"Bachelorette"-Auftakt Einfach auch mal weghören

"Die Bachelorette" verteilt wieder Stachelware. Schlimmschön wie immer, in der sechsten Staffel aber auch leicht fad. Sieben Tipps, wie man dieses Jahr mehr für sich aus dem Format herausholen kann.

TVNOW

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1. Sich in die Idee reinsteigern, einige Kandidaten hätten nicht nur frappante Ähnlichkeit mit Prominenten, sondern sind tatsächlich diese berühmten Menschen - quasi wie bei "Jerks", wo bekannte Persönlichkeiten regelmäßig leicht verrutschte Versionen ihrer selbst spielen. Eine Datingshow, in der Steffen Henssler (Luca), David Garrett (Jonas), Andreas Bourani (David) und Pretty Elon Musk (Daniel) im Kampf um das Herz von Bachelorette Gerda gegeneinander antreten - das Format könnte es in einem Kampf der Trashgiganten sogar mit dem "Sommerhaus der Stars" aufnehmen.

2. Zur rechten Zeit den Ton abdrehen. Yannic, dem bömselfrohen Babyface, muss man maximal einmal zuhören, ab jetzt sollte man ihn einfach händisch muten, wenn er den Mund aufmacht. "Ich bums alles, aber ich lieb' die Frauen tatsächlich auch", dummerte er in der Auftaktfolge in erschütternd oger-esker Kalbsköpfigkeit heraus, erklärte sein vorgebliches Studium der Luft- und Raumfahrttechnik im Dingsda-Stil ("Man entwirft Raketen oder halt Spaceshuttles") und revolutionierte die jahrzehntelange Arbeit aufrechter Sexologen und -innen im Handstreich: "Wenn jeder guckt, wie er befriedigt wird, wird ja jeder befriedigt." Es ist ja immer verdächtig, wenn Kandidaten eines Reality-Formats vorgeben, gar nicht zu wissen, wie hier eigentlich die Regeln sind. Wenn Yannic aber erklärt, er habe "dieses Rosensystem noch gar nicht geblickt", glaubt man ihm sofort. Dabei ist das "Bachelorette"-System nun wirklich keine Rocket Science.

3. Synchron Mitsticken, wenn Oggy neue Sinnsprüche liefert. Denn quasi jeder Satz von ihm würde sich gut in Kreuzstich über dem Sofa machen: "Im Gesicht hat man keine Muskeln", "Griechenland hat eine große Historie, mal bei Zeus angefangen", und, echte Premiumware: "Ein Kampf ist nie friedlich, weil sonst würde es friedlich heißen." Stimmt natürlich. So wie dumm auch dumm bedeutet, sonst hieße es ja schlau.

4. Schon mal vorsorglich Spin-off-Verwendungen erfinden, in denen man die von Gerda geschassten Kandidaten zwischenlagern kann, bis das Dschungelcamp anfängt: Besonders vielversprechend ist dabei Fabio, der Mann mit dem höchsten Kragen seit Graf Zahl. Sein generalhaffenloherige Dröhnigkeit, das zahnige Nussknackerlachen im Stile Alexander von Eichs, die tödlich jovialen Quatschsätze ("Du bist 26? Schönes Alter!") empfehlen ihn als Betreiber eines Pyramidensystems oder als Heiratsschwindler am Wolfgangsee. Allerdings besteht bei dem Porschefahrer ("Für mich ist das keine Aufreißer-Karre. Hier in München ist man damit auch nicht einzigartig, das ist einfach ein Auto") noch die Hoffnung, dass seine Teilnahme bei der "Bachelorette" nur eine neue edgy Werbeform des Sportwagenbauers ist.

Auch Kandidat Harald, ein augenscheinlich pichelfroher Strauchler, der Toupenicos Dschungelcampfrisur in der Langbob-Variante aufträgt, hat Potenzial zur Zweitverwertung: Nach eigener Aussage haben ihn seine Exfreundin und ihre Zwillingsschwester bei der "Bachelorette" angemeldet, das ist erstklassiges Material für eine prickelnde Verwechslungskomödie irgendwo zwischen "Kohlhiesels Töchter", und "Das doppelte Trottelchen".

