ZDF-Kabarett "Die Anstalt" Der kleine Sozialist in uns allen

Claus von Wagner, Max Uthoff: Mit Spielfreude und inhaltlicher Schärfe

Claus von Wagner, Max Uthoff: Mit Spielfreude und inhaltlicher Schärfe

Foto: ZDF/ Jürgen Nobel

"Die Anstalt" mit Claus von Wagner und Max Uthoff lässt zweifeln: An den eigenen Abgesängen auf das politische Kabarett im deutschen Fernsehen. Eigentlich hatte man es längst abgeschrieben. Und dann kommen diese beiden daher.

An dieser Stelle sollen keine Gags verraten werden, darum nur ganz allgemein: Das runderneuerte Kabarett-Format ist, man kann es nicht anders sagen, glänzend gelungen. Zu loben wären zunächst von Wagners und Utthoffs Spielfreude und die spürbare Lust, mit der diese Sendung gemacht wird. Das ist schön, aber doch nur eine Äußerlichkeit. Bemerkenswert ist vor allem die inhaltliche Schärfe von "Die Anstalt". Da wird zunächst, im leider etwas zu kurzen aktuellen Block, mit den Mitteln des Theaters und unter Einsatz des Gastes Jochen Busse als haarkranztragender "Herr Timoschenko", die Revolution in der Ukraine erfreulich albern und dabei schmerzhaft überzeugend als recht plumper westlicher Regime-Change entlarvt. Der Rest der Sendung widmet sich dann, erkennbar langfristiger geplant und geprobt, dem Thema Rente. Und hält am Ende eine überraschend revolutionäre Rede bereit.

Nochmal ganz langsam. Man muss jedes Wort auf sich wirken lassen, um die Bedeutung dessen zu erfassen, was da gerade im Zweiten vor sich geht: Politisches. Kabarett. Im ZDF. Zum Thema Rente. Bis gestern vor 22.15 Uhr war das die denkbar langweiligste aller in diesem Universum möglichen Programmbeschreibungen. Schon allein der Gedanke daran führte direkt in den Tiefschlaf. "Die Anstalt" in ihrer neuen Form jedoch ist in der Lage, selbst diese lange eingeübte Erwartungshaltung zu brechen - mit der genau richtigen Mischung aus guten Gags und fiesen Fakten.

Na gut, das wirkt dann streckenweise etwas belehrend* und bedient den linksparteisympathisierenden Sozialdemokraten im TV-Zuschauer mit möglicherweise etwas zu mundgerecht zubereiteter Meinung. Aber besser wird er zur Zeit nirgendwo sonst bedient, der kleine Sozialist in uns allen.

Hier will auf keinen Fall irgendjemand Ihren Arbeitsplatz gefährden, aber falls Sie "Die Anstalt" gestern verpasst haben sollten, dann lassen Sie gefälligst sofort Ihr Tagewerk ruhen und sehen sich die Sendung jetzt in der ZDF-Mediathek  an. Na gut, Sie können auch noch bis zur Mittagspause warten.

*Sorry übrigens, liebe "Anstalt"-Macher, dass wir Ihre erste Ausgabe  hier nicht gewürdigt haben - die war nämlich fast noch stärker als die zweite. Und das lag nicht nur an dem gleich am Anfang untergebrachten netten SPIEGEL-ONLINE-Gag, sondern vor allem am Auftritt des großartigen Gastes Matthias Egersdörfer.

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