"Bundesvision Song Contest" Blödsinn im Brautkleid

Ein drastischer Goebbels-Vergleich, ein Mann im Brautkleid und eine süße Lübeckerin: Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest gewann der Niedersachse Bosse, die Höhe- und Tiefpunkte setzten andere. Der Wettbewerb im Schnellcheck.

DPA

Von


"So oder So": Mit seinem Siegertitel gab der Niedersachse Bosse dem neunten Bundesvision Song Contest von Stefan Raabs das passende Motto. Es gab einige Höhepunkte, einige Tiefpunkte, aber auch manches, das ebenso banal war, wie der Siegertitel.

Hier der Wettbewerb im Schnellcheck:

Bester Auftritt: MC Fitti aus Berlin ("Fitti mitm Bart, Fitti ist am Start") mit radikal-augenschmerzenden Laserprojektionen auf den Anzügen der Band, viel Bart und dem lässigsten HipHop-Groove.

Schlechtester Auftritt: Charly Bravo aus Bayern mit ihrem schrecklich aufgesetzt wirkenden, pseudo-lasziven Billo-Elektropop "Dreckige Namen". Skandal im Sperrbezirk, am Laptop ausgedacht.

Berührendster Auftritt: Luna Simao aus Schleswig-Holstein mit ihrer entzückenden Northern-Soul-Nummer über ihre Heimatstadt Lübeck, "Es geht bis zu den Wolken". Sweet and blue-eyed.

Verstörendster Auftritt: Guaia Guaia aus Mecklenburg-Vorpommern, die erst zu doll auf die Provo-Tube drücken ("Goebbels hätte sich gefreut über diese Sendung, einer Million Menschen ins Gehirn geschissen. Und jetzt scheißen wir Euch ins Gehirn"), dann miserabel performen und am Ende als genau die Loser die Bühne verlassen, als die sie sich im Song "Terrorist" zu erkennen geben. Schade, hatte Potential.

Nervigster Auftritt: Xavier Naidoo, der als Vorjahresgewinner zu Beginn und als Pate des Austragungsorts Mannheim nochmal am Ende seine neue Single vorstellen durfte. Schnarch.

Bester Raab-Spruch: "Mach weiter, Du Sau" (zu Co-Moderatorin Sandra Rieß), natürlich im Spaß, als Follow-up zum Bayern-Titel.

Blödester Raab-Spruch: "Das erinnert mich an Elton, der hat auch immer so viel Hunger" (nach Max Herres Auftritt mit der wie immer hinreißenden Sophie Hunger).

Beste Leerstelle: Co-Moderatorin Sandra Rieß. Was genau soll die da?

Einzig signifikanter Moment der Co-Moderatorin Sandra Rieß: "Aber Würste! Ich mag Würste!" (Auf die Frage, was ihr zu Thüringen einfällt)

Bester Tweet: "Letztlich läuft es doch darauf hinaus, welches Bundesland sich am wenigsten schämen muss. #BuViSoCo" (von @mchesse)

Zweitbester Tweet: "Und dann gehen wir kurz an die Tanke um Xavier zu entgehen und dann trällert der noch, wenn man wieder kommt. #buvisoco" (von @retronic_sxe)

Beste Bundesland-Preisung: "Der Beste Ort im Saarland ist das Kaufland, da kann man alles kaufen, was es gibt." (von DVCDNS)

Bestes Outfit: Nein, nicht das aus züchtigem Blüschen und komischem Röckchen kombinierte Lena-Gedenk-Ensemble von Sandra Rieß, sondern natürlich das Brautkleid vom dünneren der beiden Keule-Sänger aus Brandenburg. Und MC Fittis "Hype"-Mütze. Wenigstens ehrlich.

Liebstes Ritual: "Kommen wir nun zum sicherlich schönsten Bundesland…"

Tollstes Auto: Der Peugeot 208 "Allure" mit allem Pipapo zum "Gesamtpreis von über 20.000 Euro"? Quatsch! Der Lowrider in der Bühnendeko von DCVDNS natürlich.

Bester Moment im Green Room: Als Humorkugel Elton an der extrem trockenen Gangsta-Coolness von DCVDNS abprallt, der selber wie eine Schulhof-Ausgabe von Elton aussieht. Groß.

