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"Tatort" aus Bremen: Bremen im Würgegriff des Clans

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Bremen-"Tatort" über Araber-Mafia Mit Brausepulver gegen Bushidos Brüder

Ein deutscher Bulle und ein aussätziger Araber kämpfen gegen das organisierte Verbrechen. Der Bremer "Tatort" ist ein Cop-Thriller mit Wirklichkeitsanspruch geworden - Bushidos Freunde vom Abou-Chaker-Clan lassen grüßen. Leider ist der Krimi nicht so brisant, wie er zu sein vorgibt.

Darauf ein Brausepulver. Für die beiden alten Freunde die einzige richtige Art, um ihre Wiedervereinigung nach Jahren zu feiern. Als Kinder schlossen sie auf einem Bremer Spielplatz Blutsbrüderschaft, gingen gegen alle Widerstände gemeinsam durch dick und dünn, dann riss sie das Schicksal auseinander: David (Christoph Letkowski) wurde Polizist, Mesut (Matthias Weidenhöfer) versuchte, den Fängen seines kriminellen arabischen Clans zu entkommen, und tauchte für lange Zeit unter. Auf der Flucht vor der eigenen ehrenwerten Familie.

Jetzt haben sich David und Mesut noch einmal zusammengetan, kurz zuvor wurde Davids Kollegin während eines Einsatzes ermordet, die Spuren führen in Mesuts Familie. Die beiden Freunde ziehen in den Kampf gegen diesen weitverzweigten Clan, der Bremen im Würgegriff hält, Teile der Behörden inklusive. Als wollten sich die beiden Mut machen, reißen sie vor ihrem Feldzug ein Ahoj-Brausepulverpäckchen auf, kippen sich den Inhalt in den Mund und schütteln sich, als hätten sie einen besonders harten Schnaps geext.

Ein "Tatort", aufgebaut wie ein US-Cop-Thriller, angereichert mit lokalen Zutaten. Das ungleiche Paar, das gegen Korruption und Organisierte Kriminalität vorgeht, kennt man so ähnlich aus unzähligen Genre-Produktionen. Aber die Mafia, die es in dem deutschen Film zu bekämpfen gilt, erinnert in Teilen frappierend an reale Vorbilder, etwa den Bremer Miri-Clan und den Berliner Abou-Chaker-Clan, der vor allem durch seine Verbundenheit mit dem Rap-Darsteller Bushido Boulevardberühmtheit erlangt hat.

Wo trifft Verbrechen auf bürgerlichen Einfluss?

Auch der fiktive Nidal-Clan im Bremer "Tatort" ist über den Libanon nach Deutschland gekommen. Und die Drohgebärden, mit denen dessen Mitglieder sogar in Anwesenheit von Richtern Zeugen einzuschüchtern versuchen, weisen starke Ähnlichkeit mit den Auftritten vor Gericht auf, wie sie vom realen Abou-Chaker-Clan bekannt sind. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Erfindung sind hier fließend.

Regisseur Florian Baxmeyer hat bereits einen außergewöhnlich modernen "Tatort" mit Cenk Batu gedreht und etliche, zum Teil hoch energetische Bremer Folgen. Autor Wilfried Huismann, der mit Dagmar Gabel das Drehbuch geschrieben hat, ist ein ausgewiesener Doku-Rechercheur. Und doch gelingt es den Filmemachern nicht wirklich, das reale organisierte Verbrechen in Deutschland im klassischen Genre-Thriller widerzuspiegeln.

Zwar übernimmt man zum Teil gekonnt Druck-Dramaturgie und Psychologisierungs-Ökonomie von US-Serien-Vorbildern wie "The Wire" - die Ermittlerpersönlichkeiten Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) werden mit einigen markanten Szenen angerissen statt umständlich auserzählt, und der Plot entwickelt sich über die Bewegung durchs sozialökonomische Milieu der Figuren und nicht durch Monologe. Aber die Mafia-Familie bleibt am Ende doch zu schablonenhaft.

Weshalb etwa werden die Brüder trotz erdrückender Beweislast beim Polizistinnenmord nicht verurteilt? Ganz einfach: Weil ihre Kumpanen vor der Urteilsverkündung nachts beim Richter einsteigen, um ihn zu bedrohen. Ein Brachialszenario, das so nicht hätte sein müssen und keinen Anknüpfungspunkt in der Realität findet. Interessanter wäre doch gewesen, das Zusammenspiel von kriminellem Geschäft und bürgerlicher Einflussnahme, durch das etablierte Clans oft sehr viel effizienter arbeiten, nachzuzeichnen.

In diesem Punkt aber bleibt der Cop-Thriller an der Oberfläche und verspielt erheblich jene Brisanz, die er mit dem Thema anzupacken vorgibt. Ein "Tatort" mit der Wirkung einer Ladung Brausepulver: kurzer starker Flash, schwacher Abgang.


"Tatort: Brüder", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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