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"Der Tatortreiniger": Schotty, schrubb das mal weg

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Neue "Tatortreiniger"-Folgen Der Witz-Mopp

Mit lakonischem Humor wischt er das Blut weg: Das großartige Comedy-Kammerspiel "Der Tatortreiniger" ist zurück. Selbst ein US-Sender hat das Format bereits gekauft - hierzulande läuft die Serie im finstersten Winkel des deutschen Fernsehens.

In einer besseren Welt würde der NDR den "Tatortreiniger" nicht zu später Stunde regional wegsenden. In einer besseren Welt käme "Der Tatortreiniger" anstelle von Günther Jauch jeden Sonntag in der ARD als comic relief unmittelbar nach dem "Tatort", dessen Blutspuren er verschwinden lassen würde.

Wobei, zugegeben, der Humor dieser Serie nicht jedermanns Sache ist. Immerhin beweist die Tatsache, dass es den "Tatortreiniger" überhaupt gibt, dass die Welt zumindest im Dritten des NDR manchmal doch ganz in Ordnung ist. Dort werden ab Dienstag für drei Tage je eine bisher noch nicht im Fernsehen gezeigte und eine alte Folge der preisgekrönten Comedy ausgestrahlt.

Dabei war die erste Folge im Dezember 2011 auf Sendung gegangen, ohne dass der NDR auch nur ein Sterbenswörtchen der Werbung darüber verloren hätte. Gutes aber spricht sich herum, und so geht "Der Tatortreiniger" nunmehr in die dritte Runde.

Regie führt wieder Arne Feldhusen ("Ladykracher", "Stromberg"), die Drehbücher stammen wieder von Mizzy Meyer, für deren Humor allein schon der Umstand spricht, dass die Dramatikerin, die sich hinter dem Pseudonym versteckt, ihre Biografie inklusive des Heimatorts "Hinterwaldwies" frei erfunden hat.

Und Bjarne Mädel ("Stromberg", "Mord mit Aussicht") gibt noch immer einen proletarischen Helden ohne jeden Anflug von Dünkel und mit hemdsärmeliger Ekelresistenz. Mädel muss nicht das klebrige Etikett des "Comedian" angeheftet werden, weil er in erster Linie ein Schauspieler ist - mit einem enormen komödiantischen Talent.

Das vielleicht Schönste an seiner Figur des Heiko "Schotty" Schotte ist, dass er sich einen Dreck um den Täter schert - sondern nur um den Dreck, den die Leiche hinterlässt, und eben die Menschen, denen er dabei über den Weg läuft. Als ehrlicher Malocher hanseatischer Prägung schrubbt er damit sozusagen im toten Winkel der Fernsehunterhaltung.

Hochgeschwindigkeitswortwitz

In "Angehörige" begegnet er dem schwulen Freund (Florian Lukas) des Verstorbenen, der dessen Leiche lieber selbst unter die Erde bringen als der Familie überlassen will. Weite Teile der Sendung spielen im Halbdunkel einer fest verschlossenen Kiste, was den ohnehin kammerspielartigen Charakter der Serie auf eine weitere Spitze treibt. In "Auftrag aus dem Jenseits" trifft der Gebäudereiniger auf einen Kollegen aus dem spiritistischen Fach, der die Immobilie nicht von Blut und Maden, sondern vom Geist des Verstorbenen reinigen soll.

Eine Stärke dieses Kammerspiels sind die lakonischen Dialoge, wie etwa in der nun wiederholten Folge "Schottys Kampf". Darin putzt Schotte in einem Vereinsheim und trifft dort auf einen eloquenten Neonazi - die bisher einzige der vielen eher abseitigen Figuren, denen unser Held nicht mit wohlwollender Neugierde begegnet. Der Faschist agitiert Schotte in Grund und Boden, bevor er irgendwann sagt: "Unterbrechen Sie mich, wenn ich was Falsches sage..." - "Ja." - "Äh, was ja?" - "Ja, ich finde das falsch." - "Aha. Und was?" - "Alles." - "Und woran machen Sie das fest?" - "An allem."

Zu solchem Hochgeschwindigkeitswortwitz gesellen sich immer wieder Verweise mal auf Billy Wilder, mal auf Charlie Chaplin, mal auch einfach nur auf Bud Spencer und Terence Hill. Dabei ist der Humor selten wirklich schwarz. Er entfaltet sich nur vor einem dunklen Hintergrund.

Und für die Qualitäten der Serie sprechen weniger die Preise, die ihr verliehen wurden, als vielmehr das Interesse aus dem Ausland. So wurde "Der Tatortreiniger" nicht nur an den französischen Sender Canal Plus verkauft, sondern auch an das kleine amerikanische MhZ Network, wo Schotty im Original und mit Untertiteln seiner Arbeit nachgehen wird.

Eine deutsche Idee aus dem Unterhaltungsbereich, die in den USA auf Wohlwollen und Interesse stößt? Klingt fast so abseitig wie ein Drehbucheinfall von Mizzy Meyer.


"Der Tatortreiniger", 7. Januar ("Ganz normale Jobs" als Wiederholung und "Angehörige", neu im TV, aber auf DVD schon veröffentlicht), 8. Januar ("Geschmackssache" als Wiederholung und "Auftrag aus dem Jenseits" neu im TV) und 9. Januar ("Schottys Kampf" als Wiederholung und die komplett neue Folge "Fleischfresser"), jeweils ab 22 Uhr und 22.30 Uhr, NDR.

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