Schönste Songzeile: "Kann, mutt, löppt" (von De Fofftig Penns)

Traurigste Radioschalte: Als sich höchstens 20 Gäste im ohnehin trostlosen MAU-Club von Rostock hinter die Moderatorin kuscheln, um Stimmung und Masse zu simulieren. Meckpom hatte einfach die Arschkarte an diesem Abend. Herzliches Beileid!

Größte Raab-Erkenntnis: "Sieht ein bisschen aus wie die Silvester-Shows aus den siebziger Jahren" (über die Kostümierungswut und Herumalberei seiner Kandidaten. Stimmt, Stefan: Genau so ein Blödel-Panoptikum wie damals beim Eurovisions-Grand-Prix, bevor Du Dich erbarmt hast und den Bundesvision Song Contest ins Leben riefst. Naaaa, vielleicht mal das Konzept überdenken?

Spannendster Moment: Der Trailer zum "Megablockbuster" (ProSieben-Werbung) "Planet der Affen: Prevolution", auch noch nach dem siebten Werbeblock.

Peinlichste Verkaufe: "Wenn ich gewinne, dann schaffe ich einen achten Wochentag zwischen Samstag und Sonntag" (Johannes Oerding). Kein Wunder, dass Bosse gewonnen hat.

insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
roflem 27.09.2013
1. wieso
diese Peinlichkeit noch dokumentieren? Wieso diesem Schlachterlehrling noch eine Plattform geben? Ist so wenig los?
tetaro 27.09.2013
2.
Zitat von sysopDPAEin drastischer Goebbels-Vergleich, ein Mann im Brautkleid und eine süße Lübeckerin: Bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest gewann der Niedersachse Bosse, die Höhe- und Tiefpunkte setzten andere. Der Wettbewerb im Schnellcheck. http://www.spiegel.de/kultur/tv/bundesvision-song-contest-2013-im-schnellcheck-a-924822.html
Was mir mal positiv auffiel, ist, dass die Pseudosoul-Geschichte (auch Jammerpop genannt) offensichtlich am auslaufen ist. Andererseits ist deutscher Rap nun eine Masche, wo sich anscheinend jeder Zweite dranhängt, selbst wenn ihm kein Inhalt dazu einfällt. Das erträgt man ja eigentlich nur, wenn man den Text nicht versteht, deswegen darf man dem Genuschel einiger Sänger durchaus dankbar sein.
sham69 27.09.2013
3. Das ist nicht Johannes Oerding...
... auf dem Bild, sondern der aus Türingen.
wähldienull 27.09.2013
4. Idee gut, Umsetzung schlecht
Stefan Raab hat was Entertainment anbelangt schonmal den ein oder anderen guten Einfall obwohl, wie sich dann öfter herausstellt, es nicht unbedingt er selbst sein muss der für die Umsetzung auch der am besten geeignetste wäre. Grundsätzlich find ich die Idee des Bundesvision Song Contest gut, indem man vorwiegend unbekannte (wobei das auch ein Pulverfass sein kann) Künstler im Wettstreit gegeneinander antreten lässt. Ein ordentliches Sprungbrett, wo man sogar noch mit dem Funken Qualität (der im heutigen Musikbusiness eigentlich nichts mehr wert ist) etwas beweisen kann. Stefan Raab ist auch jemand der ernsthaft dahinter steht auch wenn mans ihm dann irgendwo wenns ans Eingemachte geht nicht mehr so richtig abkaufen kann. Anschauen tue ich mir das ganze auch schon nicht mehr. Dafür wird mir die Sache zu sehr veralbert. Für viele Künstler tut mir das leid, auch hinsichtlich dessen, dass letztlich ohnehin der Bekannteste unter den "Unbekannten" gewinnt.
maco 27.09.2013
5. Brown - not blue
"Berührendster Auftritt: Luna Simao aus Schleswig-Holstein mit ihrer entzückenden Northern-Soul-Nummer über ihre Heimatstadt Lübeck, "Es geht bis zu den Wolken". Sweet and blue-eyed. " Die Augen sind eher braun - oder ist das übertragen gemeint?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.