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Neue "Bachelor"-Staffel: "Aber meine Gefühle sind keine Show"

Foto: RTL/ Arya Shirazi

Neue "Bachelor"-Staffel Dummnastik für den Dschungel

Der neue Bachelor Daniel ist gemessen an seinen Vorgängern eher so die Halbfettstufe, was Öligkeit angeht - das ist unerfreulich. Kleine Drämchen gab es zum Auftakt der diesjährigen Rosenverteilerei trotzdem.

Keine Angst, das ist nur eine Übung. Ein leichtes Warmlaufen, ein sanftes System-Hochfahren. In einer Woche startet das neue "Dschungelcamp", und vorher noch schnell eine neue Staffel "Bachelor" anzubrechen, fühlt sich an, als besichtige man vor dem Verzehr einer opulenten Wurstplatte noch schnell einen Schlachthof, um zu sehen, wo das ganze Fleisch denn herkommt. Während man zusammen mit dem neuen Frauenhatzer Daniel Völz das ewige Defilee der aus einem Auto kletternden, so-so-so-aufgeregten Kandidatinnen abnimmt, mutmaßt man schon mal mit Trashkennerblick, welche von ihnen man dann wohl nächstes Jahr im australischen Busch wiedersehen könnte (mehr zur aktuellen Besetzung lesen Sie hier).

Als Auftakt des Schund-TV-Jahreslaufs ist der "Bachelor" traditionell dafür da, das Zuschauergehirn mit leichter Dummnastik wieder dafür vorzubereiten, dass es Menschen gibt, die ernsthaft von sich sagen: "Mein Traum wäre es, ein Empire aufzubauen, wie Walt Disney eines erschaffen hat" oder "Küssen? An sich supergern", und dass es aus nerveneffizienter Sicht manchmal besser ist, auch biologisch brisante Sätze wie "Mein Meerschweinchen ist von einem Kaninchen gefressen worden" einfach hinzunehmen und nicht zu hinterfragen.

Diesen Zweck erfüllt auch der diesjährige Auftakt zufriedenstellend, vielleicht läuft alles ein bisschen zu geschmeidig. Der neue Bachelor Daniel ist 32 Jahre alt und in Florida ansässiger Immobilienmakler, "man sieht's ein bisschen", wird eine Kandidatin später beim ersten Kennenlernen mit Du-hast-da-was-an-der-Nase-Tonfall feststellen. Man kann ihm bislang leider nur vorwerfen, dass man ihm nichts vorwerfen kann, gemessen an seinen Vorgängern ist er eher so die Halbfettstufe, was Öligkeit angeht, das ist unerfreulich.

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Neue "Bachelor"-Staffel: "Aber meine Gefühle sind keine Show"

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Hass ist möglicherweise ein zu starkes Wort, aber man schaut den "Bachelor" ja natürlich nicht an, um den Typen ernsthaft gut zu finden, sondern um sich über seine Gockelei zu echauffieren. Wie (möglicherweise) eine der Janinen (es gibt sehr viele davon) so richtig zu Protokoll gab: "Ich bin nicht hier, um Freundschaften zu schließen", und das gilt ja nicht nur für die Kandidatinnen, sondern auch für die Zuschauer.

Aber was soll man sagen gegen einen Mann, der fließend Teflon spricht und zu Sätzen wie "Wenn ich verliebt bin, folge ich meinem Herzen, folge ich meinem Bauchgefühl und lasse mich einfach fallen" kneippmäßig durchs Wasser watet. Es fällt ja auch schwer, etwas gegen Vanillepudding zu haben.

Außerdem ist Daniel der Enkel von Edgar-Wallace-Mime Wolfgang Völz (bitte endlich mal "Graf Yoster gibt sich die Ehre" auf DVD veröffentlichen, wo Völz so schön den Diener des sogenannten Krimigrafs gab), die dazugehörige Oma tritt kurz in seinem "Bachelor"-Vorstellungsfilmchen auf, ist herzhaft patent und unterbricht seine Salbadereien zur Liebessuche mit einem handfesten "Haste Geld, brauchste was?", kombiniert mit klassischem Ömchen-Geldschein-Zusteck-Move.

