Familien-Talk bei "Beckmann" "Was tun wir unseren Kindern an?"

Eine Talkshow über Familienpolitik ohne Familienpolitikerin - geht das? Keine Sorge! Bei "Beckmann" hatten auch Schauspielerinnen und Hebammen das Mantra von Elternzeit und besserer Kinderbetreuung drauf.
Moderator Beckmann (Archivbild): Sorgen Kinder für Chaos?

Moderator Beckmann (Archivbild): Sorgen Kinder für Chaos?

Foto: Christian Charisius/ dpa

So harmonisch ist es am Familientisch selten. "Kinderlos - warum die Deutschen keine Kinder mehr bekommen" war das Thema in Reinhold Beckmanns ARD-Talkrunde am Montagabend, und alle waren sich einig, dass Deutschland zwar kein besonders kinderfreundliches Land sei, aber - Augenaufschlag in die Kamera - Kinder zu haben trotzdem etwas Wunderbares ist: die Schauspielerin Jasmin Tabatabai (3 Kinder), der "Zeit"-Redakteur Marc Brost (1 Kind), die Hebamme Livia Görner (2 Kinder, 2 Enkel, 1 Buch) und auch die Soziologin Michaela Kreyenfeld (2 Kinder), die sich allerdings lieber an Zahlen als an persönliche Bekenntnisse hielt.

Mit diesen Diskussionsteilnehmern war die These des Abends, dass "die Deutschen keine Kinder mehr bekommen", also schon mal widerlegt, und man erfuhr auch bald, dass es in Wirklichkeit nur 20 Prozent sind, die ohne Nachwuchs bleiben. Dieses Fünftel wurde repräsentiert von der Autorin Nicole Huber, die in ihrer roten Bluse nicht nur farblich auffiel in der ansonsten schwarz gekleideten Runde, sondern auch die schön grundsätzliche Frage stellte, ob denn angesichts der globalen Überbevölkerung das Schrumpfen des deutschen Volkes wirklich so ein Drama sei: "Müssen wir wirklich 80 Millionen bleiben?"

Natürlich führte die Soziologin Kreyenfeld gleich die Überalterung der Gesellschaft ins Feld und das Rentenproblem. Und Autorin Huber fing an, kompliziert zu erklären, warum das in Wirklichkeit kein Problem sei. Beckmann (2 Kinder) ließ zu, dass sich beide Frauen in ihren demografischen Zukunftsmodellen verhedderten, bis Jasmin Tabatabai rief, das sei ihr zu theoretisch: "Ich werd wahnsinnig!"

Was tun wir unseren Kindern an?

Von da an achtete Beckmann darauf, dass die Diskussion breit statt tief blieb, und es kamen auch alle zu erwartenden Stichworte vor: der Stress in der "Rushhour" des Lebens, wenn Frau (und Mann) Kinder und Karriere gleichzeitig zu handeln haben (ist kaum vermeidbar), die Anwesenheitskultur in deutschen Büros (sollte abgeschafft werden), die Abdrängung der Frauen in die Teilzeit (ist schlecht für Frauen, wenn die Ehe nicht hält), die mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder (sind regional unterschiedlich stark ausgeprägt), der Vergleich mit Schweden und Frankreich (ist immer interessant), der Vorschlag von Familienministerin Schwesig, Eltern nur noch 32 Stunden arbeiten zu lassen (ist begrüßenswert).

Die größten Kontroversen gab es, wenn die Teilnehmer sich selbst widersprachen: So beklagte sich Tabatabai am Anfang der Sendung, dass das Kinderkriegen und die Kinderbetreuung in Deutschland als "Privatproblem" jedes einzelnen gelten würden und sich die Gesellschaft nicht verantwortlich fühle. Als der Journalist Brost, Leiter des Berliner Büros der "Zeit", später über den Terror der ständigen Erreichbarkeit klagte, die ihn auch am Wochenende ständig auf sein Smartphone schielen lasse, fragte ihn Tabatabai: "Ist das nicht Ihre persönliche Entscheidung?"

Und die Hebamme Livia Görner fuhr Brost zunächst ziemlich in die Parade, als der vom alltäglichen "Chaos" zwischen Kind und Karriere erzählte: "Was tun wir unseren Kindern an, wenn wir ihnen sagen, hier ist Chaos, weil ihr da seid?" Später erzählte sie ausführlich von den Problemen ihrer Tochter, wenn deren Kind krank sei und der Alltag aus dem Ruder laufe. Immerhin waren sich beide einig, dass die meisten Mittelschichtseltern (sie selbst natürlich ausgenommen) ihre Kinder überbetreuen und mit Frühförderung überfordern.

Habt Geduld!

Gegen Ende präsentierte Beckmann noch ein paar harte Zahlen: Für 156 verschiedene familienpolitische Maßnahmen investiert der Staat insgesamt 200 Milliarden Euro jährlich - seine Redaktion rechnete hier, wie es auch die Bundesregierung gern tut, das Ehegattensplitting (20 Milliarden) mit ein, obwohl das ja auch für kinderlose Ehepaare gilt.

Wieso das ganze Geld die Geburtenrate nicht wachsen lasse, wollte der Moderator von der Soziologin Kreyenfeld noch wissen. Sie empfahl, was auch Erziehungsratgeber gerne empfehlen: ein bisschen Geduld.

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