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"Bachelor in Paradise"-Finale: Paare auf Probe

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"Bachelor in Paradise"-Finale Das große Schwammdrübern

Runterkochen statt hochdrehen: Das Finale von "Bachelor in Paradise" gerät zum Debakel aus nur halb geklärten Lügen und peinlichem Desinteresse am eigenen Format.

Irgendwann rechnet man fest damit, dass Frauke Ludowig ganz plötzlich in die Kulisse deutet und ablenkungshalber "Schaut nur, ein Tapir!" ruft. Oder sich einfach die Ohren zuhält und laut Lalala singt, während sich auf dem Sofa neben ihr wieder ein "Bachelor in Paradise"-Ex-Bewohner in handwerklich schlecht ausgefertigte Lügen darüber verstrickt, ob er möglicherweise während seiner vermeintlich Balzzeit im thailändischen Fummelreservat zu Hause in Deutschland eine Freundin hatte.

Die Finalsendung des emotionalen Resteessen-Formats geriet nämlich peinlich des Todes, wie Premium-Kandidatin Carina es formulieren würde - weil sie kein echtes Erkenntnisinteresse hatte, welche Vorgänge aus den vergangenen Wochen nun wirklich aufrichtig und welche nur geschauspielert waren, sondern mühsam versuchte, dem hinfälligen Format weiter eine Existenzberechtigung zu erhalten. Obwohl in dieser Staffel doch immer klarer wurde, dass ein Gutteil seines Personals eher an neuen Instagram-Followern und Zahnbleichmundstück-Werbedeals interessiert ist als an tatsächlicher Liebesanbahnung.

Zusammen mit Ludowig sehen sich die versammelten Ex-Kandidaten im Studio an, welche der fünf verbliebenen Finalpaare sich dazu entschlossen, auch nach der Sendung verbandelt bleiben zu wollen. Carina und Serkan beeindrucken mit ruckelfreiem Klischee-Talk ("Was wünschst du dir in einer Beziehung?" - "Das, was ich mit dir habe."), Marco und Kristina sind so entwaffnend drollig miteinander, dass man geneigt ist, seiner Mutter zuzustimmen: "Datt wird watt".

Zwischendurch wird Filip, der Janina-Celine während der Sendung unterstellte, in Wahrheit längst vergeben zu sein, und sie mit Beleidigungen wie "Guck dich doch mal an, du bist die Scheiße auf meinem Klopapier" anging, auf dem Studiosofa von Jade zur Rede gestellt: In Wahrheit habe er selbst den treuherzigen Single nur gespielt. Aus dem Publikum rufen andere Ex-Kandidaten dazwischen, sie hätten entsprechende Beweise.

Und Frauke Ludowig zeigt einmal mehr, dass sie Trash-TV nie wirklich geliebt hat, denn sie drückt diesem flaumigen, gerade geschlüpften, noch nestwarmen Skandalküken grob die Kehle zu - und moderiert den hilflos in Ausflüchten herumschlingernden Filip mit der komplett sinnlosen Schaumigkeit ab, man könne eben sehen, "dass da große Emotionen entstehen können." Und wünscht sich, besagte Emotionen sollten jetzt doch bitte wieder runterkochen, statt ihren Job zu machen und die Herdplatte noch ein paar Stufen weiter hochzudrehen.

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"Bachelor in Paradise"-Finale: Paare auf Probe

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Noch schlimmer wird es bei Nathalie und Micha, dem als hochromantisch inszenierten Langzeitpaar, das schon während der Zeit im "Paradies" in Wahrheit hochtoxisch war: Er konnte sich nicht zwischen ihr und einer schwelenden Affäre in Deutschland entscheiden und spielte das leidenschaftlich zerrissene Opfer, sie nahm es als Kompliment statt als Warnzeichen, wenn er ihr sagte, sie sei die erste Frau, zu der er wirklich ehrlich sei. Und Ur-Bachelor Paul Janke, der in dieser Staffel als eine Art ratgebende Kaltmamsell fungierte, lobte Nathalie für ihre "Großzügigkeit", mit der sie Michas wankelmütiges Schmierenspiel ertrug. Nach diversen konjunktivischen Liebesschwüren im Paradies servierte der sie, kaum zurück in Deutschland, prompt für die andere ab. Und lavierte sich nun auf dem Talksofa von einer Ausflucht in die nächste: "Ich habe nicht gesagt, dass ich mit der zusammen bin, ich habe gesagt, dass sich meine Gefühle bestätigt haben."

Abermals mischt sich das Publikum wie ein solider griechischer Tragödienchor ins Gespräch ein, allen voran der moralisch hochechauffierte Mann Aurelio, erwähnt Beweise für Michas kalkulierte Zweigleisigkeit, von entlarvenden Sprachnachrichten ist die Rede, auch Amelie wisse Bescheid, wer wollte da bitte nicht sofort Näheres erfahren? "Manche verkaufen für Fame ihre Mudder", ruft Carina, "Jeder muss einfach sein Glück finden", schwammdrübert Ludowig und überlässt dem Zuschauer die aufwendige Puhlarbeit, sich die tatsächlichen Hintergründe in den nächsten Tagen aus diversen Instastory-Einlassungen aller Beteiligten selbst zusammenzupuzzeln.

Wie man es besser macht, zeigt einmal mehr die schwule Datingshow-Konkurrenz "Prince Charming", deren Finale ein paar Stunden später auf TVnow online geht - im nächsten Jahr soll die bis jetzt exklusiv im Premiumbereich des Streamingdienstes verfügbare erste Staffel auch auf Vox zu sehen sein. Auch hier gab es Vorwürfe, Kandidat Kiril habe seine Verliebtheit in Mitkandidat Martin nur inszeniert, um berühmt zu werden, und Angela Finger-Erben ermittelt bei der Wiedersehenssendung nach dem Finale freundlich, aber hartnäckig in diesem Fall, stellt Fragen wie "Stimmt das?", "warum regt dich das so auf?", "worauf willst du hinaus?", hakt nach, interessiert sich wirklich.

Neben dem Glanzstück, dass in einem deutschen Trashformat wohl erstmals extrem casual Formulierungen wie "hetero-normative Pauschalisierungen" (Kandidat Aaron) verwendet werden, gelingt hier das geglaubte Paradox tatsächlich respektvollen Reality-Fernsehens. Weil Finger-Erben einen Rahmen schafft, in dem der augenscheinlich von Kiril getäuschte Kandidat Martin aufrichtig das aussprechen kann, was viele seiner Trash-Kollegen sonst wohl nur heimlich fühlen: "Ich wäre gerade gerne nicht hier."