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25. Februar 2015, 08:55 Uhr

ARD-Komödie vom "Stromberg"-Team

Das Schwein im Spießer

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Sind wir nicht alle kleine Schmarotzer? Mit der Komödie "Vorsicht vor Leuten" zeigt das "Stromberg"-Team, wie viel verbrecherische Kraft im Loser stecken kann. Paradeauftritt für Charly Hübner.

Raushalten ist nicht. Die Welt ist eingeteilt in Leute, die ausnehmen, und in Leute, die ausgenommen werden. Stehst du nicht auf der einen Seite, stehst du automatisch auf der anderen. So die Lektion, die Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner) auf die harte Tour lernen muss.

Der Sachbearbeiter im Baureferat der Stadt Osthofen ist die Personifizierung von Skrupel und Selbstzweifel. Und scheint deshalb auf den ersten Blick vollkommen ungeeignet, das Projekt "Megapark Osthofen" zu betreuen, ein zumindest auf dem Papier alle Dimensionen der Konsumfreude sprengendes Einkaufszentrum, für das ein dubioser Impresario gerade mit Trüffel-Speisungen und Titti-Paraden Investoren und Honoratioren der Stadt zusammentreibt.

Der Megapark-Erfinder Alexander Schönleben (Michael Maertens) erkennt schnell, welche Rolle der Beamte mit dem Graubrotblick beim großen Zocken spielen kann: "Du bist der Loser, der die anderen zu Gewinnern macht." Ja, mit so einem lässt sich arbeiten. Schönleben schlägt Brahmkamp einen Deal vor: Der Schaumschläger verpasst der trüben Spießerehe des anderen eine kleine Glamour-Spritze, der nickt dafür die noch nicht richtig ausgearbeiteten Details des Megaprojekts ab. Win-win auf die windige Tour.

"Wer Schnitzel will, muss schlachten"

Damit wird eine unaufhaltsame Dynamik in Gang gesetzt: Bauamt-Pinsel Brahmkamp gerät auf einmal in die Geberposition - und damit auf Augenhöhe mit der Mega-Schmalztolle Schönleben. Bald werden seine Hemden teurer, seine Gesten größer, seine Ansichten laxer. Nachdem der Megapark erst mal auf Eis gelegt wurde, machen sich Brahmkamp und Schönleben als Immobilienmakler auf Mallorca selbstständig, wo sie baufällige Fincas und Neubauruinen an deutsche Steuerflüchtlinge verdealen.

"Vorsicht vor Leuten" ist eine sonnencremegeölte Groteske über den Verbrecher im Pedanten. Die Buchvorlage und das Skript stammen von "Stromberg"-Schöpfer Ralf Husmann, der schon in seiner Büro-Studie über das ewige Zusammenspiel von Wegbücken und Aufpumpen erzählt hat. Regie führte Arne Feldhusen, der neben den "Stromberg"-Geschichten auch den "Tatortreiniger" in Szene gesetzt hat. Mit Einzeilern zum Mitschreiben kitzeln Husmann und Feldhusen (Co-Autor: Peter Güde) in der WDR-Produktion den Schmarotzer im Spießer hervor.

Dass die an einigen Stellen dann doch leicht formelhaft wirkende Auf-und-Absteiger-Parabel nicht ins Stocken gerät, ist vor allem den beiden Hauptdarstellern zu verdanken. Charly Hübner spielt die Verwandlung vom Schreibtischtropf zum Spielemacher perfekt, und Michael Maertens - zu üppiger Schnauzer, zu brauner Teint, zu große Sonnenbrille - gibt den Natural-born-Schmierlappen als Mischung aus Götz Georges "Schtonk"-Betrüger und Christoph Maria Herbsts Stromberg. Die Brust ist immer etwas zu sehr rausgestreckt, unter der Gewinnergrimasse aber blinkt die Nervosität hervor.

Dazu gibt es Sprüche wie diese: "Ehrlich gesagt, ist 'ehrlich gesagt' ein ganz beschissener Begriff für uns beide." Oder: "Mit einem Herz aus Buttercreme kommst du nicht weiter." Und natürlich auch diesen Klassiker aller Ego-Krieger: "Wer Schnitzel will, muss Schwein schlachten."

Wir geloben, diese Weisheiten mit an unseren kleinen Schreibtisch zu nehmen und effizient mit ihnen zu arbeiten. Wir sind doch irgendwie alle kleine Schmarotzer.


"Vorsicht vor Leuten", Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD

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