Pastewka über das Ende von "Pastewka" "Alltag ist eine brutal offene Form"

Die neueste, zehnte Staffel von "Pastewka" ist die letzte. Was machte diese Comedy so besonders - und wie nimmt Hauptdarsteller Bastian Pastewka Abschied?
Pastewka ist nie wieder "Pastewka": Die Serie des Komikers endet mit der zehnten Staffel.

Pastewka ist nie wieder "Pastewka": Die Serie des Komikers endet mit der zehnten Staffel.

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Thomas Banneyer/ picture alliance/dpa

Es gibt wenige Schauspieler und Komödianten, die so vollendet mit ihrer Kunstfigur verschmelzen wie Bastian Pastewka, 47. In "Pastewka" spielt er seit 15 Jahren eine Karikatur von: Pastewka. Nach zehn Staffeln geht die Serie nun zu Ende. Vor dem Interview in einem Berliner Hotel zückt Bastian Pastewka noch schnell sein Smartphone: "Helfen Sie mir bei Quizduell? Ich spiele gerade gegen meine Mutter!" Gemeinsam beantworten der Entertainer und der Journalist alle Fragen in der Sparte "Unterhaltung" richtig. 

SPIEGEL: Herr Pastewka, wann ist ein Stoff "auserzählt"?

Pastewka: Ich glaube, im Grunde ist nichts endgültig auserzählbar. Unsere Sitcom "Pastewka" hätten wir beispielsweise in dieser Form vielleicht noch zehn Jahre weitertreiben können.

SPIEGEL: Warum?

Pastewka: Weil wir eine offene Form gewählt hatten. Wir mussten keinen Mörder fangen oder Feind besiegen. Niemand war krank und hatte nur noch eine gewisse Zeit zu leben. Nur in den Prämissen solcher Geschichten ist ein Endpunkt eingebaut.

SPIEGEL: Und bei "Pastewka" …

Pastewka: … geht es um einen Typen, der Alltag hat. Alltag ist Beobachtung und fließend, eine brutal offene Form. Mit unserem Ensemble konnten wir daher Geschichten erzählen, die sich mal um die eine, mal um die andere Figur drehten. Die einzige Regel war, dass die Kamera stets diesem komischen Fernsehkasper Bastian Pastewka folgte.

SPIEGEL: Anders als bei Komödien, die im Krankenhaus, Kiosk oder Büro spielen.

Pastewka: Als wir 2005 begannen, waren die Figuren anderer deutscher Sitcom- Ensembles in jeder Folge gleichwertig vertreten und haben sich gewissermaßen gegenseitig die Lacher zugeschoben. Das haben wir bei "Pastewka" von Anfang an anders gehandhabt: Wir leisteten uns auch mal Episoden ohne Freundin Anne oder Managerin Regine. Erst hatten Anne und Bastian eine Wohnung, zogen dann einen Stock höher, dann in ein eigenes Haus, schließlich lebte Bastian für eine Weile im Wohnmobil und nun wieder beim Vater.

Kurzkritik zum "Pastewka"-Finale

Ein letztes Mal noch Kräfte sammeln: Pastewka als "Pastewka"

Ein letztes Mal noch Kräfte sammeln: Pastewka als "Pastewka"

Foto: Amazon

Um seine große Liebe Anne (Sonsee Neu) zurückzugewinnen, flog Pastewka in der letzten Staffel nach Afrika, wohin sie vor ihm geflohen war. In der Finalstaffel der Serie bleiben die beiden aber nicht dort: "Pastewka" spielt, wie immer, im Raum Köln-Bonn. Und: Anne und er kommen nicht als Liebespaar zurück, auch das ist kein großer Spoiler - zu lange konnte man beobachten, wie Pastewka sie zur Weißglut trieb. Den nervigen, nur um sich selbst kreisenden Kerl hat er allerdings zurückgelassen. Pastewka gibt sich ungewohnt entspannt und tolerant. Aber natürlich hält dieser Zustand nicht lange an. Man - und Pastewka schon gar nicht - ändert sich eben doch nicht in zwölf Monaten. In bewährter Form folgt Missgeschick auf Missgeschick, Peinlichkeit auf Peinlichkeit. Kein Lacher lässt allerdings die Wehmut verfliegen, dass man sich nun verabschieden muss von Pastewka und Anne, Hagen, der Bruck und all den anderen. Wie schade! Elisa von Hof

SPIEGEL: Das war nicht schon 2005 beim Start der Sendung beschlossen?

Pastewka: Man hätte uns den Vogel gezeigt. Damals bauten Serienmacher ein Hauptset, und darin ließ man gefälligst in jeder Folge lustige Dinge passieren. Wir aber haben kaum etwas in Sets gedreht. Immer "on location", also an richtigen Orten.

SPIEGEL: Wie im richtigen Leben?

Pastewka: Ja, und wie im richtigen Leben sagten irgendwann die Motivgeber: So, wir wollen unsere Wohnung im Sommer auch mal wieder selbst benutzen. Ihr bekommt keine Dreherlaubnis mehr. Okay!

SPIEGEL: Sie mussten die Geschichten den Gegebenheiten anpassen?

Pastewka: Das mussten die Autoren, genau. Alle paar Staffeln eine neue Lebenssituation, das machte es verwirrend für die Zuschauer, aber spannend für uns.

SPIEGEL: Verzichtet wurde auch auf Gelächter vom Band. Da nimmt einem das Fernsehen sogar das Lachen ab, oder?

