Umstrittener Starregisseur Dieter Wedel ist tot

Das Landgericht München I wollte mitteilen, ob und wann es zum Vergewaltigungsprozess gegen Dieter Wedel kommt. Nun wird es keine Verhandlung mehr geben, der Regisseur ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
Dieter Wedel 2017 bei den Festspielen in Bad Hersfeld

Dieter Wedel 2017 bei den Festspielen in Bad Hersfeld

Foto: Swen Pförtner / picture alliance / dpa

Dieter Wedel ist tot. Der Regisseur starb bereits am 13. Juli in Hamburg, wie das Landgericht München mitteilte, wo ein Strafverfahren gegen Wedel anhängig war. Das Gericht hatte eigentlich am Mittwoch endlich bekannt geben wollen, ob es zum Prozess gegen Wedel kommt. Das Verfahren gegen ihn wird nach Gerichtsangaben nun eingestellt. Wedel sei »nach langer schwerer Krankheit gestorben«, das gaben Wedels Anwälte bekannt.

Die Staatsanwaltschaft hatte Wedel schon im März vergangenen Jahres wegen eines Vorwurfs aus dem Jahr 1996 angeklagt . Die Schauspielerin Jany Tempel gibt an, Wedel (»Der große Bellheim«, »Der Schattenmann«) habe sie damals in einem Münchner Luxushotel vergewaltigt – ein Vorwurf, den Wedel bestritt.

Wedels Anwälte sprachen bereits bei der Anklageerhebung von Vorverurteilung und betonten die Wahrscheinlichkeit, dass die Anklage gar nicht zugelassen werden könnte – obwohl das in der deutschen Justiz kaum vorkommt.

Der Anwalt der Nebenklägerin Tempel hatte dagegen die Verzögerung im Verfahren gegen Regisseur erst kürzlich gerügt. »Seit Anklageerhebung sind nunmehr über 14 Monate vergangen«, schrieb Rechtsanwalt Alexander Stevens Mitte Mai in einer Verzögerungsrüge an das Gericht. Tempel leide »sehr unter der langen Verfahrensdauer«.

Sie war sogar kurzzeitig in einen Hungerstreik getreten, um dagegen zu protestieren, dass das Gericht sich mit der Entscheidung so lange Zeit gelassen hatte. Auch bevor die Staatsanwaltschaft überhaupt Anklage erhob, hatte diese schon drei Jahre lang ermittelt.

In einem Brief, den seine Anwälte nach Bekanntwerden von Wedels Tod veröffentlichten, heißt es, das Verfahren gegen den 82-Jährigen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung sei damit »ohne Weiteres beendet«.

Die Vorwürfe gegen Wedel waren Anfang 2018 bekannt geworden. Damals beschuldigten drei Schauspielerinnen – darunter Tempel – ihn im »Zeit-Magazin«, sie in den Neunzigerjahren sexuell bedrängt zu haben. Der Fall wurde der bekannteste in der deutschen #MeToo-Debatte, die 2017 ins Rollen gekommen war. Unter dem Hashtag #MeToo posteten vor allem Frauen in sozialen Netzwerken millionenfach ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen.

Als die Vorwürfe gegen ihn bekannt wurden, sah er sich als Opfer einer Verleumdungskampagne. Zu seinem 75. Geburtstag hatte er noch gesagt, er wolle arbeiten, bis er umfalle. »Ich habe das Glück, an meinem Beruf Spaß zu haben. Ich kann mich selbst verwirklichen. Ich lese immer, ich sei ein Workaholic. Das stimmt aber nicht. Wenn es Spaß macht, ist es ja keine Arbeit.«

Ufa-Chef Nico Hofmann hatte Wedel damals noch »auf tolle Weise ein Querdenker« genannt. Nach Bekanntwerden des Sexskandals sagte er: »Es wusste jeder, dass bei Dieter Wedel ein rauer Ton am Set herrschte, aber von sexuellen Übergriffen – oder sogar Vergewaltigungen – war mir nichts bekannt.«

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Schatten über seinem Schaffen: Bilder aus Dieter Wedels Leben und Filmen

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Auch viele Filmschaffende, die mit Wedel zusammengearbeitet hatten, berichteten von einem toxischen Arbeitsklima, von großem Druck, den der Regisseur aufbaute – und von einem harschen Ton. Wedel selbst nannte sich einmal eine »zickige Diva«: »Dann denke ich: Du bist ja unerträglich, aber trotzdem komme ich da nicht raus.«

Wedel schrieb Fernsehgeschichte

Wedel zählte zu den erfolgreichsten deutschen Filmemachern. Mit seinen Mehrteilern begeisterte er ein Millionenpublikum und schrieb Fernsehgeschichte.

Wedel startete vor allem in den Neunzigerjahren durch. Ein Erfolg jagte den nächsten: »Der große Bellheim« (1993), »Der Schattenmann« (1996), »Der König von St. Pauli« (1998) und »Die Affäre Semmeling« (2002). Wenn der Geschichtenerzähler sein neuestes Werk herausbrachte, sprach man mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Neugier vom »neuen Wedel«. Das klang wie ein Gütesiegel – und bewahrheitete sich oft.

Bevor die Vorwürfe gegen ihn im Rahmen der sogenannten #MeToo-Debatte bekannt wurden, war Wedel Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Bei dem Freilicht-Theaterfestival hatte der promovierte Theaterwissenschaftler Zuschauerrekorde aufgestellt und dafür gesorgt, dass viel Prominenz zur Eröffnung über den roten Teppich lief.

Wedel hat sechs Kinder von sechs Frauen, darunter einen Sohn mit der 2019 gestorbenen Hannelore Elsner.

nga/dpa
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