Das Turnier des Zaren Pro-schwules Rodel-Kuscheln

Rodel-Duo Juschakow/Machnutin: Eiskaltes Zeichen gegen Homophobie

Rodel-Duo Juschakow/Machnutin: Eiskaltes Zeichen gegen Homophobie

Foto: Valdrin Xhemaj/ dpa

Vier Tage Olympia im TV und noch immer hat kein Athlet gegen Homophobie, Umweltzerstörung oder fehlende Menschenrechte protestiert. Ist die Kritik durch die Medaillenhatz wie weggepustet? Oder setzen am Mittwoch endlich ein paar tollkühne Männer allein durch Ausübung ihrer Sportart ein Zeichen?

Wo ist der Biathlet, der mit Regenbogenfahne durchs Ziel fährt? Wo ist die Snowboarderin, die bei der Blumenzeremonie Pussy-Riot-Gesten zum Besten gibt? Oder der Curler, der "Amnesty International" auf seinem Besen eingraviert hat? Trotz Dauergucken auf allen Kanälen: nichts!

Die einzige Rüge des IOC bisher traf ein paar norwegische Langläuferinnen, die mit Trauerflor gestartet waren, weil der Bruder einer Sportlerin kurz zuvor gestorben war.

Aber vielleicht halten sich auch alle an den Slogan, den das wunderbare englische Müßiggang-Magazin "The Idler"  vor einiger Zeit auf dem Cover druckte: "Lie Back and Protest"! Zurücklehnen und protestieren! These: Aktiver Protest hat noch nie etwas erfolgreich bekämpft oder verändert, es wäre viel besser für uns und die Welt, wenn man möglichst nichts tut. Oder einfach das tut, was man sonst auch so tut. Zum Beispiel zurücklehnen und seinen Sport ausüben.

Wie die Doppelsitzer im Rodeln. Zwei tollkühne Männer liegen auf einem viel zu kleinen Schlitten in hauchdünnen Anzügen eng aufeinander gepresst und stürzen sich mit bis zu 140 km/h den Eiskanal hinunter. Obszöne Anspielungen und Sprüche aus allen Bereichen der Schwulenwitz-Kategorie sind die Athleten gewohnt. Wieso nicht einfach mal den Spieß umdrehen und das als eiskaltes Zeichen gegen Homophobie und Anti-Homosexuellen-Gesetze sehen, mitten in der Höhle des homophoben Löwen?

Da reicht es vielleicht schon, einfach seinen Sport auszuüben. Zurücklehnen und losfahren. Die grenzenlose Vertrautheit zeigen, die so ein Duo haben muss. Denn der Doppelsitzer ist ja weitaus anspruchsvoller als der Einsitzer. Der hintere, auch "Rucksack" genannt, sieht im Prinzip nichts, muss aber trotzdem grob die Richtung vorgeben, der vordere muss sich auf den hinteren verlassen und die Feinsteuerung übernehmen. Wie Synchronschwimmen, nur mit Sturzgefahr.

Das werde ich mir am Mittwochnachmittag auf keinen Fall entgehen lassen. Vielleicht gewinnt ja sogar das russische Duo Juschakow/Machnutin und schwenkt freudetrunken live nach der Zieldurchfahrt eine Regenbogenflagge. Das wäre für Putin ungefähr so, als hätten Pussy Riot den Olympischen Eid gesprochen. Live drauf sein wird das ZDF auf jeden Fall, denn die beiden deutschen Duos sind natürlich die Favoriten. Wendl/Arlt und Eggert/Benecken, das klingt schon so harmonisch.

Immerhin haben es die Rodlerinnen ja am Dienstag bereits vorgemacht. Silbermedaillengewinnerin Tatjana Hübner protestierte in aller Öffentlichkeit - allerdings nur gegen den eigenen Verband, weil der angeblich ihre Konkurrentin Natalie Geisenberger bevorzuge. Am Mittwoch folgt nun der leise, unbewusste Protest im Eiskanal.

Tipp: Zurücklehnen und zuschauen.

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