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"Stromberg", die fünfte: Werben und Sterben auf der Chefetage

Foto: Brainpool / Willi Weber

Crowdfunding für "Stromberg" Der Klobrillen-Bart kommt ins Kino

Wir sind Stromberg! Per Investition übers Internet dürfen sich die Fans des Serien-Tyranns an der Finanzierung eines Kinofilms beteiligen. Autor Ralf Husmann verspricht, dass man auf allen Blockbuster-Schnickschnack verzichte und den Antihelden in seiner ganzen Abgründigkeit zeigen werde.

Hamburg/Köln - Die Verantwortlichen haben nie einen Hehl aus ihren Ambitionen gemacht: "Stromberg" soll zum Kinofilm werden. Doch so energisch Erfinder und Autor Ralf Husmann und die Produktionsfirma Brainpool ihr Anliegen bei möglichen Geldgebern auch anbrachten - eine ordentliche Summe war für das Projekt nie zusammengekommen.

Nun geht das "Stromberg"-Team in die Offensive: Bis zum 15. März will es per Online-Crowdfunding eine Million Euro Startkapital einsammeln, der Rest des Budgets soll über den Verkauf von Fernsehrechten und andere Quellen zusammengekratzt werden. Auf der Seite MySpass wirbt das Team um Investoren und vermeldet wie bei einer TV-Spendengala, wer mit welchen Beträgen bei dem Projekt dabei ist. 

Dass die angepeilte Summe Fans der Serie verstören könnte, glaubt "Stromberg"-Schöpfer Husmann nicht. Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagt er: "In Tagen, wo zur Rettung des Euros Milliarden und Billionen auf den Kopf gehauen werden, erscheint die Million doch überschaubar." Auf Kinotouren, wo pro Abend vier Folgen gezeigt wurden, habe er mitbekommen, wie groß das Interesse an einem Kinofilm sei - aber das sei immer nur eine subjektive Wahrnehmung gewesen. "Jetzt werden wir ein bisschen objektiver herausbekommen, wie wichtig wir den Fans sind, wie sehr sie sich mit unserer Serie identifizieren. Ich sehe das Projekt wie eine kleine Marktforschung."

Wer einige Folgen der zurzeit auf ProSieben laufenden fünften Staffel gesehen hat, der dürfte keinen Zweifel haben, dass die dramatischen Ereignisse in der Capitol AG auch einen Spielfilm tragen. Um den Tyrann mit Klobrillen-Bart herum wird geschwängert und gestorben, es wird auf- und abgestiegen, die Figuren haben bei aller Komik eine tiefe Tragik. Ob es gelingt, diese Dynamik auf die große Leinwand zu bringen, das wird auch davon abhängen, ob Husmann und sein Team - anders als ihr Antiheld - der Verführung durch das große Geld widerstehen können.

"Keine Angst", beruhigt Husmann. "Wir orientieren uns an den 'Simpsons': Wir bleiben in dem Kosmos unserer Serie, werden sie aber zu einem geschlossenen Neunzigminüter umbauen. Allerdings ohne diesen ganzen Event-Schnickschnack, den man sonst oft auffährt, um Serien auf Blockbusterformat zu bringen. Es gibt keine Stunts, keine explodierenden Häuser und auch keine Südsee-Settings. Auch Star-Auftritte würde den kleinen intimen Rahmen unserer Capitol AG sprengen. Wer will denn schon Thomas Gottschalk oder Til Schweiger durch die Capitol gehen sehen?"

In welche Richtung sich Bernd Stromberg genau entwickelt, will er allerdings noch nicht verraten. "Ich habe bei James Bond gelernt: Sag' nie, was in dem nächsten Film passieren wird."

Spannend wird es allemal werden. Und wenn schon ein halbgares Porno-Filmchen wie "Hotel Desire" 170.000 Euro durch Crowdfunding reinbringt, dann dürfte das Milliönchen für das große Charakterdrama "Stromberg" doch ein Klacks sein.

cbu
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