Bei "Lanz" ausgeladen Mohammed-Karikaturist wirft ZDF Selbstzensur vor

Kurt Westergaard, bekannter Zeichner der Mohammed-Karikaturen, sollte mit Markus Lanz im ZDF talken. Dann sagte der Sender ab. Der Karikaturist spricht jetzt von Zensur - und wirft den deutschen Programmmachern indirekt Feigheit vor.

Karikaturist Westergaard: Unter ständigem Personenschutz
AP

Karikaturist Westergaard: Unter ständigem Personenschutz


Kopenhagen/Hamburg - Der durch seine Mohammed-Karikaturen berühmt gewordene dänische Zeichner Kurt Westergaard wirft dem ZDF "Selbstzensur" vor. Der Karikaturist sagte am Montag in Dänemarks größter Zeitung "Jyllands-Posten", der öffentlich-rechtliche Sender habe ein für die Markus-Lanz-Talkshow vereinbartes Interview ohne Angabe von Gründen abgesagt. "Ich hätte nicht gedacht, dass ein so großer Sender einknickt und Selbstzensur übt", sagte Westergaard.

Der Sender wies die Vorwürfe zurück. "Die Absage war eine redaktionelle Entscheidung des ZDF. Der Interviewvorschlag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass eine Unterhaltungstalkshow keine geeignete Plattform für eine Auseinandersetzung mit dem Thema ist", hieß es in einer Stellungnahme.

Der 75-jährige Westergaard war im Jahr 2006 bekannt geworden, als die "Jyllands-Posten" eine Karikatur von ihm veröffentlichte, die den Propheten Mohammed als Terrorist mit Bombe im Turban zeigt. Daraufhin wurden Westergaard wiederholt Anschläge angedroht, er muss rund um die Uhr vom dänischen Geheimdienst geschützt werden. Am Neujahrstag entging Westergaard in seinem Haus nur knapp einem Attentäter, der eingedrungen war und ihn mit einer Axt erschlagen wollte.

Zur Absage seines ZDF-Auftritts erklärte der Däne, der Sender habe ihm keine Gründe genannt: "Aber natürlich hat das was mit der Sicherheit zu tun." Das denkt auch Westergaards Gallerist Erik Guldager, der als Begleiter vorgesehen war. Ihm sei von einem ZDF-Mitarbeiter erklärt worden, dass man nicht für die Sicherheit Kurt Westergaards garantieren könne und um das Leben und die Sicherheit eigener Mitarbeiter fürchte, sagte der Däne zu "Jyllands- Posten".

can/dpa



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