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TV-Hochzeit: Daniela Katzenberger hat geheiratet

Foto: Henning Kaiser/ dpa

"Daniela Katzenberger - die Hochzeit" "Willst du mich heiraten?" - "Ja, Schatz …" - "Wow!"

Am Ende waren die Taschentücher aufgebraucht, nur der Himmel weinte nicht. Auf Daniela Katzenbergers Live-TV-Hochzeit lag der Segen Gottes wie eine leicht verschwitzte Hand mit aufgeklebten Fingernägeln.

Die letzte Hochzeit, die in voller Länge im deutschen Fernsehen übertragen wurde, dürfte die von Kate Middleton und William Mountbatten-Windsor gewesen sein. Was natürlich eine kümmerliche Veranstaltung war verglichen mit der Hochzeit von Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis. Live!

Für Spannung sorgte von Beginn an allein schon das Wetter. Wird es "halten"? Oder wird es regnen? Werden womöglich sogar Blitze einschlagen in den ehrwürdigen Petersberg bei Bonn und alles Glück zu Asche verbrennen?

Das Wetter hielt, kein Tropfen fiel und auch die Blitze blieben aus. Denn der Segen Gottes, für den dieser Abend vermutlich auch voller "emotionaler Momente" war, lag auf dieser Trauung wie eine warme, leicht verschwitzte Hand mit aufgeklebten Fingernägeln.

Bevor es in die Kirche ging, ließ RTL II die Liebe zwischen der "Katze" und dem Musikproduzenten in weichweiß eingerahmten Archivaufnahmen der Soap "Daniela Katzenberger - mit Lucas im Hochzeitsfieber" noch einmal Revue passieren. Wie sie sich 2014 bei einem Dreh in Dubai kennenlernten, wo sie in benachbarten Hotelzimmern nächtigten und die Daniela den Lucas angerufen hat, weil sie wissen wollte, ob bei ihm auch kein warmes Wasser käme, und er ihr riet, bei diesem Problem doch einfach die Rezeption anzurufen, total verrückt, total emotional.

Ihre Schuhe, schöne Schuhe

Wie sie dann "nach zehn Monaten" schwanger wurde und unaufhaltsam Büstenhalter mit immer größeren Körbchengrößen gekauft werden mussten, voll peinlich. Wie die Tochter per Ultraschall das Licht der Öffentlichkeit erblickt und Daniela, wie alle Mütter, erkennt: "Das ist was ganz Besonderes, dass ich ne Tochter bekomme. Man weiß, das ist so ein zweites Ich."

Wie sie im goldenen Glitzerkleid aus einem Helikopter steigt und Lucas sich ein Herz nimmt: "Willst du mich heiraten?" - "Ja, Schatz …" - "Wow!" Im gemeinsamen Gespräch, jetzt kann ers ja sagen, gesteht Lucas: "Ich habe sie am Anfang wahrgenommen als verrücktes Huhn, mit Augenbrauen auf der Stirn." Dabei ist Daniela Katzenberger genau das, ein verrücktes Huhn mit Augenbrauen auf der Stirn.

Wie die "Powerpfälzerin" (Katzenberger) Hochzeitskleider anprobiert: "Ich finde den Weg zu meinem Arsch nicht." Am Ende findet sich doch das rechte Kleid. Es wiegt 14 Kilo und ist "mit 2000 Swarovski-Schteinscher" besetzt: "Das ist mein Kleid, das ist mein Kleid, das ist mein Kleid, und das ist schon ein besonderes Gefühl, weil, es ist so schön. Und es ist mein Kleid", spricht die Katze und küsst vor Rührung die Hochzeitsschuhe, denn es sind ihre Schuhe, schöne Schuhe.

Katzenberger weiß, was für eine Hochzeit sie will. Kirche, Kutsche und viele Emotionen: "Das muss knistern, das muss knallen, wir müssen platzen vor Freude, da muss irgendwas passieren." Und doch ist es ein schlichtes Fest, denn "Prominente sind nicht eingeladen." Es moderieren Jana Ina und Giovanni Zarella, und sie tun dies so dezent emotional, als kommentierten sie ein Dressurreiten: "Ist wirklich bezaubernd zu sehen, wie sie sich da reingesteigert hat in alles!"

Die Kirche übernimmt

Natürlich darf auch die kleine Tochter nicht fehlen, nach der Zarella (Bro'Sis) sich beim Bräutigam erkundigt: "Die kleine Prinzessin, Sophia, wie gehts ihr?" - "Gut, sie sieht aus wie eine kleine Prinzessin!" Eine Einjährige, die "jetzt schon auf viele glückliche Momente zurückblicken" kann, wie Zarella erklärt. Es folgt ein Zusammenschnitt der "Highlights" dieses jungen Lebens - Ultraschall, Geburt, Milchpumpen. Süß.

