Fotostrecke

Mottenloch im Shirt, karamellfarbene Couch: Stars, ganz wie daheim

Foto: iHeartRadio/ Fox

Corona-Solidaritätsshow Und jetzt schalten wir in Elton Johns Küche

Jede Menge Einblicke in die Isolationsquartiere der Superstars: Mit dem "iHeart Living Room Concert for America" sammelte der US-Sender Fox Spenden für Ersthelfer in der Coronakrise – mit einer Show voller Livestreams.

Die neu gelernte, in ihrer Nutzlosigkeit fast schon rührende Kulturtechnik funktionierte bereits überraschend gut. Geschult hatte man sie in den vergangenen Tagen, bei all den Videocalls und Telekonferenzen, die nicht wie sonst ein Professionalität suggerierendes Büro-Setting, sondern überraschend oft auch unaufgeräumtes Echtleben zum Hintergrund hatten: Die Kunst, den eigentlichen Inhalt zu erfassen, dabei aber gleichzeitig falkenmäßig die Kulisse nach interessanten Wohndetails zu scannen.

Bei Elton Johns "iHeart Living Room Concert for America", bei dem am Sonntagabend auf dem US-Sender Fox Spenden für Ersthelfer und unterstützungsbedürftige Menschen gesammelt wurden, rührten einen natürlich die stimmlich abgeschminkten, dennoch perfekten Auftritte von Künstlerinnen und Künstlern wie Alicia Keys, Mariah Carey und Sam Smith, die sie aus ihren privaten Isolationsquartieren schickten.

Tatsächlich privat fühlte sich diese von Elton John moderierte Grußsammlung allerdings dank der kleinen Ergaffbarkeiten drumherum an: Alicia Keys hat ein lila Klavier und ein Mottenloch im Oberteil. Backstreet Boy AJ McLean ist offenbar so stolz auf seine Schuhsammlung, dass er seinen Beitrag umgeben von ein paar Dutzend sorgfältig arrangierten Sneakerpaaren sang, die Jogginghose seines Kollegen Brian Littrell ist von Louis Vuitton. Billie Eilish besitzt eine karamellfarbene Couch. Und Countrysänger Tim McGraw hat einen gelben und einen orangefarbenen Hund, die man aus der Ferne, wenn man gerade zu viel "Tiger King" schaut (die Netflix-Dokuserie der Stunde), auch für als Haustiere gehaltene Raubkatzen halten könnte.

Eigentlich hätten am Sonntagssendeplatz die jährlich vergebenen "iHeartRadio Music Awards" übertragen werden sollen, coronabedingt war die Preisverleihung abgesagt worden. Mit leicht onkelhafter Güte beschwor stattdessen Elton John zwischen den eingespielten Auftritten den jetzt nötigen menschlichen Zusammenhalt, bei aller Angst und Trauer sei gerade doch auch viel Gutes spürbar in der Welt, die Auftritte sollten den Menschen Kraft und Mut für die nächste Zeit geben - er selbst könnte allerdings leider nicht singen, weil er seine Quarantäne ausgerechnet in seinem einzigen Haus ohne Klavier verbringe.

Natürlich kramte er am Ende doch das Übungskeyboard seines Sohnes heraus, um wenigstens den Refrain von "Don't let the sun go down on me" anzustimmen.

Davor collagierten sich die fünf Backstreet Boys aus fünf verschiedenen Häusern zu einer gemeinsamen "I want it that way"-Performance, Mariah Carey widmete ihren Auftritt im Heimstudio ihren bis jetzt noch erträglich quengeligen Kindern, bei den barfüßigen Shawn Mendes und Camila Cabello quietschten im Hintergrund unbestimmte Haustiere. Alicia Keys widmete ihr "Rise Up" allen Ersthelfern und den Menschen in medizinischen Berufen, für die sie ein paar neue Textzeilen in das Lied einfügte.

DER SPIEGEL

"Imagine" von John Lennon im blauen Klinik-Outfit

Lady Gaga sang nicht, trat aber in einem Grußwort auf, in dem sie betonte, wie wichtig es sei, freundlich mit sich selbst umzugehen und sich um die eigene Psyche zu kümmern: Sie empfahl Videochats mit Freunden und Meditation. Zwischen den Weltstars gab es auch den Auftritt eines singenden Mediziners: Elvis Francois, ein Arzt aus Minnesota, sang in blauem Klinik-Outfit "Imagine" von John Lennon.

Die Botschaft hinter allen Auftritten: Es ist schwer für uns alle, aber wir stehen das gemeinsam durch. Das Sammelkonzert machte allerdings keinen Hehl daraus, dass der Weg dorthin für einige härter werden wird als für andere: Zwischen den Stars kamen auch Krankenschwestern, Polizisten, erschöpfte Ärzte zu Wort, müde Menschen am Ende ihrer Kräfte.

So sah man also Tim McGraw, breitbeinig und aufgeräumter Stimmung auf dem wippenden Sprungbrett seines riesigen Pools sitzend und singend – und danach eine weinende Krankenschwester, die von ihrer 13-Stunden-Schicht und den Covid-19-Schlimmstfällen erzählte, die sie gerade betreut: "This is my normal now, and I’m already broken", sagte sie unter Tränen: "This is so bad." Und bei allem musikalischen Trost dieser Stundenrevue ist dies am Ende das Gefühl, das bleibt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.