"Die Bachelorette" auf RTL Knallküsschen für Gockel

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Die neue Bachelorette heißt Anna, das ist eine Information von überschaubarer Komplexität. Die zwanzig Galane, die in der RTL-Show um Herz und Leib der bindungswilligen Berlinerin buhlen, können es sich dennoch nicht merken. Viel lustiger wird's dann aber auch nicht mehr.

Im Gegensatz zur amerikanischen Fassung der Verpaarungsshow hat die deutsche Version auch im zweiten Anlauf, zehn Jahre nach der ersten Staffel, eine deutliche dramaturgische Schwäche: Anna ist nicht angeschrappt.

Eine Runde in der Angrabbelkiste, ein bisschen Probe-Poussage, ein kleiner Knacks im Herzchen: Das sind die Leiden, die jede Bachelorette in der US-Ursprungsfassung durchschmerzen muss, bevor sie sich aus einem Rudel muskelbeuliger Männer in umständlichem, wochenlangem Ausschlussverfahren einen aussuchen darf. Denn die amerikanische Version rekrutiert ihre TV-Junggesellinnen traditionell aus der abgelegten Ausschussware der "Bachelor"-Sendungen.

Wer vom Bachelor kurz vor knapp doch noch aussortiert wird und/oder sich trotz Balzpech als Publikumsliebling erweist, hat dort gute Chancen, die nächste Bachelorette zu werden und nun seinerseits auswählen zu dürfen. Ein ewiger, sich selbst nährender Kreislauf von Zurückgewiesen werden und Zurückweisen also, ein natürlich zutiefst deprimierendes Modell, das gleichzeitig ein diffuses Gefühl von ausgleichender Gerechtigkeit vermittelt.

Anna aber hat es ohne vorherige TV-öffentiche Demütigung zur Bachelorette gebracht und öffnet zum Auftakt die faulige Pralinenschachtel der Datingpein wie seinerzeit Pandora ihre Büchse. Auto um Auto fahren die Kandidaten zur Begutachtung vor: Ein Didgeridoo trötender Polizist, ein menschenlieber Pastorensohn, ein Klavier spielender Cage-Fighter, ein Tommy, der "mal wieder Bock auf so eine kleine Quietschmaus" hätte, ein Friseur mit Beruhigungsschnapspulle, der früher mal in einer Boyband war, ein paar lackierte Gockel, ein mauliger Mützen-Heini, der "lieber was Dunkelhaariges" gehabt hätte, immerhin ein Sympathieträger, der Leberwurst mitbringt, ein vorgeblicher Klubbesitzer, der noch in seinem Kinderzimmer haust, ein Kitschonkel, der einen einparfümierten Plüschkoala überreicht. Kurzum: das Grauen.

Die Bachelorette allerdings fühlt sich "wie ein kleines Mädchen im Süßigkeitenladen, überall will und darf man schauen und ausprobieren" und appliziert allen Ankömmlingen schmatzende Knallküsschen. So hengstig sich die Kandidaten im Vorfeld des Zusammentreffens auch gerieren - einer verlangt gar nach einem Taschentuch, um seine "feuchten Nüstern" zu trocknen -, so gestriegelt harmlos und pennälerig aufgeregt geben sie anschließend Pfötchen. Doch ruhig Blut: Testosteron-trottelige Aussagen wie "Es ist einfacher, mit einem Rudel Hunde klarzukommen als mit einem Wolf. Und ich bin ein Wolf!" lassen für den weiteren Staffelverlauf noch Ärgeres vermuten - oder, wie es ein Arzt im Teilnehmerfeld formuliert: "Ein Feuerwerk auf der Großhirnrinde".

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27 Leserkommentare
rodelaax 17.07.2014
stranger66 17.07.2014
horsteddy 17.07.2014
m1ghty-m 17.07.2014
cor 17.07.2014
el-gato-lopez 17.07.2014
Martin H. 17.07.2014
horst.kevin 17.07.2014
seeelefant 17.07.2014
hschmitter 17.07.2014
cor 17.07.2014
twister-at 17.07.2014
PeterLublewski 17.07.2014
jacktoast 17.07.2014
Andr.e 17.07.2014
troy_mcclure 17.07.2014
jacktoast 17.07.2014
realissi 17.07.2014
exeblue 17.07.2014
PeterLublewski 17.07.2014
Andr.e 17.07.2014
stelzenlaeufer 17.07.2014
Celestine 17.07.2014
PeterLublewski 18.07.2014
Celestine 18.07.2014
PeterLublewski 18.07.2014
startrek1000 20.08.2014

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