Kritik an Öffentlich-Rechtlichen ARD-Politmagazine zu unpolitisch

Sie sollen aktuell sein, anspruchsvoll, gut recherchiert - und können das offenbar nicht leisten: TV-Magazine wie "Fakt" oder "Kontraste" sind zu unpolitisch. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung.
ARD-Sendung "Kontraste" (hier mit Moderatorin Astrid Frohloff): Zu unpolitisch?

ARD-Sendung "Kontraste" (hier mit Moderatorin Astrid Frohloff): Zu unpolitisch?

Foto: ARD

Die Politikmagazine in ARD und ZDF sind zu unpolitisch und kommen mit ihren Beiträgen meist zu spät - das ist das Fazit einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung , die am 4. Juli veröffentlicht wird.

Die Sendungen berichteten zu häufig über Einzelschicksale, ohne deren gesellschaftliche Relevanz deutlich zu machen, heißt es dort. Das Gros der Beiträge werde zudem "nicht gesendet, damit ein Thema dadurch relevant wird, sondern sie gelangen erst ins Fernsehen, wenn sie bereits Relevanz besitzen". Die Magazine stünden "meist nicht am Anfang, sondern in der Mitte oder sogar eher am Ende des Lebenszyklus' eines Themas in der Öffentlichkeit".

Für die Studie hat der Medienwissenschaftler und ehemalige Geschäftsführer des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, alle Ausgaben und Einzelbeiträge der Magazine "Monitor", "Panorama", "Fakt", "Kontraste", "Report Mainz" und "Report München" (alle ARD), "Frontal 21" (ZDF) sowie SPIEGEL TV Magazin (RTL), die von September bis Dezember 2014 ausgestrahlt wurden, nach Inhalt und Machart untersucht. Auch Stil und Funktionen der Moderationen werden analysiert, Zuschauerzahlen und Quoten verglichen.

"Fakt" und "Kontraste" nicht mehr ausstrahlen?

Besonders kritisch gesehen werden die Magazine "Fakt" und "Kontraste", die von MDR und RBB produziert werden. Deren Rechercheleistungen seien schwach. Über "Fakt" heißt es: "So aber wirkte es, als habe sich die Redaktion zwar anspruchsvolle Themen vorgeknöpft, jedoch ohne diese tatsächlich bewältigen zu können." Über eine "Kontraste"-Sendung wird geurteilt: "Für einen eigenständigen Blick auf die Rechercheergebnisse reichte die Kraft von 'Kontraste' offenbar nicht aus."

Die Studie empfiehlt daher, diese Magazine nicht mehr im Ersten auszustrahlen. Insgesamt seien "sechs unterschiedliche Formate zu viel, um mit den politischen Magazinen tatsächlich neue Strahlkraft zu entwickeln." Ideal wäre eine "Reduktion auf zwei Formate".

Auch das bei RTL ausgestrahlte Format SPIEGEL TV Magazin wird in der Studie kritisiert. Es biete immer wieder einzelne gute Beiträge, entwickle sich aber zu einem "bunten Magazin".

Die Otto-Brenner-Stiftung ist eine gemeinnützige Wissenschaftsstiftung der Gewerkschaft IG Metall. Sie wurde 1972 gegründet, im Todesjahr des ersten IG-Metall-Vorsitzenden Otto Brenner. Die Stiftung versteht sich als ein "kritisches gesellschaftspolitisches Forum" , das sich mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und Europas auseinandersetze. Einer ihrer Schwerpunkte liegt im Bereich Medienpolitik.

So veröffentlichte die Stiftung bereits 2013 eine Studie zu den TV-Formaten des SWR und des NDR, in der im Vorwort eine zunehmende "Boulevardisierung" der Rundfunkanstalten festgestellt wurde ; der SWR kritisierte daraufhin die Methodik - mit dem Verweis, dass jene vermeintliche Boulevardisierung sich aus der Studie selbst nicht herauslesen lasse .

bra/skr
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