"Bauer sucht Frau"-Kolumne Das Dumme an der Dummheit

Welche Dame darf beim Bauern in die Badewanne? Was passiert nachts auf dem Scheunenboden? In unserer "Bauer sucht Frau"-Kolumne ordnen wir die aktuellen Ereignisse für Sie ein. Diesmal: Ja, es sind die ganz großen Gefühle bei Uwe und seiner Iris oder, wie sie sagt: "Ich hab mich an ihn gewöhnt."

RTL

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Das Dumme an der Dummheit in ihrer hier vorliegenden Ausprägung ist, dass jedes Schreiben darüber immer auch ein Einverständnis mit dieser Dummheit bedeutet - was dumm ist. Sich deutlich von der Dummheit zu distanzieren wiederum hilft auch nicht weiter, weil die Dummheit genau darauf spekuliert.

Um sich von einer ungelenken Inszenierung wie "Bauer sucht Frau" gewissermaßen zuschauend abzusetzen, schalten schließlich Folge für Folge bis zu acht Millionen Menschen ein. Was die Frage aufwirft (und auch gleich beantwortet), wie groß eigentlich das echte Elend im Land und weit die Verkümmerung der Seelen fortgeschritten sein muss, wenn … aber lassen wir das. Mitleid ist die höchste Form der Arroganz, wir wollen sie uns versagen und lieber mal nachsehen, was sich so tut im strukturschwachen Idyll.

Da muss Schweinebauer Uwe, aus dem "die Liebe einen glücklichen Mann gemacht hat", sich nach der Hofwoche von seiner Versicherungsangestellten Iris trennen. Als Abschiedsgeschenk hat ihr der hoffnungslos hoffnungsvolle Romantiker das Horoskop aus der Zeitung ausgeschnitten und eingerahmt. "In Gedanken wird Iris bei ihrem Emsländer bleiben", heuchelt es dazu aus dem Off. Iris weißt, was RTL von ihr verlangt. Tief greift sie in die tiefe Kiste mit den profunden Gefühlen und räumt ein, dass sie sich schon "sehr an ihn gewöhnt" hat. Nur Uwe spricht Klartext: "Es ist ja nicht das Ende, sondern der Anfang von 'nem ganz tollen Leben".

Beim "liebevollen" Leptosomen Dirk aus der Lausitz und seiner "patenten" Pyknikerin Melanie aus Berlin kommt's zum tränenreichen Geständnis: Melanie hat eine Tochter! Zehn Monate alt, also fast noch ein Kind! Dirk "hat's erst mal die Füße weggezogen", er muss diese Information "sacken lassen". Kaum gesackt: "Naja, is' okay". Melanie nimmt Dirk erleichtert in den Arm ("Hold me now, it's hard for me to say I'm sorry", Chicago). Danach zieht sich Dirk zurück und "mäht nachdenklich den Rasen". Melanie wirft sich in Netzstrümpfe und Minirock und lädt, um alles wieder gutzumachen, zu akrobatischen Sexspielen im Heu. Nein, Irrtum, es gibt nur Sekt. Dirk entgehen indes die Netzstrümpfe keineswegs, er findet das "schon reizvoll hier", und so gibt's zur Versöhnung immerhin einen "Schmatzer". Wer passt eigentlich derweil auf die Tochter auf?

Der "muntere Milchbauer" Gerhard rückt unterdessen der"jungen Altenpflegerin" Monique aus Thüringen zusehends auf die Pelle. Monique dagegen will zunächst "möglichst viele Tiere kennenlernen". Voilà, ein neugeborenes Kälbchen, das eingefangen und in den Stall gebracht werden will. Als das Kalb an der Leine liegt, wird es von Monique "geknuddelt", was Gerhard sich auch mal "wünschen würde", wie er unumwunden einräumt. Hm. Immer wieder zeigen sich hier erwachsene Männer neidisch auf Zuwendungen, die Frauen irgendwelchen dahergelaufenen Tieren zuteil werden lassen. Was sagt das über Männer? Was über Frauen? Oder Tiere? Auch so eine abschüssige Sache, über die man besser nicht länger nachdenken sollte.



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