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"Bad Banks" von Christian Schwochow: Fressen oder gefressen werden

Foto: ZDF/ Ricardo Vaz Palma

Serienmeisterwerk "Bad Banks" Gier und Größenwahn 3.0

Schluss mit der Scham. Die deutsche Serie "Bad Banks" zeigt, wie die Hochfinanz wieder zu Arroganz aufläuft - mit jungem, weiblichem Personal. Eine hochmoderne Version des klassischen Banken-Thrillers.

Eine Serie über Banker zehn Jahre nach Ausbruch der Bankenkrise? Ist der Typ des aggressiven Finanzhais nicht längst passé? Erscheint der Investmentmakler mit seinem von der Politik und vom Management verordneten Besonnenheitssprech inzwischen nicht vollkommen Thriller-untauglich? Und will heute denn überhaupt noch jemand koksenden Arschgeigen dabei zuhören, wie sie sich am eigenen Größenwahn berauschen?

Fragen, die sich im sechsteiligen Trickser-Spektakel "Bad Banks" so schnell verflüchtigen wie der Wert eines schlecht zusammengezimmerten Investmentfonds. Im Zentrum steht ein Kreditinstitut namens Deutsche Global Invest, das in Frankfurt in Zwillingstürmen residiert und auch sonst ziemlich viele Ähnlichkeiten mit der Deutschen Bank aufweist.

In der Serien-Bank ist die Aufgabenverteilung ziemlich klar geregelt: Oben in der Vorstandsetage singen graumelierte Herren den Aktionären des Hauses das Lied von nachhaltigen Investitionen, in den Stockwerken darunter schrauben junge Strukturierer umso aggressiver an neuen Finanzprodukten.

Finanzjongleure aus der Quarantäne entlassen

Nach Lesart von "Bad Banks" (Head-Autor: Oliver Kienle, Regie: Christian Schwochow) ist der nassforsche, risikoverliebte und moralisch unbeschwerte Finanzjongleur nie wirklich weg gewesen, sondern von seinen Bossen vorübergehend lediglich in Quarantäne gehalten worden. Jetzt, wieder losgelassen auf den freien Markt und ausgestattet mit hochbeschleunigten Kommunikationsverfahren, verbreitet sich der Erreger für Gier und Größenwahn nur umso fataler.

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"Bad Banks" von Christian Schwochow: Fressen oder gefressen werden

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Die von Letterbox produzierte Serie feierte am Mittwoch auf der Berlinale Uraufführung, schon ab diesem Donnerstag ist sie in der Arte- und in der ZDF-Mediathek abrufbar, ab nächster Woche wird sie in zügiger Abfolge im linearen Fernsehen bei Arte und im ZDF ausgestrahlt, parallel erfolgt die DVD-Veröffentlichung. Eine für den deutschen TV-Markt ungewöhnlich schnelle Auswertung, die dem hohen Tempo von "Bad Banks" entspricht.

Im Zentrum steht die Investmenttruppe von Gabriel Fenger (Barry Atsma), einem Niederländer, der sein deutsches Team mit Anglizismen einpeitscht: "I need your balls, I need your brains, I need your visions!" Der Typ ist natürlich smart genug, um zu wissen, dass er gefährlich an das Klischee eines Investmentbankers erinnert, er weiß aber auch, dass der Selbstekel der Branche nicht durch Ethikgeschwafel überwunden werden kann; dass sich die alten, notwendigen Killerinstinkte nicht über Kuschelrhetorik reaktivieren lassen.

Banker wollen wieder sexy sein

Zehn Jahre nach der Lehman-Brothers-Pleite, so der Finanzzampano, muss die Scham der Branche über sich selbst endlich mal vorbei sein. Allzu zögerlichen Mitarbeitern rät er, allen Zeitumständen zum Trotz "die gesunde Portion Selbstüberschätzung" aufzubringen, die der Job nun mal erfordere. Selbstheilung durch Selbstmanipulation, eine angemessen riskante Remedur für den Hochrisikobereich der Hochfinanz.

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Auch die junge Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) gerät in den Zirkel des Investmentgurus Fenger. Bei ihrem vorherigen Arbeitgeber ist sie rausgeflogen, weil sie besser war als ihr Chef und das auch gezeigt hat. Nun wurde sie von einer Managerin der alten Bank (Désirée Nosbusch) heimlich an die Konkurrenz vermittelt und in ein wichtiges Geheimnis des Geldgeschäfts eingeführt - wichtig ist nicht, für welches Haus man arbeitet, sondern welches Netzwerk man sich parallel dazu aufbaut.

Die tiefere Wahrheit: Informationen sind die elementare Währung in einer Branche, in der nach der großen Krise alle anderen Werte relativ geworden zu sein scheinen.

Die "Mad Men" lassen grüßen

Großartig, wie die Filmemacher hier leichthändig zwei starke weibliche Charaktere ins Zentrum einer schwächelnden Branche platzieren. Großartig, wie die beiden Frauen gemeinsam die Branche austricksen, um sich gegenseitig selber auszutricksen; wie sie einander ihre Loyalität versichern, um diese Loyalität im strategisch wichtigen Moment kurz auszusetzen. Das ist punktgenau inszeniert und mitreißend gespielt.

In den besten Momenten von "Bad Banks" fühlt man sich an moderne US-Serienklassiker erinnert, die den Zuschauer in zutiefst amoralische Zonen der Gesellschaft führen und zugleich zur Identifikation mit den Antihelden und Antiheldinnen einladen. An "Mad Men" etwa, wo es ja ebenfalls um Umbrüche in einer männerdominierten Welt geht. Oder an "House of Cards", weil die von Nosbusch (grandioses Comeback!) gespielte stahlgraue Bankerin, die im Hintergrund die Fäden zieht, starke Ähnlichkeit mit der Präsidentengattin Claire Underwood hat.

So wird das rückständige, testosterongetriebene Bankenthriller-Genre mit "Bad Banks" zum hochaktuellen Gesellschaftsstück. Schon der Grimme-gekrönte, visuell bestechende Neunzigminüter "Dead Man Working" vom Hessischen Rundfunk zeigte 2016 anhand eines ebenfalls der Deutschen Bank verdächtig ähnlich sehenden Finanzinstituts, wie unter dem vollmundig beschworenen Kulturwandel weiter kriminelle Energien schlummern.

"Bad Banks" geht da noch ein Stückchen weiter, da der Erzählstoff hier in die nähere Zukunft getrieben wird. Das von Letterbox aufgebrachte Budget betrug mehr als acht Millionen Euro, was erheblich über den üblichen Produktionskosten für solch ein Sendevolumen bei den öffentlichen-rechtlichen Sendern liegt. Die Serie ist der Traum eines jeden Sender- oder Bankenchefs: ein super nachhaltiges Investment. Wir spekulieren klar auf eine zweite Staffel.


"Bad Banks": ab 1. März, 20.15 Uhr, Arte. Ab 3. März, 21.45 Uhr, ZDF. Bereits ab 22. Februar in der Arte-und in der ZDF-Mediathek abrufbar. Ab 3. März auch als DVD erhältlich.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.