"Bauer sucht Frau"-Kolumne Stockbrot, Schlafsack, sauerländisches Glück

Welche Dame darf beim Bauern in die Badewanne? Was passiert nachts auf dem Scheunenboden? In unserer "Bauer sucht Frau"-Kolumne ordnen wir die aktuellen Ereignisse für Sie ein. Diesmal: Ein entscheidender Leistenbruch, gestrichene Gartenmöbel und ein Hauch von Zeltromantik.

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Nach vier Folgen beschleicht den Zuschauer dann doch das Gefühl, diese Leute dort schon ganz gut zu kennen. Trügerisch, klar, denn eigentlich existieren sie überhaupt nicht. Nur ein mal einfältiges, mal zynisches Skript, an dem die Menschen sich herumführen lassen wie freundliche Rindviecher am Nasenring. Diesmal ist laut Dramaturgie die Zeit reif für entscheidende Fehler und entscheidende Durchbrüche.

Da ist der Kettenraucher Rolf mit seinem unbehandelten Leistenbruch und der verhärmten Fleischereifachverkäuferin Silvia. Die macht den entscheidenden Fehler, ohne Rolfs Wissen einen Termin im Krankenhaus zu vereinbaren. Rolf findet das nicht so toll: "Ohne mir zu fragen, ohne mir zu reden, machst du einfach 'n Termin oder was? Mädchen! So läuft das hier nicht! Wenn du so weitermachst, kann aus uns kein Paar werden, da suche ich mir was anderes …" In Frieden geht man auseinander, aber man geht. Rolf abschließend: "Schmetterlinge habe ich nicht mehr übrig."

Da ist der dicke Pferdehalter und Busfahrer Thomas und seine etwas weniger dicke Diana, dem gemeinsamen Abspecken gegenüber aufgeschlossener als den Pferden, vor denen sie sich fürchtet. Schwerer Atem beim Nordic Walking, zaghafte Zärtlichkeiten während der Rast im bukolischen Idyll. Thomas lässt sich sogar auf eine Diät ein, so wird das nichts mit dem handfesten Krach.

Da ist der vierschrötige Tiefkühlfanatiker und Schweinehalter Uwe, der tappt auch nicht in die Falle. Die einen Tick zu kokette Versicherungsangestellte Iris mit den milieutypisch angeklebten Fingernägeln will Gartenmöbel streichen, also werden Gartenmöbel gestrichen: "Würdest du auch im Haus etwas ändern?", fragt sie. Sagt er: "Für eine Frau wie dich würde ich alles ändern". Genau. Uwe würde man's schon wünschen, nur was? Iris?

Da ist der wortkarge Friedrich mit dem saharatrockenen Humor und die Büroangestellte Inge, die sich immer irgendwie verschaukelt fühlt. Inge würde gerne mal mit Friedrich spazieren gehen. Friedrich fänd's fein, wenn die Inge mal Staub wischen würde. Inge fügt sich, stellt aber fest: "Hundert Jahre alter Staub. Ist nicht mein Dreck. Scheiße". Als deus ex machina taucht plötzlich ein Nachbar mit Expertenwissen auf: "Frauen wollen auch mal umgarnt werden, weißt du?" Aber Friedrich fürchtet sich, mit einer Frau ins Dorf zu gehen: "Habe ich ja noch nie gemacht". Einer der Augenblicke, in denen "Bauer sucht Frau" so etwas wie eine tragische Fallhöhe entwickelt. Muss ein Versehen gewesen sein.

Und natürlich sind da glücklicherweise noch Philipp und Zahntechniker Veit - die beiden einzigen Kandidaten, die nicht so sprechen, als müssten sie ihre Sätze von einer Papptafel hinter der Kamera ablesen. Hier will niemand irgendwen ändern. Wahrscheinlich riechen sie auch noch gut. Leider wird ausgerechnet hier die Liebesgeschichte teflonartig wegerzählt. Kein Konflikt weit und breit, kein Hauch von "Brokeback Mountain", nicht mal beim gemeinsamen Ausritt nebst Zeltromantik in der sauerländischen Wildnis. Statt dessen: Stockbrot, Flasche Bier, Schlafsack, von der Sonne gerötete Wangen. Kuss. Schluss.



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fragezeichenheute 15.11.2011
1. Die Beule in der Hose
Mich wundert es ja immer noch, dass die Frau den Beulen-Kerl nicht schon früher verlassen hat. Wie der mit ihr umgegangen ist, will viel und ist aber nicht mal bereit, zum Arzt zu gehen. Der wollte sich wohl nur bedienen lassen, aber ist selbst nicht in der Lage, etwas zu tun für sich und seine Freundin. Einen schönen Abgesang auf Rolf findet man hier: http://latrash.de/bauer-sucht-frau-2011-rolf-ist-wieder-alleine-silvia-ist-weg/ Hoffen wir nur, dass er nicht wiederkommt, in dieser oder gar in der nächsten Staffel.
Röschen44 15.11.2011
2. Mich wundert auch
warum sich Frauen für ein derartiges Spektakel hergeben. Sie werden doch nur als Arbeitskraft gesehen. Ich habe die Sendung zum ersten mal ganz gesehen. Und die beiden Kerle sind in dieser Sendung vollends fehl am Platz. Die Sendung heisst "Bauer sucht Frau"! Die beiden sind für eine Frau vollkommen uninteressant und auch für Männer, denke ich. Sie sind wohl weder das eine noch das andere, spielen ihr Rollenspiel. Sollen sie doch. Ich finde das alles sehr unappetitlich.
BEASTIEPENDENT 15.11.2011
3. .
Ich verstehe nicht, wieso sich überhaupt Menschen für so eine Verarsche hergeben. Gut, es sind die ohnehin nicht so Hellen, aber selbst die müssten doch mal einen Schnipsel der Sendung gesehen haben und gemerkt haben, dass es nur zum Kaputtlachen für andere ist, weil alle teilnehmende Figuren absolut lächerlich sind. Unfassbar! Zum Anschauen ist das natürlich lustig, aber eigentlich gehört sowas verboten. Per anstand zumindest, aber den hat das TV ja leider nicht mehr… Dass die Privaten in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten mehr Frische und Neues ins Programm gebracht haben, gut! Dass es inzwischen überhaupt gar keine Menschenwürde im TV mehr gibt, nicht gut.
Grestorn 15.11.2011
4. A Röschen by any other name... :)
Zitat von Röschen44warum sich Frauen für ein derartiges Spektakel hergeben. Sie werden doch nur als Arbeitskraft gesehen. Ich habe die Sendung zum ersten mal ganz gesehen. Und die beiden Kerle sind in dieser Sendung vollends fehl am Platz. Die Sendung heisst "Bauer sucht Frau"! Die beiden sind für eine Frau vollkommen uninteressant und auch für Männer, denke ich. Sie sind wohl weder das eine noch das andere, spielen ihr Rollenspiel. Sollen sie doch. Ich finde das alles sehr unappetitlich.
Ui, da hat mal wieder einer der armen, ewig gestrigen, homophoben Mitmenschen seine Stimme erhoben... :) Jemand, dessen heterosexuelle Prägung wirklich gefestigt ist, hat keinerlei Grund sich an homosexuellen Mitmenschen zu stören oder sie gar unappetitlich zu finden. Das ist in den allermeisten Fällen bekanntermaßen nur der Versuch sich selbst etwas vorzumachen, weil eben nicht sein kann was nicht sein darf. Been there, done that.
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