Asyl-TV-Show in den Niederlanden Kurdin gewinnt 4000 Euro - und muss gehen

Auch beste Landeskenntnisse schützen nicht vor der Abschiebung: In Holland haben abgelehnte Asylbewerber in der Quiz-Sendung "Raus aus den Niederlanden" ihr Wissen über die neue Heimat gezeigt. Ausgewiesen werden sie trotzdem. Das Quiz war eine gezielte Provokation.

Die Kurdin Gulistan (links) ist die Gewinnerin von "Raus aus den Niederlanden"
AP/ Desmet

Die Kurdin Gulistan (links) ist die Gewinnerin von "Raus aus den Niederlanden"


Den Haag/Hamburg - Fast eine Stunde lang konnten die Kandidaten mit Wissen brillieren, das ihnen in ihrem neuen Leben wahrscheinlich nicht mehr viel nutzen wird: Im niederländischen Fernsehen haben sich am Donnerstag fünf abgelehnte Asylbewerber einem Wissens-Quiz über das Land gestellt, das sie nun verlassen müssen. Siegerin der als gezielte Provokation gedachten Show war eine junge Kurdin aus Armenien.

Die junge Frau namens Gulistan gewann bei der am Donnerstabend im öffentlich-rechtlichen Sender VPRO ausgestrahlten Sendung "Weg van Nederland" (etwa: Raus aus den Niederlanden) 4000 Euro - die sie nach ihrer Abschiebung für ihr Leben in Armenien bekommen soll. In der Sendung stellten fünf abgelehnte Asylbewerber, die seit mindestens neun Jahren in den Niederlanden leben und denen die Ausweisung droht, ihr Wissen über die Niederlande unter Beweis.

"Wir wollten eine Debatte anstoßen"

Die Macher der zunächst zynisch anmutenden Sendung wollten mit dem Quiz nach eigenen Angaben auf den Umgang mit Asylbewerbern in den Niederlanden aufmerksam machen. "Wir wollten wirklich eine Debatte anstoßen", sagte Marius van Duin, der die Sendung mit entworfen hatte, in einem vor der Quiz-Show ausgestrahlten Beitrag.

VPRO-Chefredakteur Frank Wiering erklärte: "Wir wollen zeigen, wie sehr sie (die Quizteilnehmer) Niederländer sind." Es gehe nicht um "Geschichten vom Unglück" der betroffenen Menschen. Vielmehr sei es darum gegangen, klar zu machen, dass es falsch sei, die Asylbewerber in ihre Heimatländer zurückzuschicken.

In der 50-minütigen Sendung mussten die Kandidaten Fragen rund um Politik, Kultur und Sport in den Niederlanden beantworten und unter anderem die Landkarte der Niederlande mit Gouda-Käse nachstellen. Unter den Kandidaten waren unter anderem ein Medizinstudent aus Syrien und eine Studentin der Luftfahrttechnik aus Kamerun, sie alle sprachen perfektes Niederländisch. Die Verlierer erhielten Trostpreise wie Blumenknollen, ein Überlebenspäckchen oder eine mit Windmühlen verzierte Rettungsweste.

Die Gewinnerin Gulistan hatte offenbar vergeblich alle rechtlichen Möglichkeiten gegen ihre Abschiebung ausgenutzt. "Haben Sie jetzt gesehen, wie sehr ich eine neue Heimat gefunden habe?", fragte sie nach ihrem Sieg in die Fernsehkamera.

kuz/AFP



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
lef 02.09.2011
1. Schön dämlich von uns!
Aber man will ja Gleichbehandlung, da werden eben Alle über ein Brett geschubst, die hochmotivierten, integrierten und intelligenten Zuwanderer (die wir wirklich gerne hier hätten) wie auch die anderen (denen es zwar an Vielem fehlt, aber das ersetzt dann ein Rechtsanwalt, vom Staat bezahlt, der schindet erst mal Zeit heraus). Andere Staaten entscheiden da anders und sind erfolgreicher. Ein nicht genanntes Problem ist der Rest der Familie - oft eben nicht so hochqualifiziert, und die wollen dann auch bleiben - oder nur gemeinsam gehen.
teenriot 02.09.2011
2. .,-
Gewagte Aktion - Aber man hat voll ins Schwarze getroffen. Wenn ich jetzt noch wüsste das die der Sender keinen Gewinn mit der Show gemacht hat bzw. diesen spendet, könnte ich ruhigen Gewissens sagen: Respekt!
Annika Hansen, 02.09.2011
3. ...
Manchmal fragt man sich wirklich, was das soll. Da werden in Deutschland nach Jahren plötzlich gut integrierte Familien abgeschoben, deren Kinder in Deutschland geboren wurden und die überhaupt keinen Bezug zur alten Heimat mehr haben. Wieso fällt es dem Staat ein, da Härte zu zeigen, wo Milde und Nachsicht angebracht wären? Auf der anderen Seite fragt man sich, wie ausländische Intensivtäter erst zu Intensivtätern werden können, warum die nicht schon abgeschoben werden, bevor sie ihre kriminelle Karriere in D weiterverfolgen können.
dirk.kunkel.ronnenberg 02.09.2011
4. ...
Sehr gutes Konzept für Vorabendunterhaltung. Wann wird das für das deutsche Fernsehen adaptiert? Das wäre bestimmt lustig und hätte gute Einschaltquoten.
Neurovore 02.09.2011
5. ...
Zitat von dirk.kunkel.ronnenbergSehr gutes Konzept für Vorabendunterhaltung. Wann wird das für das deutsche Fernsehen adaptiert? Das wäre bestimmt lustig und hätte gute Einschaltquoten.
Bei uns braucht es aber immer eine dreiköpfige Jury. Wen nimmt man da am besten?
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