Pferde-Spezial bei "Bauer sucht Frau" Kuppeln unter Kleppern

"Angie hat mich gleich ins Herz gestochen": Mit einem Pferde-Spezial der ruralen Verliebungsserie versucht RTL sich an der Verpaarung hauseigener Ausschussware. Leider offensichtlich mit Sparausstattung.

Katrin, 50, aus Thüringen
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Katrin, 50, aus Thüringen

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Wir müssen uns die Mitglieder im Produktionsteam von "Bauer sucht Frau" als arme Menschen vorstellen. Nicht (vorrangig) aus dem Grund, weil sie bei der Arbeitgeberwahl vielleicht ein bisschen geschludert haben, sondern vor allem, weil sie tatsächlich recht minderbemittelt scheinen, was ihre Versorgung mit Produktionswerkzeugen angeht.

Offenbar können sie, wenn es an die Vertonung ihrer aufgenommenen Schundszenen geht, nur auf eine einzige, vom Dauereinsatz schon rechtschaffen abgenudelte CD zurückgreifen, die sie sich außerdem doch mit den Kollegen von "Schwiegertochter gesucht" und anderen Schmökelformaten teilen müssen, wo der Tonträger manchmal in speckigen Sofaritzen verloren geht.

Nur mit einer solchen Sparausstattung ist es jedenfalls zu erklären, dass ähnliche Szenen schon ewig und drei Tage mit den immer gleichen zehn Liedern untermalt werden. So nun auch wieder bei der Auftaktfolge zum neuen Staffelelende von "Bauer sucht Frau - das Leben ist (k)ein Ponyhof", einem BsF-Spezial, das gänzlich im Kleppermilieu spielt und ganz ohne schlitzohrige Schweinebauern, hingebungsvolle Hühnerwirte und taktvolle Tapirfarmer auskommen muss.

Die volle Dröhnung, immer wieder

"Beschauliches Bauernhoftreiben" wird mit "No No Never" von Texas Lightning umdudelt. Sobald zwei weibliche Protagonisten zusammen an einem Kaffeetisch Platz nehmen, läuft "Girls Just Wanna Have Fun". Sind niedliche Tierkinder zu sehen, klimpert die Titelmelodie von "Nesthäkchen".

Und wenn die einbestellten Liebesanwärter dann am deprimierenden, eingleisigen Dorfbahnhof eintrudeln und glücklich umhalst werden, verpasst man den beiden Einsamen die volle Kelly-Clarkson-Dröhnung mit "A Moment Like This". Immer, ausnahmslos. Und wenn eine liebessuchende Pferdefreundin wie Kathrin sich lieber zwei Männer zur Auswahl bestellt, wird dieser supereinzigartige Moment samt "one special kiss" eben schmerzfrei zwei Mal hintereinander abgefahren. Wenigstens heißen beide Typen fast gleich, Albert und Alberto, dann fällt das kaum auf.

"Blaue Bettwäsche mit ENTEN"

Ponyhofbesitzerin Angie ist eine alte Scheunenfestveteranin, hatte aber 2011 als Bewerberin bei "Bauer sucht Frau" kein Glück und sucht nun eben selbst. Ihr vorläufig Auserwählter Albert (ja, noch einer!) reüssierte schon als Kandidat bei "Schwiegertochter gesucht", wo er wie ein überdimensionierter, trauriger Auerhahn erfolglos das sogenannte Postkartenmodel Svenja beziehungsweise Zwenja umbalzte. "Angie hat mich gleich ins Herz gestochen", berichtet er nun froh, und ja, man fühlt seinen Schmerz bis aufs Fernsehsofa. Angie wiederum mag vor allem ihre zwölf Ponys: "Mit denen kann man kuscheln, und die können die menschlichen Gefühle so ein bisschen miteinbeziehen."

Auch die Selbstauskünfte der Liebesdurstigen kommen einem vor wie durch einen tonerschwachen Kopierer gezogen: Arie, Jürgen, Katrin (ebenfalls eine alte BsF-Bekannte) stört am Alleinesein vor allem das Alleinesein, allesamt hängen sie dem Irrglauben an, "alles" mache zu zweit "mehr Spaß". Bewerberin Angelika ist gleich derart erpicht auf ein künftiges Paarleben, dass sie die kleinsten Dingelchen zeichenhaft zum Romance-Fanal hochdeutet, sei es die Blumenwahl ihres Wunschbauern ("Ich LIEBE orange Blumen! Als ob er es gewusst hat!") oder seine Frottierware ("Blaue Bettwäsche mit ENTEN! Enten sind sich ja ein ganzes Leben lang treu, wenn sie sich gefunden haben, das ist top!").

Patent erscheint unter den Pferdemenschen vor allem Jürgen, der seine beiden Kandidatinnen ohne Zeitverplemperei auf ein absolutes Beziehungs-No-Go testet: Hat eine von beiden etwa eine Heuallergie? Um dieses mögliche Manko sherlockartig zu observieren, lädt er beide bei der Abholung auf einen Anhänger, den er zuvor mit Heu vom Vorjahr beladen hat, "in der Blüte geschnitten". Und dann wird es ganz kurz doch noch ein bisschen romantisch: "Mal sehen, ob eine von beiden keine Luft mehr kriegt."



insgesamt 19 Beiträge
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twister13 23.05.2016
1. BsF
Tja, ich habe die Folge nicht gesehen. Private Sender habe ich von meiner Fernsteuerung eleminiert. Aber das mus. So seicht gewesen sein dass selbst der wunderbaren, einzigartigen und immer fantastischen Anja Rützel nicht mehr viel einfällt. Und DAS will was heissen.
christian simons 23.05.2016
2. Inka Bause meets Sherlock
Die neueste Staffel der Argrarkuppelshow hat eine kriminalistische Komponente: Wer ist der Undercover-Böhmermann-Landwirt?
neinsoetwas 23.05.2016
3. muss man darüber schreiben?
Wer lesen kann hat es sowieso nicht gesehen, und wer's gesehen hat.....
hieronym 23.05.2016
4. rureal und Verliebungsserie
Das erste vielleicht ein Schreibfehler, das zweite Wort jedoch lässt einige Rückschlüsse auf den Stand des deutschen Qualitätsjurnalismus zu, mal völlig abgesehen vom Thema.
sbi 23.05.2016
5. Liebe Anja Rützel,
ich habe hat keinen Fernseher, und das letzte mal, dass ich in einem Haushalt mit Fernseher gewohnt habe, war Schimanski noch Kommissar und es gab noch kein Privatfernsehen. Trotzdem bin ich froh, dass es Fernsehen gibt, denn so kann ich Ihre wunderbaren Verisse desselben lesen. Vielen Dank und weiter so!
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