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Die "Bachelorette"-Kandidaten: Porschefahrer, Fitness-Freak und Mechatroniker-Model

5. Besonders schlimme Momente abmildern, indem man passende Musik dazu auflegt. Und zum Beispiel die alberne Hochwasserhosen-Parade der Kandidaten beim Erstkontakt mit Gerda mit "Wann kommt die Flut" von Witt/Heppner unterlegt. Aber Pfoten weg von "The Flood" von Take That, es darf nicht alles in den Schmutz gezogen werden.

6. Kurz mal irgendein entbehrliches Möbel kaputthauen. Um die hilflose Wut darüber auszulassen, dass das Personal der "Bachelorette" immer noch grunddumme Brummbrumm-Genderideen wie "Frauen haben ihre Handtaschen und wir Männer fahren halt gerne Auto" verbreiten. Und dass ein Satz wie "Wir leben ja im Jahr 2019" in diesem Format immer noch mit "da habe ich nichts dagegen, wenn eine Frau ein bisschen gemacht ist" enden.

7. Dringend Billie Eilish auf allen Kanälen kontaktieren und ihr dringend raten, dass sie RTL sofort die Nutzung ihres Lieds "Bad guy" für sämtliche "Bachelorette"-Belange verbieten soll. Es ist schlimm genug, dass dieses schöne Lied derzeit in Tausenden von Insta-Stories durchgenudelt wird. Wenn es aber als Begleitmusik für die diesjährigen "Bachelorette"-Stenze verwendet wird, ist das der Todesstoß.



insgesamt 12 Beiträge
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mariuscaesar 18.07.2019
1.
Mal abgesehen von dem Unsinn der Sendung: euch ist schon klar das das Alter der Kandidaten zu 99% Fake ist. Ein 22 Jahre alter Headhunter, der angeblich Porsche fährt aber eigentlich aussieht wie Mitte 30? Auch der "Unternehmer" mit 25 ist Quatsch. Das angegebene Alter der Kandidaten ist nicht deren wichtiges Alter. Das weiß ich aus internen Quellen aber das sieht man doch schon allein aus der Beobachtung. Bei den Frauen beim Bachelor übrigens genauso.
henrich.wilckens 18.07.2019
2. Danke Queen Anja
Die selten dämliche Sendung wurde für den Anja Rützel Fan Club durch wunderbare Wortschöpfungen und Querverweise erst erträglich
cobaea 18.07.2019
3.
Danke für den Rützel-Text - ich bin immer noch am Kichern. Diese Typen erinnern mich an den Spruch einer Freundin über einen, der sie ständig anmachte: "Den könntest du mir auf den Bauch schweissen, dann würd ich mich weg-rosten"
tommuc1978 18.07.2019
4. ...und schon geht es hier wieder los.
Da kommen die typischen Gutmenschen und Allesbesserwisser der Spiegel Leserschaft mal wieder voll in Wallung. Meine Güte, gönnt den Menschen ihren Spaß, fühlt euch moralisch und intellektuell überlegen und hört auf mit dem Gemecker. Kleiner Tipp, genau aus dem Grund, kann uns Deutsche niemand auf der Welt leiden, weil wir immer so moralisch überlegen daher kommen und glauben alle erziehen zu müssen. Was ist so schlimm an einer Fernsehsendung, wer es sehen will sieht es sich an und wer nicht, schaltet um. Aus und Thema beendet.
dasfred 18.07.2019
5. Ich habe mir die erste Folge komplett angetan
Ja, mit Nr. 5 hat Anja Rützel recht. Welcher Männerhassende Designer hat den Typen erzählt, Hochwasserhosen, noch dazu eng um die fast Wadenlosen Beine gestülpt, sehen gut aus. Dieser aufgefahrene Cast scheint ausschließlich nach Badehosenfotos zusammengestellt worden zu sein. Zumindest wäre das dabei herausgekommen, wenn ich dieses als einziges Kriterium herangezogen hätte. Die intellektuellen Fähigkeiten scheinen allerdings ausschlaggebend gewesen zu sein, damit diese Staffel auch wirklich Trash Potential bietet. Irgendwie bin ich ein wenig angefixt und werde in die nächsten Folgen mal reinsehen. Zumindest Yannick scheint ja ein gewisses Maß an Naturdrömeligkeit zu verströmen und bei einigen wäre es nett, mal eine Fassade zum Bröseln zu bringen.
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