Bettina Wulff bei Sarah Kuttner Sülze mit der Ex

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Sarah verschlingt Würste, Bettina knabbert Gürkchen. Sarah will peinliche Geschichten, Bettina erzählt, dass sie sich morgens sofort schminkt. In dem Küchen-Talk "Kuttner plus Zwei" gibt sich die Ex-First-Lady Wulff staatstragend. Geht's auch weniger würdevoll?

Schon die Einspieler zur ZDFneo-Show "Kuttner plus Zwei" zeigen, wo es langgeht. Während der männliche Gast Antoine Monot Jr. damit vorgestellt wird, dass er in jungen Jahren versucht hat, einen Vertrieb für Pornovideos aufzubauen, gibt es über Bettina Wulff nur Ehrenwertes zu berichten. Ihre Charakterisierung endet mit dem Off-Kommentar: "Bettina konzentriert sich auf ihre Ursprungsidee: anderen zu helfen." Ein hölzerneres Image-Filmchen sah man noch nicht im deutschen Fernsehen.

Und so ächzt das Gespräch bei Wurst, Gürkchen und Wein (und gut platzierten Getränken des internationalen Energydrink-Marktführers) weiter. Es geht um den Bart von Monot Jr., es geht ums Beten am Abendbrottisch, es geht um Freizeit. Bettina Wulff sagt, dass bei ihr gebetet wird und dass sie am Wochenende gerne im Garten arbeitet. Natürlich nur geschminkt. Auch guckt sie gerne Fußball auf Sky. Mit wem, verrät sie nicht. Zu privat.

Lass uns nicht von Sülze reden

Schon bei der ersten Folge des Formats hatte Sarah Kuttner das Problem, dass es ganz intim zugehen sollte, aber niemand mit ihr Intimes besprechen wollte. Haute die Moderatoren eben selbst ein paar unangenehme Details aus ihrem Leben raus. Über Sarah ist jetzt alles gesagt, Bettina aber will über sich nichts erzählen. Außer über die Sache mit dem Internet.

Kaum war das Gespräch auf die Themen Google und Co. gelenkt, bezog sie Stellung zu den Gerüchten, die von ihr im Netz zirkulieren. Und über ihre juristischen Maßnahmen. "Es macht mich fassungslos, was möglich ist", so Wulff. Es habe sich ein unheimlicher innerer Druck aufgebaut, deshalb habe sie geklagt.

Eigentlich hätte Wulff diesen Dienstag in der Runde von Sandra Maischberger sitzen sollen, in der es um Rufmord ging. Aus Krankheitsgründen hatte sie kurzfristig abgesagt. Die Kuttner-Show war schon vorher aufgezeichnet worden und ist Ende Februar bei ZDFneo zu sehen. Was Wulff darin offenbart, klingt aufgesagt. Sie hätte es genauso gut bei Maischberger sagen können.

Das ist nicht die Spontaneität, die sich Kuttner für ihre schummrige Babbel-und-Beicht-Show wünscht. Ein bisschen gelangweilt versucht sie deshalb die Sülze, die auf dem Küchentisch steht, ins Gespräch zu bringen. Monot Jr. lenkt ein: "Das Thema ist zu ernst, um über Sülze zu sprechen." Er meint es ernst. Oder auch nicht.

Wulff auf der Suche nach der wahren Liebe

Danach gibt der Schauspieler, der selten große Rollen spielt, die kleinen aber immer ganz groß, eine extrem smarte Selbsteinordnung ab. Er sei das, was man in Hollywood einen "loveable loser" nennt, die gutmütige, offenherzige, treudoofe Nebenrolle. Aus dem souveränen Wissen um die Logik des Medienbetriebes aber hat er ein paar extrem einprägsame Rollen gespielt. Der sonnige, jugendliche Liebhaber der reifen Kommissarin im Bremer "Tatort" etwa war eine der besten Sidekick-Rollen im Krimi-Klassiker überhaupt. Leider wurde er nach zwei Auftritten aus der Handlung gemordet.

Während Monot Jr. sich lässig aus dem Off ins breite Bewusstsein der medialen Öffentlichkeit spielt, arbeitet sich Wulff daran ab, ihre Rolle in diesem breiten Bewusstsein neu zu definieren. Hoheit über die eigene Bedeutung zu bekommen. Und gerät dadurch erst recht ins Off. Sie ist wie Monots Figuren ein "loser", aber eben für die meisten nicht "loveable". Wulff in einer Sendung als Gast zu haben, ist für sie und den Sender eine Lose-lose-Situation. Die Ex auf allen Ebenen führt ihre Opferrolle steif auf; ob auf analytischer oder auf voyeuristischer Ebene, ob beim Gesellschaftstalk oder im Boulevardmagazin - da ist nichts zu gewinnen.

Das Tragische: Je menschlicher sie sich zu geben versucht, desto automatenhafter wirkt sie. Das wird zwischen der zerlaufenden Butter und dem halbherzig angetrunkenen Wein bei ZDFneo nur umso deutlicher. Sarah Kuttner, deren Rolle in dieser Sendung als eine Art Halbstunden-Busenfreundin konzipiert ist, fragt halb mitfühlend, halb aufgebracht, ob Bettina denn keinen Manager habe, der ihr Image, ihre Marke mitpräge. Um im schönsten Kuttner-Deutsch anzufügen: "Bettina Wulff wurde ja von den Medien zerkloppt, die muss doch jetzt zu einem schönen Mosaik wieder zusammengesetzt werden."

In der Sendung wird aus den Präsidentengattin-Resten Wulff allerdings keine strahlende beste Freundin Bettina. Obwohl sich Kuttner müht. Irgendwann, der Talk ist fast vorbei, will die Moderatorin über Komplexe sprechen. Wulff gibt vor, nicht zu verstehen: "Komplexe, äh?" Kuttner mahnend: "Bettina!" Schließlich gibt sich Wulff einen Ruck: Sie glaubt niemandem, der ihr sagt, er liebe sie. Kuttner: "Du kannst dich selber nicht gut leiden."

Die wahre Liebe, nach dieser Sendung wird sie Wulff wohl auch nicht zuwehen.


"Kuttner plus Zwei", Donnerstag, 26. Februar, 22.45 Uhr, ZDFneo

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13 Leserkommentare
karlsiegfried 28.01.2015
Hornblower 28.01.2015
karend 28.01.2015
eagle29 28.01.2015
p.donhauser 28.01.2015
sponUser0815 28.01.2015
madtv 28.01.2015
gpkneo 28.01.2015
Mastermason 28.01.2015
genaumeinding 31.01.2015
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Labs-Kautz 05.02.2015
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