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Katzenberger in der ARD: Karrieresprung ins Qualitätsfernsehen

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ARD-Krimi mit Daniela Katzenberger Eine intellektuell verkannte Weißblondine

Frauchen ist ein Rauhaardackel, die Deiwwelsmilsch ein pfälzischer Weinberg mit hervorragender Rieslingtraube. Und dass ausgerechnet Profi-Wimpernklimperin Daniela Katzenberger den ARD-Regionalkrimi "Frauchen und die Deiwwelsmilsch" vorbildlich zusammenhält, ist so überraschend wie beglückend.

Katze kann also Krimi! Wer hat schon geahnt, dass das Drogerie-Blondierungsmodel und die Pornonägel-Ikone, die auf Fotos im Internet eifrig selbstdesignte Highheels küsst, unter der B-Promi-Schminke und den erst hoch, dann runter gerutschten Augenbrauen tatsächlich richtig nett aussieht - und zudem auch noch die ihr auf den Leib geschriebene Rolle herrlich ausfüllt?

Der Pfälzer Autor Holger Badura verfasste das Drehbuch für den mundartlich mutigen Fernsehfilm "Frauchen und die Deiwwelsmilsch" mit Frau K. als hochbegabter Sparkassenangestellter Miri Marxer, die ihrem bedröppelten Stadtbank-Chef alle naselang als weißblonder Admin den Computer rekonfigurieren muss, während ihre Kolleginnen neidisch babbeln und andere, viel schmutzigere Dinge hinter der geschlossenen Bürotür vermuten: Der Film, der am Donnerstag in der ARD Premiere feiert, jongliert hingebungsvoll mit Klischees.

Vom Moppel-Weinbauern und "Doktorle spiele"

Und obwohl die intellektuell verkannte Blondine auch schon wieder ein Klischee darstellt, ist es überaus amüsant, der Katze und ihren Mit- und Gegenspielern bei der Aufklärung des Todes eines Weinbauern zuzusehen, der irgendwie mit Dackel, Bürgermeister und einer russischen Masseurin zusammenhängt.

Das Drehbuch hinkt zwar zuweilen in innerer Logik und Motivstärke, die Inszenierung schlittert an so manchen guten Gags vorbei, und dass die ARD in ihren Regionalkrimis weder bei der Kameraarbeit noch der Filmmusik Überraschungen wagt, ist klar.

Dennoch: Der Pfälzer Singsang mit seinen merkwürdig oben bleibenden Satzenden, das Kohl-Bild im Bürgermeister-Büro, die Pfälzer Schnüssen voller Schnorres (Bärten) und kleingetrunkenen Aache (Augen), oder wie dem Rechengenie Miri zum Klackern ihrer Ultra-Nägel auf der Tastatur Ziffern- und Zahlenkolonnen nach "CSI"-Manier vor den Augen vorbeiflimmern, das ist wunderbar.

Hier hat ein provinzkundiger Autor tatsächlich jede seiner Figuren liebgehabt, vom moppeligen Weinbauern bis zu Miris altem Schulkameraden, einem ehrgeizigen Jungpolizisten, der früher immer mit ihr "Doktorle spiele wollde". Und dass Miri den schmierhaarigen und doppelzüngigen Bürgermeister-Gehilfen aus Berlin beim Weinfest unter den Tisch säuft beziehungsweise in die Rabatten göbeln lässt, das sieht man erst recht gern. Go, cat, go! Oder um es in Katzenberger-Mundart zu sagen: Hajo, no zeigsch uns amal!


"Frauchen und die Deiwwelsmilsch": Donnerstag, 20.15 Uhr, ARD

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