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14. Januar 2016, 00:25 Uhr

Deutscher Fernsehpreis

"Ich bekomme einen Preis - und keine Sau schaut zu"

Mit weniger Pomp als bisher sind in Düsseldorf die Deutschen Fernsehpreise verliehen worden, zum besten Film wurde ein KZ-Drama gekürt. Jubeln konnten auch Günter Wallraff, Jan Böhmermann und Moderatorin Barbara Schöneberger.

Vieles sollte anders werden, das hatten die Veranstalter des Deutschen Fernsehpreises im Vorfeld versprochen. Und sie hielten Wort: Mit deutlich weniger Pomp als in den vergangenen Jahren fand nun in Düsseldorf die Preisverleihung statt, auf eine Übertragung des gesamten Prozedere im TV wurde verzichtet. Grund für die Neuausrichtung war die anhaltende Kritik an der Veranstaltung und die schlechten Einschaltquoten. Im vergangenen Jahr entfiel die Vergabe komplett, jetzt also der Neustart.

Moderiert wurde der Abend von Barbara Schöneberger - und die hatte mit den Neuerungen offenbar so ihre Schwierigkeiten: "Ich guck die ganze Zeit in die Kamera, dabei ist da gar keiner", sagte sie. Als sie dann in der Kategorie Unterhaltung geehrt wurde, legte sie nach: "Das gibt’s doch gar nicht: Ich bekomme einen Preis - und keine Sau schaut zu."

Tatsächlich waren die Kameras am Mittwochabend nur für die Journalisten angeschaltet, die im Presseraum das Treiben im Saal verfolgen und für einen halbstündigen Zusammenschnitt der Verleihung, der später im TV ausgestrahlt wird. Immerhin: "Wir können alles machen, was wir schon immer mal machen wollten im Fernsehen", sagte Schöneberger.

"Schön, dass es das wieder gibt", sagte Moderator Markus Lanz. Dass der Preis im internen Rahmen verliehen wird, schmälere in keinster Weise den Wert der Veranstaltung. Ob der Fernsehpreis denn noch wichtig sei, wird auch Schauspieler Charly Hübner gefragt. "Auf jeden Fall", sagte er.

KZ-Drama zum besten Film gekürt

Als Gewinner des Abends gelten: das vielfach ausgezeichnete ZDF, die ARD-Literaturverfilmung "Nackt unter Wölfen" über das KZ Buchenwald und die Vox-Serie "Der Club der roten Bänder". Bester Schauspieler wurde Jonas Nay ("Deutschland 83", "Tannbach - Schicksal eines Dorfes"), als beste Schauspielerin wurde Ina Weisse geehrt ("Ich will Dich") geehrt.

Enthüllungsjournalist Günter Wallraff bekam in diesem Jahr den Ehrenpreis für sein Lebenswerk verliehen. "Da erschrickt man erst mal", sagte der 73-Jährige über den Moment, in dem er von der Ehrung erfahren habe. "Ich hatte bislang gedacht, ich hätte mich nicht aufs Altenteil gesetzt." Er sei es nicht gewöhnt, geehrt zu werden. Aber: "Vielleicht hab ich's sogar verdient."

Stifter des Deutschen Fernsehpreises sind die Senderchefs der ARD, vom ZDF sowie von RTL und ProSiebenSat.1.

Die Preisträger im Überblick:

Bester Fernsehfilm: "Nackt unter Wölfen" (ARD)

Beste Serie: "Club der roten Bänder" (Vox)

Beste Schauspielerin: Ina Weisse ("Ich will dich", ARD; "Ein großer Aufbruch", ZDF)

Bester Schauspieler: Jonas Nay ("Deutschland 83", RTL; "Tannbach - Schicksal eines Dorfes", ZDF)

Beste Comedy/Kabarett: "Die Anstalt" (ZDF)

Beste Unterhaltung Primetime: "Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt" (ProSieben)

Beste Moderation Unterhaltung: Barbara Schöneberger ("Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle", RTL)

Beste Unterhaltung Late Night: "Neo Magazin Royale" (ZDF)

Bestes Factual Entertainment: "Die Höhle der Löwen" (Vox)

Beste Information: "An der Grenze - 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise" (N24)

Beste Persönliche Leistung Information: Michel Abdollahi ("Im Nazidorf", NDR)

Bestes Infotainment/Talksendung: "Menschen bei Maischberger" (ARD)

Beste Dokumentation/Reportage: "Asternweg - Eine Straße ohne Ausweg" (Vox)

Beste Sportsendung: "Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik" und "Wie Russland seine Sieger macht" (beide ARD) von Hajo Seppelt

Beste Regie: Lars Becker ("Zum Sterben zu früh", ZDF)

Bestes Buch: Magnus Vattrodt ("Ein großer Aufbruch", ZDF; "Das Zeugenhaus", ZDF)

Beste Kamera: Ngo The Chau ("Zum Sterben zu früh", ZDF)

Bester Schnitt: Ulf Albert ("Altersglühen - Speed Dating für Senioren", ARD)

Beste Musik: Stefan Will und Marco Dreckkötter ("Mordkommission Berlin 1", Sat.1)

Beste Ausstattung: Max Wohlkönig, Matthias Müsse und Tilman Lasch ("Mordkommission Berlin 1", Sat.1)

Ehrung fürs Lebenswerk: Günter Wallraff

Förderpreis: Hubertus Koch

aar/dpa

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