"Bauer sucht Frau"-Kolumne Der Schweinebauer kennt seinen Schopenhauer

Welche Dame darf beim Bauern in die Badewanne? Was passiert nachts auf dem Scheunenboden? In unserer "Bauer sucht Frau"-Kolumne ordnen wir die aktuellen Ereignisse für Sie ein. Diesmal: eine Schnapstour ins Grüne, offene Gespräche unter emanzipierten Homosexuellen und ein falscher Ton in der Küche.

RTL

Von


Folge für Folge waten wir nun also tiefer hinein in den zwischenmenschlichen Morast ebenso läppischer wie täppischer Liebeleien.

Warum? Einerseits geht es ja bloß darum, ob irgendein Friedrich seine Inge findet. Andererseits lehrt Schopenhauer: "Es ist keine Kleinigkeit, worum es sich hier handelt; vielmehr ist die Wichtigkeit der Sache dem Ernst und Eifer des Treibens vollkommen angemessen. Der Endzweck aller Liebeshändel ist wirklich wichtiger, als alle andern Zwecke im Menschenleben, und daher des tiefen Ernstes, womit jeder ihn verfolgt, völlig werth. Das nämlich, was dadurch entschieden wird, ist nichts Geringeres, als die Zusammensetzung der nächsten Generation" sowie die Quotenhoheit von RTL.

Aber was ist das? Neue Leute! Ein "fröhlicher Friese" namens Gerold, der viel Kleinvieh hält und "einfach mal jemanden küssen und in den Arm nehmen will". Vielleicht will das ja auch die "patente Petra" aus Bayern, die rote Strähnchen im schwarzen Haar trägt und sich auf "die Zusammenarbeit mit die Tiere" freut? Sie sagt: "Mir kommt's vor, als würden wir uns schon ewig kennen" - "Tja, aber woher kennen wir uns?" Gute Frage. Ratlosigkeit. Seelenwanderung? Wir werden sehen.

Veit und Philipp sind noch immer schwul und glücklich, woran sich bekanntlich nichts ändern lässt. Ob's denn in der sauerländischen Pampa manchmal "Anfeindungen" gibt, will Veit wissen. Gibt es nicht, meint Philipp schulterzuckend, worauf Veit erleichtert ausführt: "Ich bin ja kein schlechterer Mensch, nur weil ich mit 'nem Mann zusammen sein will" - "Ja, die Ansichten habe ich genauso". So klingen offene Gespräch unter emanzipierten Homosexuellen. Beim Abendessen dann neckt sich, was sich liebt. Grund sind grammatische Meinungsverschiedenheiten. Oder waren das grammatikalische? Bauerntypisches Gezänk …

Uwe und Iris fahren mit dem Rad an einen "ganz besonderen Ort" ins Grüne, um dort ein gemeinsames Schnäpschen zu zischen. Das sei, meint Uwe, Familientradition seit Urgroßvaters Zeiten, der an bewusstem Plätzchen der Urgroßmutter näher kam. Der Schweinebauer kennt seinen Schopenhauer. Anschließend werden die leeren Flaschen traditionell in einen hohlen Baum entsorgt, wo tatsächlich schon Generationen gemeinsam geleerter Schnapsfläschchen schlummern.

Die Magie dieses Ortes entfaltet ihre segensreiche Wirkung, es wird wieder "tief in die Augen geblickt" und getätschelt. Eine schwielige Hand ruht in einer mit aufgeklebten weißen Fingernägeln. Die Sonne kommt raus.

Der dezent blondierte "schwäbische Pfundskerl" Thomas verabschiedet am Ende der "Hofwoche" seine Diana mit einem romantischen Namensnummernschild an seinem roten Lieblingstrecker vorne dran. Solche Sachen sind's, denen Frauen bekanntlich nicht widerstehen können, unter denen sie willenlos dahin schmelzen müssen. Die gelernte Fotolaborantin findet es jedenfalls "total süß", dass Thomas sein "Allerheiligstes" mit einem romantischen Namensnummernschild versieht. Herzlicher Abschied an der Landbushaltestelle. Das wird was.

