ARD-Premiere der neuen Folgen "Babylon Berlin" - die neue Staffel im Schnellcheck

Gangster, Militaristen, Partyvolk - wem gehört die Weimarer Republik? Die dritte Staffel der Serie "Babylon Berlin" zeigt die Metropole am Siedepunkt. Immer noch große Serienkunst.
Roaring Twenties: Charlotte (Liv Lisa Fries, re.) und Vera (Caro Kult) amüsieren sich

Roaring Twenties: Charlotte (Liv Lisa Fries, re.) und Vera (Caro Kult) amüsieren sich 

Foto: Frédéric Batier / ARD

Das Szenario:

Exzess, wo man hinschaut. Verschwörung, wo man hinhört: Die 12 neuen Folgen der Monumental-Serie schließen nahtlos an die 16 ersten an und folgen Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) weiter durch Bordelle, Tanzsäle, Zeitungsredaktionen, Filmstudios, Opiumhöllen und großbürgerliche Salons im Berlin des Jahres 1929. Bei den Ermittlungen zu dem Mord an einem Filmsterchen werden Rath und Ritter mit den Kontrahenten konfrontiert, die um die Macht in der Stadt und dem Land ringen. Gangster, die den Filmbetrieb unter ihre Fittiche bringen wollen. Militaristen, die sich für die Wiederbewaffnung Deutschlands zusammenrotten. Industrielle, die mit ihrem Kapital auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Weimarer Republik spekulieren.

Der Clou:

Babylon goes Hollywood: Stärker als in den ersten beiden Staffeln wird hier dem US-Kino gehuldigt. Klassische Gangster-Ikonografie, Slasher-Gewaltszenen, okkulter Horror - die Serienschöpfer Henk Handloegten, Achim von Borries und Tom Tykwer spielen mit Genre-Versatzstücken der US-Filmgeschichte, um ihre ganz eigene Version vom Todeskampf der Weimarer Republik zu erzählen. Dass der Crash der Berliner Börse im Oktober 1929 von rechten Verschwörern hervorgerufen wurde, ist dabei die eigenwilligste Ausdeutung.

Das Bild:

Menschen knüpfen sich an Balustraden auf, Papiere fliegen wie Aschefetzen durch die Lobby, draußen toben die Anleger. Die ersten Minuten von "Babylon Berlin", in denen Gereon Rath in einer Vorschau auf die kommenden Ereignisse durch die Berliner Börse taumelt, ist ein Wimmelbild der Agonie und des Aufruhrs.

Der Dialog:

Wir sind in den Redaktionsräumen der Abendzeitung "Tempo", die damals in Berlin nach US-Vorbild ein junges, urbanes, sensationsfreudiges Publikum ansprechen sollte. Drei verschiedene Ausgaben erschienen abends in kurzer Abfolge. Twitter auf Papier sozusagen. Dann dieser Themenplanungs-Power-Talk:

Chefredakteur: "Was ist dran an der Betty-Winter-Geschichte?"

Redakteur: "Es gibt wieder eine zweite Leiche."

Chefredakteur: "Sagenhaft! Wieder eine Tänzerin?"

Redakteur schüttelt Kopf, Chefredakteur spricht per Telefon mit jemand anderem.

Chefredakteur: "Also keine Tänzerin? Schade. Wer denn?"

Redakteur: "Der Oberbeleuchter. Erschossen auf offener Straße."

Chefredakteur: "Auch gut. Dann ist die Winter also wirklich ermordet worden."

Redakteur: "Jedenfalls ermittelt die Polizei mit Hochdruck in diese Richtung."

Chefredakteur: "Sensationell! Los geht's! Sie suchte den Glanz, er fand den Tod."

Fotostrecke

Tanz am Abgrund

Foto: Frédéric Batier / X Filme Creative Pool / ARD Degeto / WDR / Sky / Beta Film 2019

Der Song:

"Wir sind uns lang verloren gegangen."  Der von Natalia Mateo, der Darstellerin des Filmsternchens Betty Winter, gesungene Wehmutskracher ist das zentrale Musikstück der dritten Staffel. Marlene Dietrich, Cotton Club, deutsche Romantik, die Komposition mutet ähnlich eklektisch wie "Babylon Berlin" als Ganzes an. 1-a-Teutonen-Swing!

Die Analyse:

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Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Berlin am Siedepunkt - trotz Zugeständnissen an die Sehgewohnheiten internationaler Fernsehzuschauer gilt auch für die dritte Staffel: große Serienkunst!

"Babylon Berlin", 3. Staffel, ab Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste. Und in Teilen schon jetzt in der Mediathek

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