Pastewka: Ich bin nicht dieser Ansicht. Das Timing klassischer US-Sitcoms, deren Episoden oft nur 22 Minuten lang sind, wird durch dieses Lachen im besten Sinne geschmiert. Schließlich spielt man dort tatsächlich vor Publikum. Mit einem Lacher wird eine Stelle sozusagen genullt, die Schauspieler bauen sich neu auf, richten den nächsten Moment ein, und dann folgt die nächste Pointe. Damit komme ich klar. Das ist Werk-immanent.

SPIEGEL: Würden Sie "Pastewka" überhaupt als klassische Komödie bezeichnen? Es ist ja nicht so, dass dort Pointe auf Pointe folgen würde.

Pastewka: Der Serien-Pastewka ist ja eine monolithische Figur, die sich weigert, Veränderungen in Kauf zu nehmen. Der geht davon aus, dass alles so bleibt, wie es ist. Weil er das so will. Auch wenn er den größten Mist baut. So ist das aber in der Wirklichkeit nicht, bei keiner Familie. Deshalb lassen wir über seiner Beziehung zu Anne auch dauernd den Geier kreisen. Bei aller Überzeichnung brauchten wir auch immer dieses dramatische Moment. Und jetzt ist es passiert: Beim Finale haben plötzlich alle geweint.

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SPIEGEL: Wie wichtig sind die Riesen, auf deren Schultern man steht – gerade in der deutschen Unterhaltungsindustrie?

Pastewka: Viele deutsche Fernsehklassiker waren von Vorbildern inspiriert. "Stahlnetz" kam aus den USA. Der Humor von Late Night ist von Letterman, das Konzept des lokalen "Tatort" stammte aus England. Die "Lindenstraße" nahm das Wesen der britischen "Coronation Street" auf …

SPIEGEL: … und "Pastewka" beruht auf der Grundidee von "Curb Your Enthusiasm"?

Pastewka: Wir hätten kein "Pastewka" machen können, wenn wir damals nicht mit einer Videokassette von "Curb Your Enthusiasm" beim Sender vorstellig geworden wären. 

SPIEGEL: Und dann haben Sie das Vorbild genau studiert?

Pastewka: Ignoriert. Von "Curb Your Enthusiasm" habe ich bis heute nur zwei Folgen gesehen.

SPIEGEL: Warum hinkt Deutschland so sehr hinterher, wenn es um Humor geht?

Pastewka: Es gibt ja seit Jahren eine Schwemme höchst vergnüglicher deutscher Kinokomödien. Aber welche war eigentlich die erste große deutsche Komödie nach dem Krieg? Kann mir kein Mensch beantworten, diese Frage. "Die Feuerzangenbowle" ist noch im Krieg gedreht worden, danach gab es Peter Alexander, Conny Froboess...

SPIEGEL: Diese Filme waren höchstens "heiter", Vehikel für Musikstars. Heinz Erhardt vielleicht?

Pastewka: Alle lieben Erhardt, aber niemand (schnippst mit den Fingern) kann mir einen korrekten Filmtitel nennen. In England rufen alle "Ladykillers"! In den USA "The Court Jester" mit Danny Kaye, in Frankreich "Don Camillo und Peppone". Aber hier? Kiffer antworten auf die Frage nach deutschen Komödien: Es gibt nur eine, nämlich "Bang Boom Bang".

SPIEGEL: Eine markante Figur von Ihnen war der dunkelgeschminkte "Rosen-Inder" mit seinem Spruch: "Wolle Rose kaufe?" Das geht heute auch nicht mehr, oder?

Pastewka: Ich bestehe doch darauf zu sagen, all meinen Figuren nie etwas Diffamierendes mitgegeben zu haben. Einer meiner Lieblingsfilme ist übrigens "Der Partyschreck" mit Peter Sellers...

SPIEGEL: … der da den Inder Hrundi V. Bakshi spielt.

Pastewka: Genau. Weil Sellers Komik nie auskeilt, sondern umarmt. Diesen Film habe ich als Kind gesehen und war vollends begeistert. Das gilt auch für die wunderbar komponierten "Clouseau"-Filme mit Sellers, wo der asiatische Leibwächter mit "Cato, mein kleiner Zitronenfalter" angesprochen wird. Übrigens nur in der deutschen Synchronfassung.

SPIEGEL: Ist es vielleicht eine Generationenfrage?

Pastewka: Eine Generationenverabredung, genau. Es ist notwendig, dass sich Humor wandelt, weil die nächste Generation berechtigterweise einen anderen Blick auf die Welt hat. Aber in unserer 15-jährigen Rumpel-Sitcom haben wir niemanden bloßgestellt - außer Kessler natürlich und das zu Recht. Am meisten aber natürlich mich selbst, diesen Pastewka.

SPIEGEL: Inwiefern?

Pastewka: Das ist der "Ekel Alfred"-Weg. Der Schauspieler Heinz Schubert spielte vor 40 Jahren in "Ein Herz und eine Seele" diesen ultrakonservativen Knochen, der sich mit seinen Sozi-Kindern auseinandersetzen muss. Mehr Konflikt geht doch gar nicht. Was aber nicht heißt, dass Heinz Schubert dieses Ekel Alfred ist. Manchmal hat er recht, meistens liegt er daneben. Solange sich unsere Zuschauer fragten, ob dieser Pastewka so ist, wie er spielt, oder eben nicht, blieb unsere Serie kurios. Nur darum ging es.

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