Der trockene Friedrich und die "forsche Fränkin" Inge. Aus Überdruss oder anderen strategischen Gründen will Inge plötzlich "die tiefgefrorenen Beeren zu leckerem Brotaufstrich verarbeiten". Guter Anlass, die Zügel unvermittelt anzuziehen und Friedrich schroff der Küche zu verweisen. Der zieht eine Flunsch, aber Inge bleibt hart: "Das ist der richtige Ton. Man kann einen Mann nicht schlecht genug behandeln, umso mehr fressen sie einem aus der Hand". Die Strategie geht nicht auf und führt über den Umweg einer ungelenken Aussprache zu einer letzten Umarmung auf dem Bahnsteig des Provinzbahnhofs. Betretenheit. "Is' ja nicht so optimal gelaufen", sagt Friedrich noch, während Inge schon verstohlen Ausschau hält, wann denn endlich mal der Zug kommt. Mach's gut, Friedrich. Warst ein feiner Kerl, wird schon werden.



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karabayan 22.11.2011
1. Sagen Sie Ihre Meinung!
Zu dieser Sendung habe ich keine Meinung. Ich bin nur, sagen wir mal, überrascht, wo die immer diese Bauern her haben? Gibt das sowas in Deutschland, bestellen die unsere Felder und mästen unsere Schweine? Vielleicht muss ich öfters mal aufs Land fahren, ach nein, ich wohn ja aufm Land, aber solche Menschen mit deutlichen Kennzeichen von Inzest habe ich lange nicht mehr gesehen. Kennt wer "A League of Gentlemen" der BBC?
Pepito_Sbazzagutti 22.11.2011
2. Live
Anstelle der Kolumne empfehle ich, einen "Bauer sucht Frau"-Liveticker zu installieren.
Ylex 22.11.2011
3. Verlangen nach Amüsement
"Bauer sucht Frau" gucke ich selten, und wenn, dann nur kurz, weil mich die Sendung peinlich berührt – wie gut, dass es den SPIEGEL gibt, der nun auch die Kühe gesattelt hat, um sich mit gezückter Mistforke ins ländliche Minnespiel-Metier hineinzureiten. War die Versuchung zu groß? Offenbar, die Liebe zwischen Schweinestall und Schwachsinn macht selbst Seriöse süchtig. Wo Unsäglichkeiten zu Attraktionen werden, wo dicke Deppen drallen Damen pralle Euter zeigen, da gehen einem die Augen über, da werden vom vielen Draufschlagen die Schenkel wund, da kommt man aus dem Lachen gar nicht mehr heraus... wenn nicht die Tränen wären, derer man sich nicht sicher ist. Denn bei "Bauer sucht Frau" spielen sich Schicksale ab, tatsächlich, sie werden nicht nur abgespielt. Durch die derben Szenen schimmert das Ehrliche, die Sehnsucht nach Geborgenheit zu zweit, nach einer Beziehung, die erfüllt, eben viel mehr als den Anspruch des Zuschauers auf rustikalen Anbahnungsklamauk à la Komödienstadl. Der Mensch will nicht allein sein, dieses Motiv beherrscht das Geschehen auch neben dem Rübenacker – es ist ein ernstes, ein sehr natürliches Verlangen, das durch parodistische Holzhammer-Methoden ins Lächerliche gezogen wird. Darin liegt das Unsägliche dieser Sendereihe, das lässt sie auf mich fast tragisch wirken. Sich zusammenreißen, spröde Fröhlichkeit beim Abschied auf dem Bahnsteig, nette Worte beim letzten Telefonat, Schulterklopfen, das Leben geht weiter: allein. Gescheitert, der Versuch misslungen. Für kurze Zeit war man soetwas wie ein Star, man hatte die Aufmerksamkeit von Millionen Menschen, ein trügerischer Trip, oft endet er in einer tiefen Enttäuschung, für die sich niemand mehr interessiert. Der Voyeurismus des Zuschauer wurde befriedigt, sein Verlangen nach Amüsement – stört nur der schlechte Nachgeschmack.
Sankari66 22.11.2011
4. Warum?
Ist es wirklich nötig solch einem Mist eine Plattform zu bieten, indem einfach unreflektiert nacherzählt wird, was in der Sendung geschehen ist?
ToertjeX 22.11.2011
5. .
Eigentlich frage ich mich nur, wie viele andere wahrscheinlich auch, wie SPON soweit herunterkommen konnte, dass über Scripted-Reality-Formate, also simple RTL-Niveau- Drehbücher die von Laienschauspielern von der Strasse "gespielt" werden, berichtet wird....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.