. Wenn in der Oper die Arien plötzlich nicht mehr gesungen, sondern von einem B-Boy in runtergelassenen Hosen gerappt werden, gehen die Abonnenten eben nicht mehr in die Oper. Und die HipHopper kommen ja sowieso nicht.

Von der Pocher-Episode hat sich Schmidt nicht mehr erholt. Und daran konnte auch nichts mehr ändern, dass seine "Performance" weiterhin solide war und ihm zuletzt noch ein dritter Sendeplatz eingeräumt wurde. Nun geht er also in die ewige Sommerpause, und er geht mit einem einzigen Wort: "Schade". Ein Kommentar wie das gleichmütige Schulterzucken eines Übersättigten: Tja, dann halt nicht. Tschüs.