Die Wege zwischen dem Hotel Petersberg und der Kapelle sind mit rosafarbenen Planen ausgelegt, in der Katzenbergerfarbe ausgeleuchtet sind auch die Gemäuer. Nachdem Cordalis im offenen Oldtimer vorgefahren ist, folgt Katzenberger im weißen Kleid, einer weißen Kutsche, gezogen von zwei weißen Pferden. Als sie am Handywald ihres Fanclubs vorbeistöckelt, gibt sie eine Kostprobe ihrer erfrischenden Natürlichkeit. Aus der Menge erschallt der Ruf: "Wie ne Prinzessin!", und Katzenberger winkt ab: "Dankeschön! Ich bin aber auch schön zurechtgemacht!"

Die Braut steht schon vor der Pforte zur Kirche, da gehts erneut in eine kurze Übertragungspause. Kurze Filme liefern nützliche Informationen über Seife, die enormen Fortschritte in der Haarforschung sowie schonende Möglichkeiten, die Haare loszuwerden - und den reich bebilderten Prachtband "Eine Tussi sagt Ja - auf Katzenpfoten zum Traualtar", demnächst im Handel.

Endlich ist es so weit, das Paar tritt vor den Altar. Bis jetzt war es nur emotional, ab jetzt wirds emotional und ernst. Es übernimmt die katholische Kirche, seit Jahrhunderten unangefochtener Marktführer im Eventmanagement - erkennbar etwa an priesterlichen Regieanweisungen wie "Etwas näher zu mir!" oder "Schaut euch dabei an!".

"Wie eine kostenlose App"

Der Pastor bittet den Herrn: "Lasst die Ehe, die diese beiden hier schließen, nicht nur ein Werk von Menschen" oder vom Privatfernsehen sein. Kurz scheint der Geistliche zu schwanken, sich seiner Männlichkeit zu erinnern, und bedenkt das Brautkleid mit einem emotionalen "Wow!"

Der Mann ist aber Profi genug, um vor Millionen von Menschen für seine Firma und deren Grundsätze zu werben: "Ihr habt den Mut, vor Millionen von Menschen gegen den Strom zu schwimmen, den Strom, der glaubt, das wäre alles nur eine Show", was ist freilich nicht ist, sondern absurde Show und heiliger Ernst, beides zugleich. Halleluja!

Als wäre die Kompatibilität des Katholizismus mit den Segnungen der Telekommunikation damit noch nicht hinlänglich bewiesen, redet der Mann Gottes dem Paar ins Gewissen: "Ihr sollt wie eine kostenlose App sein, wenn jemand draufdrückt und denkt: Wow! Das ist ja göttlich, wie die einander lieben! Und damit meine ich nicht, dass die Schmetterlinge in eurem Bauch immer größer werden. Ich hoffe, dass noch etwas anderes in Danielas Bauch größer wird in ein paar Jahren", zwinker, zwinker.

Katzenberger entfaltet knisterreich ein Gedicht und bricht beim Vorlesen ("Du kannst nicht meine Sonne sein, denn du bist viel wärmer, du kannst nicht mein Sternenhimmel sein, du bist viel strahlender" et cetera) in Tränen aus. Und schon grätscht der Pfarrer dazwischen, dann "feiern wir in ein paar Jahren Silberhochzeit, ich wär dabei!" Dufter Typ, und so unkompliziert: "Wenn was ist - meine Handynummer habt ihr ja!"

Die Taschentücher sind aufgebraucht

Endlich schmettert der singende Handyverkäufer Paul Potts (noch so ein modernes Märchen) das "Ave Maria", bevor die Einjährige ihrem erfüllten Leben einen weiteren glücklichen Moment hinzufügen kann. Sie lässt sich von Mama Katzenberger zum Altar tragen, um dem Paar die Ringe zu übergeben. Es muss ein wenig gedrückt und geknetet werden, aber - sie passen! Uff.

Ja. Ja. Und schon ist der Bund fürs Leben geschlossen beziehungsweise die kostenlose App installiert. Es folgt Verwandtschaft, bucklig und ungelenk, und viele von Kragenmikrofonen eingefangene und verstärkte Schmatzer. Drei junge Mädchen, als Putten verkleidet, singen Leonard Cohen. Und unter den Klängen von "Hallelujah" verlässt das Paar die Kirche. Emotionaler wirds nicht, auch wenn Ina und Zarella das unermüdlich einfordern: "Halten Sie schon mal die Taschentücher bereit!"

Es gibt dann noch eine achtstöckige Hochzeitstorte, ein Lied von Bräutigamsvater Costa Cordalis und, nach entzückenden Archivaufnahmen von den Proben zum Brauttanz, den Brauttanz. Mit der Ankündigung, jetzt würde aber "richtig gefeiert", beendet RTL II schon nach drei Stunden seine Übertragung. Gerade rechtzeitig, denn die Taschentücher sind alle aufgebraucht.

Aber, wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann eine Fortsetzung. "Alle Paare brauchen ihre Privatsphäre", hatte Katzenberger erklärt und nach einer Kunstpause hinzugefügt: "Wir nicht!". Gott bewahre, aber die Chancen auf "Daniela Katzenberger - mit Lucas beim Scheidungsanwalt" dürften so gut stehen wie bei jeder anderen Ehe auch.

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