Gut, man kann ihm wenigstens seine Rosenvergabepolitik vorwerfen. Besonders schade ist es um die Faule, eine Kandidatin nämlich, die beim Erstkontakt mit dem Bätsch gleich mal träge erzählte, sie würde nur so hier und da mal als Hostess arbeiten, weil sie nicht nur arbeiten, sondern auch das Leben genießen wolle, ne? "Von der Einstellung her passt es nicht so unbedingt sofort", mault da der biberfleißig häuserverschachernde Daniel. Auch Amelie, die gern betet und vielleicht irgendwann noch mal einen kleinen Wortgottesdienst vor die Rosenzeremonie gequetscht hätte, ist leider schon raus.

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Drei potenziell interessante Kandidatinnen: Zum ersten Mal ist mit Jessica, die sich hobbymäßig gern mit Glitzersteinen beklebt, eine Berufs-YouTuberin dabei, eine überfällige Erweiterung des Bachelor-Ballaballa-Berufe-Portfolios. Dann die auskunftsfreudigste der Janinen, die gern mit der Einlassung ins Fernsehen wollte: "Ich stehe nicht auf Blümchensex, wenn ich nach Hause kommen würde und da liegen Rosenblätter würd' ich sagen, mach den Scheiß da weg."

Trashdramaturgisch könnte Kristina werden, Model und Gogo-Tänzerin. "Ich habe bis jetzt noch nie geliebt", sagt sie dramatisch in ihrem Vorstellungsfilmchen, ein lebender Roland-Kaiser-Song. Einen Mann, der fremdflirtet, würde sie sofort umbringen. Kristina sorgt dann auch gleich in der ersten Nacht der Rosen für ein bisschen Drama und will nach Hause fahren. Es entspinnt sich folgender Dialog aus dem Deeskalations-Handbuch:

Kristina: Ich will gehen, weil ich gemerkt habe, es ist alles Show.

Daniel: Aber meine Gefühle sind keine Show.

Kristina: Möchtest du, dass ich bleibe?

Daniel: Ja.

Kristina: Ich bleibe!

Das wird sicher alles noch sehr unkompliziert mit ihr.

Der schönste "Bachelor"-Moment

Dann verwechselt der Bachelor noch Lina mit (jetzt aber wirklich) Janina, aber das kann passieren, groß, blond, bläulich bekleidet sind beide. Dann geht eine Hundekonversation schief, als er von seinem Haustier erzählt, einer französischen Bulldogge. "Sie heißt Bella, und so schön ist sie auch", macht Daniel eine feinsinnig gemeinte Bemerkung, auf die Bedeutung des italienischen Namens anspielend. Oder vielleicht kann der Bachelor sogar Latein! Seine Gesprächspartnerin aber hört nur irgendwas mit "schön" und röchelt geschmeichelt: "Oooh, danke!"

So weit, so mittelprächtig. Den schönsten Moment liefert die Bachelor-Mutter, als sie von seinem Lieblingskinderbuch erzählt, in dem es um eine traurige Eule ging, die so niedergeschlagen war, dass sie sich manchmal Tee aus ihren eigenen Tränen kochte. Das kann man sich gleich mal bestellen und zur Seite legen, für die Katzenjammerstimmung dann, wenn das "Dschungelcamp" wieder zu Ende geht.

Zur Autorin

Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht für den SPIEGEL unter anderem im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum »Buffy the Vampire Slayer« eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: »Everything bad is good for you« – und dass auch »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Ihr Buch über ihre Liebe zu Take That erschien als Teil der Musikbibliothek bei Kiepenheuer und Witsch.

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