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27. September 2018, 13:21 Uhr

Von "Deutschland86" bis "Das Boot"

Das sind die deutschen Serien-Hoffnungen

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Nie haben so viele Anbieter so viele deutsche Serien ins Rennen geschickt wie diesen Herbst: von "Babylon Berlin" in der ARD über "Dogs of Berlin" bei Netflix bis zum "Boot" bei Sky. Der Überblick.

Schon vor ziemlich genau einem Jahr waren Bahnhöfe und Einkaufszentren vollgehängt mit Plakaten, die von Angst, Rausch und Größenwahn im Berlin der Weimarer Republik kundtaten - jetzt hängen diese Plakate wieder überall. Es geht um "Babylon Berlin", das große Serienpanorama in 16 Folgen. Der Hintergrund: Im Oktober 2017 zeigte der Pay-TV-Anbieter Sky die Premiere von "Babylon Berlin", erst jetzt ist das Erste mit der Premiere im Free-TV-dran.

Es ist eine komplizierte Geschichte: Zwar trug Sky nicht mal ein Viertel zum Rekord-Budget von 38 Millionen Euro bei - damit sich der Einsatz rechnet, rang der Sender aber der ARD ab, die Serie für einen längeren Zeitraum exklusiv auswerten zu dürfen. Viele Kritiker sahen darin eine öffentlich-rechtliche Starthilfe für einen Privatanbieter, ein in der deutschen Fernsehgeschichte bis dahin einmaliger Finanzierungsstunt.

Wenn "Babylon Berlin" nun endlich ab diesem Sonntag im frei empfangbaren TV läuft, ist das auch der Startschuss für einen Fernsehherbst, in dem so viele unterschiedliche Anbieter so viele deutsche Highend-Serien zeigen wie nie zuvor - und deren Finanzierungsmodelle sind nicht minder verwegen.

Wer arbeitet mit wem zusammen? Was läuft wo? In unserer kommentierten Bildgalerie erhalten Sie einen Überblick.

Zum Teil sind die Kooperationen für den normalen Fernsehzuschauer kaum nachzuvollziehen: Am 19. Oktober startet zum Beispiel "Deutschland86", die Fortsetzung des aufwendigen Kalter-Krieg-Szenarios "Deutschland83". Und zwar bei Amazon. Das ist eine kleine Umstellung für die alten Anhänger der Serie, lief die erste Staffel vor drei Jahren doch bei RTL. Der Sender ist als Co-Finanzier immer noch mit an Bord, wird die zweite Staffel aber erst Ende 2019 zeigen.

Auch für die Umsetzung von "Parfüm" einigte man sich auf ein völlig neues Kooperationsmodell: Die Thrillerserie wurde vom ZDF und von Netflix gemeinsam finanziert - allerdings ist der Anteil des Streamingdienstes der sehr viel geringere. Deshalb wird die sehr, sehr freie Patrick-Süskind-Adaption im November erst bei ZDFneo zu sehen sein, dann im ZDF-Hauptprogramm und schließlich noch weiter über die Sendermediathek abrufbar sein. Netflix wird erst spät im Jahr drauf die Auswertung übernehmen, dann vor allem für den internationalen Markt.

Wo man im deutschen Serienfernsehen hinschaut, überall stößt man zur Zeit auf überraschende Bündnisse: Die Cyber-Crime Serie "Hackerville", die in Deutschland und Rumänien spielt, wird von TNT Serie und der neuen osteuropäischen Dependance der US-Pay-TV-Instanz HBO kofinanziert. In Deutschland übernimmt ab dem 8. November TNT Serie die Erstausstrahlung.

Dass bei diesen komplizierten internationalen Co-Produktionen alle Partner auf ihre Kosten kommen, dafür gibt es bislang noch keinen Beleg. Der Produzent Nico Hofmann, der mit seinem Unternehmen Ufa federführend an der Herstellung von "Deutschland86" und "Hackerville" beteiligt ist, geht davon aus, dass der Trend zur Share-Ökonomie bald vorbei ist. Im SPIEGEL-Interview erklärte er jüngst: "Die Produzenten werden versuchen, die Serien in ihren eigenen Systemen zu halten."

Als Beleg für Hofmanns These könnte man die Neuverfilmung von "Das Boot" als achtteilige Serie nehmen. Sky brachte (mithilfe der Bavaria) ein weiteres Mal ein rekordverdächtiges Budget auf, diesmal stemmte man es aber ohne einen weiteren deutschen Senderpartner. Die Pay-TV-Premiere ist am 23. November, von einer Free-TV-Premiere will man bei Sky nichts wissen.

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