Missbrauchsskandal BBC-Nachrichtenchefin gibt auf

Der Missbrauchsskandal um den Star-Moderator Jimmy Savile hat bei der BBC weitere personelle Konsequenzen. Nachrichtenchefin Boaden und ihr Stellvertreter lassen ihre Ämter ruhen. Erst am Samstag war Sender-Direktor Entwistle zurückgetreten.

Hamburg - Die BBC versucht einen personellen Neuanfang: Nach dem Rücktritt des BBC-Direktors George Entwistle lassen auch Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter Steve Mitchell ihre Ämter ruhen, wie der britische Fernsehsender am Montag in London mitteilte. Auch der Chef der Investigativ-Abteilung, Iain Overton gab seinen Posten ab.

Die Sender BBC News und Sky News hatten am Montag berichtet, dass Boaden und ihr Stellvertreter zum Rücktritt aufgefordert worden seien. Beide sind demnach von laufenden Untersuchungen betroffen, die klären sollen, ob im Sender Informationen über den Fall Savile zurückgehalten wurden.

Der konservative Parlamentsabgeordnete Philip Davies forderte auch den Rücktritt von Rundfunkratspräsident Chris Patten, der den Sender beaufsichtigt. Patten hatte einen großangelegten Umbau in der BBC angekündigt. Der frühere BBC-Starmoderator Savile soll über Jahre hinweg Hunderte Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Spekulationen und Gerüchten dieser Art war die BBC nicht nachgegangen. Ein Beitrag über Savile, der eigentlich in der Sendung "Newsnight" laufen sollte, war nicht ausgestrahlt worden. Angeblich hatte die BBC-Spitze interveniert. Savile ist vor einem Jahr gestorben.

BBC-Direktor Entwistle hatte seinen Rücktritt mit den inakzeptablen journalistischen Standards und dem "schlampigen" Journalismus bei der bekannten Nachrichtensendung "Newsnight" begründet. Als Generaldirektor sei er "letztlich verantwortlich für den gesamten Inhalt" der BBC-Sendungen. Entwistle war nach nur zwei Monaten im Amt zurückgetreten - wegen der Vorwürfe gegen Savile und wegen eines unzutreffenden Berichts über einen anderen Missbrauchsskandal. "Newsnight" hatte den früheren Politiker Alistair McAlpine fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs beschuldigt.

usp/dpa/AP
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