Bernd Hilder MDR-Rundfunkrat lässt Intendanten-Kandidat durchfallen

Aufregung beim MDR: Der Rundfunkrat des von Skandalen erschütterten Senders hat Bernd Hilder die Wahl zum Intendanten verweigert. Der designierte Nachfolger Udo Reiters scheiterte an der nötigen Zweidrittelmehrheit - nun muss ein neuer Kandidat gesucht werden.
Bernd Hilder: Der Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung" wird nicht MDR-Intendant

Bernd Hilder: Der Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung" wird nicht MDR-Intendant

Foto: Jan Woitas/ dpa

Leipzig/Berlin - Große Überraschung im vermeintlichen Abnickgremium: Der Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunks hat den bisherigen Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung", Bernd Hilder, nicht zum Intendanten des MDR gewählt.

Hilder war dem Gremium vom MDR-Verwaltungsrat vorgeschlagen worden, wo er sich erst im vierten Wahlgang gegen die stellvertretende MDR-Intendantin Karola Wille und den stellvertretenden WDR-Fernsehdirektor Helfried Spitra durchgesetzt hatte.

Doch an der letzten Hürde vor dem Intendantenamt scheiterte der in Bückeburg (Niedersachsen) geborene Hilder. Wie der MDR an diesem Montag mitteilte, bekam Hilder nur zwölf Ja-Stimmen bei 41 anwesenden Rundfunkräten. 29 Mitglieder stimmten gegen ihn. Er hätte eine Zwei-Drittel-Mehrheit in dem Gremium benötigt, dem neben Vertretern der Landesregierungen und der in mindestens zwei Landtagen vertretenen Parteien auch Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen angehören, beispielsweise aus Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Kirchen und Sportverbänden. Hilder galt als Wunschkandidat der in Sachsen regierenden CDU.

Angeblich nur widerwillig GEZ-Gebühren gezahlt

Der 52-Jährige sagte nach der verlorenen Wahl der Nachrichtenagentur dpa: "Schade. Gerne hätte ich dem MDR geholfen, aus seiner Krise herauszukommen." Seiner Wahl wohl sicherlich nicht dienlich war die von der Magdeburger "Volksstimme" berichtete mutmaßliche Gebührenfaulheit des designierten Intendanten:  Am Samstag vor der Wahl hatte die Zeitung berichtet, Hilder habe auf einem Anmeldebogen der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) auf die Frage, ob er Rundfunkgebühren zahle, zwar das Ja-Feld angekreuzt, dahinter jedoch handschriftlich "leider" angemerkt. Zudem gehe aus dem Formular hervor, dass Hilder nach eigenen Angaben erst seit 2005 ein Radio- und ein Fernsehgerät besitze - sehr unwahrscheinlich für jemanden, der seit November 2003 Chefredakteur einer Tageszeitung gewesen ist. Allerdings ist unklar, ob es sich bei dem GEZ-Formular um eine Fälschung handelt.

Bernd Hilder begann seine Laufbahn beim damaligen Sender Freies Berlin. Ende der achtziger Jahre wurde er Hörfunkkorrespondent in Washington, später in Mexiko-Stadt. Nach 13 Jahren bei der ARD übernahm er 1995 die Chefredaktion der "Schaumburger Nachrichten". Im Jahr 2000 wurde er Chefredakteur des "Göttinger Tageblattes", seit 2003 stand er an der Spitze der "Leipziger Volkszeitung.

Nun muss ein neuer Nachfolgekandidat gesucht werden für Udo Reiter, der 20 Jahre lang Intendant der Rundfunkanstalt war, die für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist. Reiter hatte im Mai überraschend seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt.

Umstrittener Wahlmodus für Intendantenwahl

Der MDR war jüngst mit einer Reihe von Skandalen ins Gerede gekommen. Der mittlerweile gekündigte Unterhaltungsschef Udo Foht war über undurchsichtige Finanzgeschäfte gestolpert. Zuvor war bereits ein Millionenbetrug beim ARD/ZDF-Kinderkanal aufgedeckt worden, für den der MDR die Federführung hat.

Nicht nur der Kandidat war umstritten, auch der Wahlmodus der Intendantenwahl sorgte im Vorfeld für Diskussionen. So galt als fraglich, ob es in der Rundfunkratssitzung überhaupt eine zweite Runde geben würde, wenn Hilder im ersten Wahlgang nicht gewählt werde. Diesen Schluss legt nach SPIEGEL-Informationen ein Gutachten des Gesetzgebungs- und Beratungsdiensts des Landtags von Sachsen-Anhalt nahe. Sowohl der MDR-Staatsvertrag als auch verschiedene andere Regelungen seien in dieser Frage nicht eindeutig. Es könne nicht prognostiziert werden, wie ein Gericht später urteilen würde.

feb/kuz/dpa/dapd
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