Bettina Reitz verlässt Degeto Wohin steuert Deutschlands mächtigste Produktionsfirma?

Bettina Reitz soll neue Fernsehdirektorin des BR werden. Schön für die Münchner - schlecht für die ARD-Tochter Degeto, die Reitz jetzt nach nur wenigen Monaten verlässt. Eigentlich sollte die Managerin die skandalträchtige Produktionsfirma auf Vordermann bringen, deren Zukunft ist nun wieder offen.

Bettina Reitz: Zurück zum BR
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Bettina Reitz: Zurück zum BR

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Gerüchte kursierten schon länger - und sorgten in der Fernsehbranche für Aufregung. Die aktuelle Degeto-Chefin Bettina Reitz, 49, so munkelte man, solle zum Bayerischen Rundfunk (BR) zurückkehren und dort einen hohen Posten bekommen. Für Kenner des Fernsehgeschäfts generell eine nachvollziehbare Entwicklung: Schließlich hat sich Reitz von München aus als profilierte Film- und Fernsehschaffende hervorgetan, als Fernsehspielchefin hat sie für das Haus viele erfolgreiche, aber auch prestigeträchtige Produktionen auf den Weg gebracht; die Serie "Türkisch für Anfänger" wurde von ihr ebenso angeschoben wie Doris Dörries Kinofilm "Kirschblüten - Hanami".

Im BR gilt sie als durchsetzungsfähige, aber allseits beliebte Fernsehmanagerin. Man findet wenige Menschen, die Böses über Bettina Reitz sagen. Besonders beim BR selbst, wo sie immerhin acht Jahre gearbeitet hat; so etwas ist selten in der Fernsehbranche.

Nun bestätigte ein Sprecher des BR gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass der Fernsehausschuss des BR-Rundfunkrats auf seiner Sitzung am Donnerstag darüber diskutiert habe, Bettina Reitz als Nachfolgerin für den im Mai scheidenden Fernsehdirektor Gerhard Fuchs, 64, aufzustellen. Eine entsprechende Meldung hat die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Freitagsausgabe verbreitet. Reitz selbst hat sich dem Gremium bei dem Treffen noch mal persönlich für den Posten empfohlen, wie der BR-Sprecher erläuterte. Am 8. Dezember wird BR-Intendant Ulrich Wilhelm auf einer weiteren Sitzung vorschlagen, Reitz als Fernsehdirektorin zu benennen. Mit Überraschungen wie unlängst bei der MDR-Intendantenwahl ist nicht zu rechnen, dafür hat die Kandidatin ein zu gutes Standing in der Anstalt.

Ästhetin gegen Gutsherr

Während sich die Mitarbeiter des BR über die sich abzeichnende Personalentwicklung freuen, ist der Rest der Fernsehbranche umso besorgter. Denn schließlich ist mit der Rückkehr von Reitz zum BR auch ihr Abschied von der in Frankfurt beheimateten Degeto verbunden, wo sie erst im Mai dieses Jahres ihren Posten als Geschäftsführerin angetreten hatte. Die Degeto ist ein Medienunternehmen, bei dem die unterschiedlichen ARD-Anstalten als Gesellschafter fungieren; es übernimmt sämtliche Einkäufe und Produktionen für das Erste - und ist somit wichtigster Geldgeber der Fernsehbranche insgesamt.

Damals hatte Reitz einen Scherbenhaufen bei der ARD-Tochter vorgefunden. Wie im September bekannt geworden war, hatte das Unternehmen seinen Jahresetat erheblich überzogen. Allein 2009 habe man Aufträge im Gesamtvolumen von 426 Millionen Euro vergeben. Der Etat des Unternehmens liegt aber nur bei rund 400 Millionen.

Daraus ergab sich eine Verringerung der Produktionsaufträge für 2012 und 2013 - und ein faktischer Gestaltungsstopp für Reitz, die doch angetreten war, das als Schnulzenfabrik und Selbstbedienungsladen verrufene Unternehmen sowohl fernsehästhetisch als auch managementtechnisch auf Vordermann zu bringen. Doch was soll man produzieren, wenn kein Geld da ist?

Die ARD-Intendanten versprachen im September schnellstmögliche Aufklärung und kündigten an, das Auftragsvergabeverfahren der Firma auf den Prüfstand zu stellen. Als Sauberfrau und Filmidealistin schien Reitz genau die richtige Person, um ein System der Transparenz zu schaffen. Eine perfekte Gegenspielerin für den Degeto-Co-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan, der seit zehn Jahren im Amt ist, die Firma mit unzähligen Christine-Neubauer-Schmonzetten ihren schlechten Ruf verpasste - und von dem es heißt, er betreibe eine Produktionsvergabe nach Gutsherrenart. Ende November tagt eine Kommission, die den ARD-Entscheidern über die Unregelmäßigkeiten bei der Degeto Auskunft geben soll; danach wird über Jurgans Zukunft entschieden. Über eine Nachfolgeregelung für Reitz, so ein Sprecher der Degeto zu SPIEGEL ONLINE, werde frühestens dann gesprochen, wenn ihr Wechsel zum BR amtlich sei.

Dass man bei der Degeto zur Ruhe kommen wird, davon ist demnach nicht auszugehen. Bis Juni wird Bettina Reitz noch in Frankfurt an einem neuen Vergabesystem arbeiten und schon abgeschlossene Aufträge umsetzen. Das dürfte kaum reichen, um der Degeto ein neues Auftreten und ein neues Image zu verschaffen. Die Branche bleibt also in Unruhe. Schließlich gehen von den 400 Millionen Euro Gesamtetat (nach Lizenzierungen und Einkäufen für die ARD) satte 250 Millionen in die Film- und Serienproduktion.

Die Frage lautet also: Wer wird in Zukunft Zugriff auf den mit Abstand größten TV-Geldtopf in Deutschland haben?



insgesamt 2 Beiträge
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hoppla_h 18.11.2011
1. Selbstbedienungsladen Degeto abwickeln
Zitat von sysopBettina Reitz soll neue Fernsehdirektorin des BR werden. Schön für die Münchner - schlecht für die*TV-Film-Schmiede Degeto. Erst im Mai hatte*die TV-Managerin*die Führung der*skandalträchtigen ARD-Tochter übernommen. Was mit dem gigantischen öffentlich-rechtlichen Geldtopf wird, bleibt offen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,798546,00.html
Die GEZ treibt Zwangsgebühren ein, die Degeto verschleudert. Der ganze ö-r. "Selbstbedienungsladen" gehört abgewickelt: Grundversorgung aus Steuermitteln finanzieren! - ARD und ZDF privatisieren, Pay-TV verschlüsselt via Satellit. - Via DVB-T regional Radio und 3. Programme.
timewalk 18.11.2011
2. Der Plan ist das abwracken
Zitat von hoppla_hDie GEZ treibt Zwangsgebühren ein, die Degeto verschleudert. Der ganze ö-r. "Selbstbedienungsladen" gehört abgewickelt: Grundversorgung aus Steuermitteln finanzieren! - ARD und ZDF privatisieren, Pay-TV verschlüsselt via Satellit. - Via DVB-T regional Radio und 3. Programme.
Nichtdoch! Irgendwie muss doch Deutschland weiter abgewrackt werden. Hat diese Regierung IRGENDETWAS Anderes betrieben??? Am Ende hätte man sonst keine Argumente wieso Hartz 4 Empfänger unter dem Existenzminimum gehalten werden.
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