Arte-Talk "Hotel Bela" Die Nacht der lebenden Zombies

Von wegen untotes Format: Dem Ärzte-Schlagzeuger Bela B. ist mit "Hotel Bela" auf Arte eine lebendige und überraschende Talksendung gelungen. Er stellt George A. Romero die richtigen Fragen, interessiert sich sogar tatsächlich für den Horror-Regisseur - und eine Serie ist nicht geplant. Schade.

ZDF

Von Daniela Zinser


So, liebe Leute vom Ersten Deutschen Fernsehen, Bildungsauftrag: Halloween wird Arte geguckt! Kurz vor Mitternacht zeigt da nämlich Ärzte-Schlagzeuger Bela B. mit seiner einmaligen Mini-Talkshow "Hotel Bela", wie so eine Gesprächsrunde komprimiert, fokussiert, sparsam, informativ und ungeheuer unterhaltsam funktionieren - und vor allem auch noch überraschen kann.

Man braucht dafür nicht fünf verschiedene Moderatoren und zig Gastzombies, die in den Talkshowkulissen Woche für Woche ihr Unwesen treiben, sondern nur zwei Leute, die das tun, was ihnen Spaß macht, nämlich Untotenfan Bela B. und Horror-Regisseur George A. Romero ("Die Nacht der lebenden Toten"). Das passt thematisch natürlich prima zu Halloween. Und selbst wenn man sich als Zuschauer weder für den einen noch für den anderen je interessiert hat, kann man hier eine halbe Stunde lang richtig ungruseligen Spaß haben.

Originelle Spiele und ein Minibar-Test

Bela B. trifft Romero im Hotelzimmer in Lissabon, wo der Regisseur gerade einen neuen Film vorstellt und vor all den Zombiefans in der Lobby flüchtet. Im temporären Zuhause kommt der Musiker dem Regisseur überraschend nahe, am Ende hat man viel mehr über Zombies gelernt, als man je wollte. Bela B. ist ein Riesenfan, was den großen Charme der Sendung ausmacht. Romero habe seine Welt verändert, erzählt er am Anfang und stöbert ungehemmt in all den Dingen, die im Zimmer herumliegen - Adapterstecker, DVDs, Sudokuhefte.

Bela B. hat ein Geschenk dabei und eine Herrenhandtasche, weil er so gerne so ein Achtziger-Jahre-Zombie wäre, und er führt stolz das Video zum Ärzte-Lied "Junge" vor, in dem es reichlich Untoten-Action gibt. Gemeinsam mit Romero testet er die Minibar, den Zimmerservice und den Notausgang. In zwei originellen Spielen muss der Regisseur Ausschnitte aus Filmen sich selbst oder Kollegen zuordnen, später soll er dasselbe mit Zitaten tun, daraus ergibt sich ein weiteres Interview mit vielen klugen Sätzen.

Man erfährt, dass Zombies auch nur Menschen sind, was lebende Gewerkschaftstote von anderen unterscheidet, dass Übertreiben das Schlimmste ist, und was der Regisseur nachts im Hotelzimmer macht. Romero erzählt von seinen Gummienten, davon, für welche Filme er sich schämt und was er aus Hotels mitgehen lässt. Und wie die Dame vom Roomservice reagiert, als sie spontan untot sein soll, ist schon das Einschalten wert.

Ansteckende Leidenschaft und Spaß am Blödsinn

Romero, ein nettes, geduldiges Großvaterchen, wirkt erst überrascht, taut aber immer mehr auf und ist am Ende offenbar fast überwältigt von der Begeisterung, mit der Bela B. auf ihn einredet. Mit kindlicher Freude bespricht er den Anrufbeantworter des Musikers und dreht eine Horrorfilmszene mit ihm im Hotelzimmer. Spätestens da sind die Leidenschaft und der Spaß der Beiden ansteckend.

Formate wie Benjamin von Stuckrad-Barres Late-Night-Show auf ZDFneo, "Durch die Nacht mit..." auf Arte und nun eben "Hotel Bela" zeigen, wie viel rauskommen kann, wenn man sich verabschiedet von den üblichen Fragerunden. Und auch wenn die Clipästhetik etwas nervt, hätte man sich noch viel mehr davon gewünscht. Doch leider ist "Hotel Bela" eine einmalige Sendung.

Eine Reihe sei gar nicht geplant, heißt es bei Arte, obwohl das Konzept - Bela B. trifft Menschen, von denen er begeistert ist und die er wirklich kennenlernen will in deren Hotelzimmer - doch nach einer Fortsetzung brüllt. Denn das sind garantiert nicht die üblichen Verdächtigen, von denen man jeden Satz schon kennt. So müsste man doch auch den Euro retten, die Rente sichern und die Bildungslücke schließen können, oder ARD?


"Hotel Bela", Montag, 31. Oktober, 23.40 Uhr auf Arte

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels wurde irrtümlicherweise behauptet, dass in dem Ärzte-Video zu "Lasse Redn" Zombies aufmarschieren. Tatsächlich war der Clip zu "Junge" gemeint. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
hajoschneider 31.10.2011
1. nein
Zitat von sysopVon wegen untotes Format:*Dem Ärzte-Schlagzeuger Bela B. ist mit "Hotel Bela" auf Arte eine lebendige und überraschende*Talksendung gelungen. Er stellt George A. Romero die richtigen Fragen, interessiert sich sogar tatsächlich*für den Horror-Regisseur - und eine Serie ist nicht geplant. Schade. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,794971,00.html
ganz im gegenteil: gott sei dank, denn alles was im Fernsehen zur serie mutiert, verliert in kürzester zeit seinen reiz.
FriedlichC 31.10.2011
2. Korrektur
Das Zombie-Video von die ärzte ist übrigens nicht "Lasse Redn", sondern "Junge".
eiju 31.10.2011
3. Fetzt.
Und in zwanzig Jahren machen wir das mit Herrn B. :-)
BlakesWort 31.10.2011
4. Bela B. ... keine Überraschung!
Ähem, mit Verlaub, der Lead zum Artikel (der fettgedruckte Vorspann) ist ein ziemlicher Witz. Bela B. hat seinen Namen von Bela Lugosi, DEM Stummfilm-Dracula-Darsteller, der sich sogar in seinem Vampir-Umhang bestatten lies. Zudem hat Bela (der von den Ärzten) diverse Auftritte in Horror-Kurzfilmen hinter sich - unter anderem als lebender Toter, um beim Terminus von Romero zu bleiben, der eigentlich nie von Zombies spricht. Von einer Überraschung hinsichtlich seines Wissens über Romero oder Horrorfilme zu sprechen, kann nur einem interessierten Laien einfallen. Bela B. ist wie Romero ein Relikt in Zeiten, in denen Kommerz regiert und Qualität selbst auf Sendern wie arte abnimmt. So, genug geschrieben... arte gucken!
sam clemens, 01.11.2011
5. Keine Serie!
Das wäre der Tod der guten Idee! - Abgesehen davon mal was Beckmesserisches - Bücher, Sätze, Bemerkungen können nicht klug sein, sondern nur zutreffend, gut formuliert, einleuchtend usw. Klug sein können nur Menschen
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