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Die fantastischen Comedy-Vier: Das Ende des Alphamännchens

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Comeback der Star-Comedians Die Lacher ihres Lebens

"Pastewka", "Stromberg", "Ladykracher", "Dittsche": Deutschlands prominenteste TV-Komödianten rüsten zum großen Spaß-Spektakel und treten fast zeitgleich in ihren Stammformaten an - ein Segen fürs Publikum, ein Fluch für die Schauspieler.

"Bin ich hier in der Comedy-Falle?" Gleich am Anfang der vierten "Pastewka"-Staffel wird der Titelheld auf der Straße von einem 13-jährigen Mädchen verprügelt und ausgeraubt. Später fallen dem Derangierten dann über seine wilde Nichte ein paar hundert Gramm Marihuana in die Hände. Während er die Droge am liebsten eigenhändig vernichten würde, halten Freunde und Kollegen die Nase in die Tüte und hauchen genüsslich den Samennamen: "Oh, White Widow!"

Also beginnt Pastewka, der pummelige Spießer, der eigentlich nur auf der Couch seine alten Lieblingsfernsehserien anschauen will und sich in seiner urkomischen Comedy-Bespiegelung selbst darstellt, das Zeug in der deutschen Szene zu verdealen. Oliver Pocher und Simon Gosejohann, Oliver Welke und Kalle Pohl, ihnen allen reicht er verschwörerisch die Ware weiter. Aber mal ganz ehrlich: Ein paar Tütchen Gras wird das deutsche Witzgewerbe und all seine unkomischen "Comedy-Fallen" auch nicht retten.

Bezeichnend, dass drei von Pastewkas engsten Kollegen nicht bei ihm zum Drogenkauf Schlange stehen: Anke Engelke, Olli Dittrich und Christoph Maria Herbst haben zurzeit Besseres zu tun. Schon vor zwei Wochen begann die zwölfte Staffel von Dittrichs Live-Improvisation "Dittsche", eine Art philosophischer Salon im Imbiss-Ambiente. Auch schon in die fünfte Staffel geht Engelke nun mit "Ladykracher", jenem formvollendeten Rollenspiel, in dem sie weibliche Identitätskonstruktionen mir nichts dir nichts ad absurdum führt. Und ab kommenden Dienstag schließlich lässt Herbst in der vierten Staffel von "Stromberg" seinen Antihelden aufs Versicherungsgewerbe los und stimmt einen weiteren Abgesang aufs deutsche Alphamännchen an.

Zurück bleibt Comedy-Wüste

Strafversetzt aufs Land, muss Stromberg nämlich nun Bauern unnütze Versicherungspakete andrehen. Die Provinzmeute säuft sich zwar in bester Hinterwäldler-Manier die Hucke mit ungenießbarem Selbstgebranntem voll. Versicherungstechnisch deckt sie sich dann aber doch ganz zeitgemäß übers Internet ein. Der Old-School-Chauvi, wie tragisch, muss im globalen Dorf ums Überleben kämpfen.

Mit jeder Saison werden Herbst und seine drei Kollegen in ihren jeweiligen Serien besser, der Witz gewinnt an Bösartigkeit und Treffsicherheit. Das ist die erfreuliche Folge eines eigentlich erschütternden Zustands: Denn was bleibt ihnen anderes übrig, als ihre Kunst in ihren kleinen Serienreservaten zu kultivieren, während draußen im Rest der deutschen Fernsehwelt der Heuschrecken-Humor herrscht? Wo Barth, Pocher und Welke flächendeckend wüten, bleibt Comedy-Wüste zurück.

Klar, immer mal wieder strecken die komischen Vier erfolgreich ihre Fühler in andere Bereiche aus - gerne auch mal gemeinsam. Erst jüngst sorgten Pastewka und Engelke als Volksmusikduo "Wolfgang und Anneliese" bei Sat.1 für Furore. Zuvor hatte Engelke schon mit Dittrich mit "Blind Date" für das ZDF eine Improvisations-Comedy entwickelt, die das beliebte Spontan-Späßchen "Schillerstraße" (an diesem Freitag um 20.15 Uhr ebenfalls mit neuer Staffel bei Sat.1 am Start) als gediegenen Gesellschaftsspiele-Abend erscheinen lässt.

Doch der Schulterschluss mit den Mainstream-Kollegen bekommt den method actors des deutschen Humorbetriebs meist weniger. In der plumpen Kinoparodie "Der Wixxer", in der alle vier mitgewirkt haben, wirkten sie einfach nur deplatziert. Neben den holprig von den Autoren und Hauptdarstellern Oliver Welke und Oliver Kalkofe aufgesagten Pupspointen erschien etwa Herbsts sublime Hitler-Variation wie ein Fremdkörper.

"Hummerschwanz an einem Bockwurststand"

In dem zähen Sat.1-Zweiteiler "Zwei Weihnachtsmänner" wurde Herbst dann gleich im Hauptrollendoppel mit Pastewka versendet. Und auch der eigentlich interessante Versuch Engelkes, in ihrer Sendung "Ladyland" so etwas wie eine psychologische Comedy in Deutschland zu etablieren, scheiterte. Dafür hat sie für "Ladykracher" ein umso widerstandsfähigeres Konzept - das sich auch in dem festen Ensemble mit Kai Lentrodt und Bettina Lamprecht niederschlägt. Engelke und ihre Kollegen sind also dazu verdammt, immer wieder in die Stamm-Formate zurückzukehren.

Das ist allerdings ein Fluch, mit dem es sich sehr gut leben lässt - wie man ab kommender Woche auch in der zeitgleich auf DVD erscheinenden neuen Staffel von "Stromberg" sehen kann: Scheitern wird hier zur Chance. In der ersten Folge verbreitet das Ekel noch siegesgewiss seine Erfolgsweisheiten: "Karriere ist wie Tour de France: Entweder du fährst mit Schweineblut oder mit Windschatten - immer so knapp hinterm Arsch vom Vordermann."

Aber schon in der zweiten sieht er sich abgeschoben nach Finsdorf, einem Provinznest, wo er nach Selbsteinschätzung so gut hinpasst wie "ein Hummerschwanz an einen Bockwurststand". Stromberg 4.0: So klingt die Poesie des Untergangs; so funktioniert die Kunst der humoristischen Verfeinerung inmitten des groben deutschen Comedy-Unfugs.


"Ladykracher", 30. Oktober, 21.15 Uhr, Sat.1
"Pastewka", 30. Oktober, 21.45 Uhr, Sat.1
"Dittsche", 1. November, 23.15 Uhr, WDR
"Stromberg", 3. November, 22.15 Uhr, ProSieben