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17. Juli 2014, 14:16 Uhr

Rücktritt nach Schummel-Affäre

Gudde Naaacht, ZDF!

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Abgang bei den Mainzelmännern: Das ZDF ist wegen der Manipulationen bei der Show "Deutschlands Beste!" seinen Unterhaltungschef Oliver Fuchs losgeworden. Doch das Zweite bleibt eine Großbaustelle.

Vor ein paar Wochen bei einem Treffen der Branche in Köln war Oliver Fuchs noch so vergnügt, wie man ihn kennt. Wenn er nicht gerade von Produzenten, Agentinnen und Regisseuren umlagert wurde wie ein Ozeandampfer von Schleppschiffchen, scherzte der Unterhaltungschef des ZDF bei einem Sekt über die Pendlerpauschale. Für die rund 160 Kilometer von seinem Wohnort in Königswinter bei Bonn bis zu seinem Arbeitsplatz auf dem Lerchenberg in Mainz brauche er in der Regel zwei Stunden. Je nach Verkehr. Er genieße die Fahrt aber sehr: "Da kommt man zur Ruhe und kann nachdenken."

Zum Nachdenken hat Oliver Fuchs nun noch mehr Zeit, seit er die Verantwortung für die Affäre um gefälschte Platzierungslisten des Formats "Deutschlands Beste!" übernommen hat. Fuchs war erst 2012 als Quereinsteiger zum ZDF gekommen, wo er das Unterhaltungsangebot verjüngen sollte. Als Geschäftsführer der Firma Eyeworks hatte er zuvor vor allem für das Privatfernsehen produziert ("Schwiegertochter gesucht", "Der große IQ-Test"), beim ZDF hatte er mit manchen Entscheidungen (Markus! Lanz!) nicht immer ein glückliches Händchen. Nur seinem Ruf, als trojanisches Trash-Pferd das Niveau des Öffentlich-Rechtlichen noch weiter zu senken, wurde er vollumfänglich gerecht. Was bieder war, wurde mit Fuchs auch noch blöde - siehe "Deutschlands Beste!".

Warum spricht niemand über den Programmdirektor?

Dass sich das Blöde nun sogar als verlogen entpuppt, daraus kann Fuchs kein Strick gedreht werden. Zumal die internen Untersuchungen ergeben haben, dass Fuchs von den Manipulationen offenbar nichts wusste. Auch wenn es intern heißt, dass er davon hätte wissen müssen, um sie zu unterbinden. Abgemahnt beziehungsweise degradiert wurden eine Redakteurin und eine Teamleiterin. Dass er dennoch selbst seinen Rücktritt angeboten hat, bringt Fuchs nun den Dank von ZDF-Intendant Thomas Bellut ein: "Ich respektiere sein Angebot, persönlich die Verantwortung zu übernehmen."

Dass aber im gleichen Atemzug so gar nicht über die Zukunft von Programmdirektor Norbert Himmler spekuliert wird, ist schon etwas seltsam. Himmler, der Fuchs zum ZDF geholt hatte, hat jetzt sozusagen seinen besten Springer geopfert - steht aber nun ziemlich allein auf dem Brett. Und das ist nach wie vor eine Baustelle, die immer mehr an den Berliner Großflughafen erinnert.

Fuchs wiederum, eigentlich mit einem Fünfjahresvertrag an das ZDF gebunden, hätte keine bessere Entscheidung fällen können. Es war ohnehin ein Himmelfahrtskommando, das Durchschnittsalter der ZDF-Zuschauer von greisen 61 auf kükenhafte 60 Jahre senken zu müssen - während gleichzeitig die radikalsten Kürzungen und Kündigungen in der Geschichte des Senders vorgenommen werden.

Fuchs hat also nicht wirklich viel zu verlieren und wird - mit einem blauen Auge, aber besser vernetzt denn je - in die private Unterhaltungsindustrie zurückkehren können. Wo er für das, was er eben so tut, womöglich besser bezahlt und ganz sicher weniger kritisiert wird. Gut möglich, dass ihm diese Erkenntnis selbst gekommen ist, bei Tempo 120 irgendwo auf der A3.

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