Betrugsverdacht MDR gerät bei Kika-Affäre unter Druck

Einem Kinderkanal-Mitarbeiter wird vorgeworfen, binnen fünf Jahren rund vier Millionen Euro hinterzogen zu haben. Jetzt muss sich der MDR nach SPIEGEL-Information pikanten Vorwürfen stellen, darunter: Warum durfte der Mann überhaupt Buchungen in so großer Höhe tätigen?


Hamburg - In der Affäre um die Betrugsvorwürfe gegen einen hochrangigen Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Kinderkanals (Kika) gerät der MDR mehr und mehr unter Druck. Vor allem beschäftigt die Aufsichtsgremien nach SPIEGEL-Information die Frage, wie es einem einzigen Mitarbeiter erlaubt sein kann, Buchungen in Höhe von bis zu 500.000 Euro zu veranlassen. Eigentlich ist das nur Direktoren und Hauptabteilungsleitern vorbehalten. Offenbar gab es aber für den beschuldigten Herstellungsleiter Marco K. eine Sonderregelung.

Anweisungsberechtigungen seien im Sender formal geregelt, sagt der MDR, der die Geschäfte des gemeinsam von ARD und ZDF betriebenen Kindersenders lenkt. "Aufgrund der Organisation des Kika" sei nicht nur dem Programmgeschäftsführer als Hauptabteilungsleiter eine Anweisungsberechtigung erteilt worden, sondern "ebenso dem suspendierten Mitarbeiter".

Marco K. sitzt im thüringischen Suhl in Untersuchungshaft; ihm wird vorgeworfen, binnen fünf Jahren rund vier Millionen Euro abgezweigt zu haben. Über fingierte Rechnungen einer Berliner GmbH soll K. immer wieder Kosten für den Kinderkanal produziert haben - die Dienstleistungen erfolgten nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht oder nur teilweise. K. soll sich das Geld mit dem Geschäftsführer der Berliner Firma geteilt haben.

Vorwürfe gegen einen Kika-Mitarbeiter bereits 2009 bekannt

Besonders pikant: Dem MDR waren Vorwürfe solcher Art nicht neu. Im Tätigkeitsbericht 2009 des MDR-Anti-Korruptions-Beauftragten heißt es: "In einem anonymen Brief" sei die "langjährige Zusammenarbeit des Kika mit einer Firma problematisiert" worden, "wobei auch Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter des Kika erhoben wurden". Doch die Überprüfung führte zu nichts: haltlose Vorwürfe, keine Unregelmäßigkeiten, so das Fazit.

Aufklärung erhofft sich der Verwaltungsrat von einer Sondersitzung des Gremiums im Januar. "Wir erwarten einen Bericht des Intendanten über die offensichtlichen Fehler und Mängel in der Kontrolle", sagt Gerd Schuchardt, Vorsitzender des MDR-Verwaltungsrats. "Auch will ich eine Antwort, wieso das Vieraugenprinzip nicht konsequent umgesetzt wurde."

Schon 2005 hatte der MDR unter seinem Intendanten Udo Reiter mit dem Fall des damaligen Sportchefs Wilfried Mohren, der Sendezeiten verkaufte, Aufsehen erregt. Die Anti-Korruptions-Vorkehrungen wurden danach erhöht. Schuchardt: "Unter dem Vorzeichen Mohren ist die Sache jetzt besonders ärgerlich." Marco K. war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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