ProSieben-Comedy "Community" Haha cum laude

Bildungsnotstand auf die witzige Tour: In der College-Comedy "Community" wird der amerikanische Akademiker-Betrieb aufs Korn genommen. Ein hoch intelligenter Spaß über Mailorder-Abschlüsse, Töpferkurse und Drogenabstürze.

Das amerikanische Studentenleben sieht in Kino und TV meist so aus: Junge, durchgängig attraktive Menschen voller Tatendrang bevölkern malerisch gelegene Eliteuniversitäten und finden trotz anspruchsvoller Bildung noch genügend Zeit für wilde Partys und die große Liebe. Und am Ende eines ereignisreichen Studiums blicken alle zuversichtlich in die Zukunft, schließlich haben sie nicht nur einen wertvollen Abschluss in der Tasche, sondern zudem wichtige Lektionen fürs Leben gelernt.

Nun, all das kennen die Studenten des Greendale Community College in Colorado auch nur aus dem Fernsehen. Hier kommt die Immatrikulation eher einer Bankrotterklärung gleich, denn als öffentliche Schule mit lachhaftem Budget und mickrigen Standards ist Greendale zuvorderst ein Sammelbecken für Leute, die kein Geld, keinen Plan oder schlicht keine Ahnung haben.

So zumindest zeichnet Autor und Produzent Dan Harmon den fiktiven Schauplatz seiner Serie "Community", die ab diesem Samstag auf ProSieben läuft. Harmons Greendale ist ein Campus für Verlierer jeder Coleur, auf dem sich tatsächliche Defizite des Bildungswesens ins Aberwitzige potenzieren.

Uni-Abschluss per Mailorder

Auf dieser tragisch um Anerkennung bemühten Hochschulhalde landet der erfolgsverwöhnte wie eitle Ex-Anwalt Jeff Winger (Joel McHale). Jeff hatte seine frühere akademische Ausbildung mit unlauteren Tricks abgekürzt, und um wieder als Jurist arbeiten zu dürfen, muss er nun seinen Bachelor nachholen. Das selbstverschuldete Dilemma des charmant-windigen Advokaten, der seinen alten BA-Abschluss eben nicht an der renommierten Columbia University, sondern augenscheinlich per Mailorder aus Kolumbien erwarb, wird in einem denkwürdigen, nicht übersetzbaren Wortwechsel zusammengefasst: "I thought you had a degree from Columbia?" - "Well, now it appears I need one from America."

Als Berufszyniker will Jeff so wenig Zeit und Energie wie möglich in sein Zwangsstudium investieren. Doch gleich am ersten Tag des Semesters führt sein dreister Versuch, als vermeintlicher Spanisch-Tutor die skeptische Kommilitonin Britta (Gillian Jacobs) zu umgarnen, zur ad-hoc-Gründung einer studentischen Lerngruppe.

Somit sitzt Jeff in der Bibliothek plötzlich ausgesucht eigenen Charakteren gegenüber: Neben Britta wären da die alleinerziehende Mutter und tiefreligiöse Haufrau Shirley Bennett (Yvette Nicole Brown), das ehemalige High School-Sportidol Troy Barnes (Donald Glover), die ehrgeizige und einst pillenabhängige Musterschülerin Annie Edison (Alison Brie), der ergraute und mehrfach geschiedene Erfrischungstücherfabrikant Pierce Hawthorne (großartiges Comeback: Chevy Chase) und Abed (Danny Pudi), ein extrem filmbewanderter Einzelgänger polnisch-palästinensischer Herkunft.

So sehr Jeff sich anfangs auch sträuben mag, diese kuriosen Mitstudenten wird er nicht mehr los. Fortan widmet sich "Community" den absurden Campusabenteuern dieser illustren Gruppe, die sich unter anderem mit ihrem psychopathischen, nicht im mindesten sprachbegabten Spanischlehrer Senor Chang (Ken Jeong), sowie den hanebüchenen Initiativen des überambitionierten Dekans (Jim Rash) auseinandersetzen muss.

Sex, Tod und Töpferkunst

Nicht zuletzt dank der fantastischen Besetzung gelingt Harmons Serie ein spektakulärer, so noch nicht gesehener Spagat zwischen surrealer und blitzgescheiter Situationskomik und einer ungeahnt rührenden Ersatzfamiliengeschichte. Zwar offenbart "Community" die Macken und Fehlleistungen der Figuren mit gnadenloser Konsequenz, doch den titelgebenden Gemeinschaftsgedanken nimmt die Serie tatsächlich ernst.

Hinter den Seminaren nachempfundenen Episodentiteln - "Football, Feminism and You", "The Politics of Human Sexuality" oder, auch sehr schön, "Contemporary American Poultry" - verbergen sich bisweilen wahrhaft grandiose Inszenierungen. Lichtsetzung und Kamera orientieren sich am Spielfilm, und auch dramaturgisch wagt sich Harmons Serie weit über die Grenzen gängiger TV-Plots hinaus. Das offene Spielwiesenformat erlaubt es, mit federleichter Hand nahezu alles zu verhandeln, von Gender Politics über Glaubensbekenntnisse bis hin zu so bewegenden Themen wie Sex, Tod und Töpferkunst.

Die zahllosen Kino- und Popkulturreferenzen sind viel mehr als nur parodistische Elemente oder clevere Zitate, denn oft sind so geschickt in die Erzählstruktur eingebettet, dass die Verweise erst beim zweiten oder dritten Sehen als solche auffallen. Womit auch schon der kapitale Suchtfaktor ausgemacht wäre, denn der schiere Ideenreichtum und unverbrauchte Charme von "Community" fesseln an den Bildschirm.

Ob die Synchronfassung all das wirklich transportieren kann, ist fraglich. Falls der Sender nicht einknickt und die Serie frühzeitig absetzt, stehen dem deutschen Publikum unabhängig vom Dialogwitz aber zumindest allerhand visuelle Höhepunkte bevor, darunter etwa ein Paintball-Turnier, das unvermittelt zu einem fulminanten Best-Of des Action-Genres eskaliert.

Im "Home of the Human Beings", so nennt sich Greendale in Folge der ergebnislosen Suche nach einem politisch korrekten Schulmaskottchen schließlich, lässt sich also in der Tat etwas lernen: Zumindest im Fernsehen kann man an der Uni die beste Zeit des Lebens haben.


"Community", samstags, 13.35 Uhr, ProSieben