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Ulmen als Wöllner: Sexismus als Show-Konzept

Foto: Ulmen.TV / TELE 5

Christian Ulmens neue Skandal-Show Echt geile Alte, Mann!

Gierige Blicke im Imbiss? Punkt! Anmache im Sex-Shop? Punkt! 200 Euro auf dem Straßenstrich? Sieg! Christian Ulmens neue Gameshow "Who Wants to Fuck My Girlfriend?" sieht aus wie schlimmste Frauenverachtung - und ist eigentlich eine getarnte Dokumentation über das Schwein im Manne.

Seine Mutter sorgt sich schon, und manchmal macht er sich auch selbst Gedanken: Was, wenn ihn alle missverstehen? Was, wenn er, Christian Ulmen, demnächst als der schlimmste Frauenverachter des Landes gilt? Wenn die einträglichen Angebote wegbleiben für seine Rollen in deutschen Mainstream-Komödien, wenn die ARD anruft und sagt: Herr Ulmen, tut uns sehr leid, aber wir haben uns das noch mal überlegt mit dem "Tatort", das geht nicht mehr mit Ihnen?

Wenn einer mutwillig seine Karriere und seinen Ruf zerstören will, sollte er es so machen wie Christian Ulmen. Während alle Medien voll sind mit der Debatte um alltäglichen Sexismus, bringt er eine Spielshow heraus mit folgendem Konzept: Zwei Männer treten gegeneinander an. Jeder wettet: Meine Freundin ist attraktiver als deine, alle Männer dieser Welt wollen sie. Titel der Sendung: "Who Wants to Fuck My Girlfriend?", behutsam übersetzt: "Wer will mit meiner Freundin schlafen?"

Gierige Blicke im Imbiss

Aber Behutsamkeit hat in dieser Sendung nichts verloren. Anfangs fühlt man sich noch in die gute alte Fernsehzeit zurückversetzt, wenn der Moderator zu den Klängen der Titelmelodie von "Na sowas!" schwungvoll auf die Show-Bühne federt. Doch kurz darauf werden die Zuschauer Zeugen einer im deutschen Fernsehen bisher ungesehenen Herabwürdigung von Kandidatinnen. Die Frauen werden in einen Imbiss gestellt und sollen gierige Blicke von Männern auf sich ziehen, für jeden Blick gibt es einen Punkt. Die Frauen sollen einen Sex-Shop aufsuchen und dort anwesende Männer zu spontanem Sex überreden, auch dafür gibt es Punkte. Die Frauen werden an eine Straße gestellt - wer das meiste Geld für Geschlechtsverkehr angeboten bekommt, gewinnt.

Nein, noch schlimmer. Nicht die Frauen gewinnen - nur ihre Männer. Hat eine der Freundinnen ihre Aufgabe erfolgreich gemeistert, lobt der Moderator nicht sie, sondern ihren Partner, klatscht ihn ab und ruft: "Ne goile Alte hast du!" Am Ende bekommt der Gesamtsieger einen Kranz umgelegt. Und seine Freundin steht daneben.

Kaum war das Konzept von "Who Wants to Fuck My Girlfriend?" bekanntgeworden, regte sich Protest via Twitter und Facebook: Frauenverachtend sei die Sendung, nicht witzig, sondern sexistische Volksverdummung, das Ganze letztlich eine Aufforderung zur Vergewaltigung, Ulmen und der ausstrahlende Sender Tele 5 sollten sich schämen. Auf der Aktivisten-Webseite www.change.org  kann man eine Petition an den Bayerischen Medienrat unterschreiben, die die sofortige Absetzung der Sendung fordert.

Allerdings kann man sich nicht ganz sicher sein, ob dieser kleine Proteststurm nicht ebenso von Christian Ulmen inszeniert worden ist wie die gesamte Sendung: Als getarntes Sozialexperiment.

Hochmoralische Kritik am Medienbetrieb

Nicht Christian Ulmen als Christian Ulmen moderiert "Who Wants to Fuck My Girlfriend?", sondern seine Kunstfigur Uwe Wöllner. Ulmen hat Wöllner 2005 für seine Show "Mein neuer Freund" geschaffen, einen arbeitslosen, ungepflegten Internet- und Fernsehsüchtigen mit sehr beschränktem geistigen Horizont. Wöllner ist ein Produkt des TV-Trashs: Alles, was er sagt, tut oder denkt, hat seine Grundlage im Konsum ungezählter Stunden Privatfernsehen. Später wird er selbst dessen Protagonist: Entdeckt und begleitet von einem schmierigen Privat-TV-Redakteur tritt Wöllner in Reality-Formaten auf. "Who Wants to Fuck My Girlfriend?" ist die nächste Fortsetzung der Wöllner-Saga: Dieser, so die Erzählung, hat sich die neue Skandal-Show ausgedacht und moderiert sie selbst.

Und ähnlich wie die Figur Wöllners eigentlich Ulmens hochmoralische Kritik an den tatsächlichen Zuständen des Medienbetriebs verkörpert, ist auch "Who Wants to Fuck My Girlfriend?" eine zutiefst anti-sexistische Veranstaltung. Denn wenn hier jemand vorgeführt wird, dann sind es allein die Männer. Männer, die Frauen begaffen. Männer, die Frauen angraben. Männer, die am Straßenrand halten und ansatzlos beginnen, um den Preis des Körpers einer Frau zu feilschen.

Die in der Sendung dargestellten Frauen hingegen behalten in jeder Situation ihre Würde. Die Kandidatenpaare sind selbstverständlich in den wahren Charakter des Spiels eingeweiht. Die auf den ersten Blick als willig und passiv vermarkteten Frauen sind tatsächlich die Handelnden - und machen sich einen großen Spaß daraus, die Männer vorzuführen.

So sind wir also

Und tatsächlich ist es recht schmerzhaft, sich als Mann "Who Wants to Fuck My Girlfriend?" anzusehen - die Sendung, eigentlich eine als Spiel-Show verkleidete, quasi dokumentarische Sozialstudie männlichen Alltagsverhaltens, macht nicht gerade stolz auf das eigene Geschlecht. So sind wir wirklich? Ja, so sind wir offensichtlich.

Eigentlich ist die sozialkritische Absicht von "Who Wants to Fuck My Girlfriend?" so offensichtlich, dass es nicht nötig wäre, sie zu rechtfertigen. Aber Christian Ulmens Respekt auch vor den Frauen, die ihn missverstehen könnten, ist offenbar so groß, dass er, um sie zu besänftigen, die erste Ausgabe seiner Show allein dem weiblichen Geschlecht gewidmet hat - unter dem Titel "Who Wants to Fuck My Lesbian Girlfriend?"

Nein, seine Mutter muss sich wirklich keine Sorgen machen.


"Who wants to fuck my Girlfriend?" jetzt auf ulmen.tv  und ab 14. Februar immer Donnerstags um 23.10 Uhr auf TELE 5.

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