Dietmar Schönherr: Kommandant und Moderator
"Wünsch dir was"-Moderator Dietmar Schönherr ist tot
Hamburg - Es war eine Show, die zugleich beliebt und berüchtigt war. Bei "Wünsch dir was" konnte das Publikum per Lichtschalter und Klobürste die Sieger bestimmen. Von 1969 bis 1972 lief die Sendung - zeitweise schauten bis zu 30 Millionen Menschen zu. Moderiert wurde sie von Dietmar Schönherr und seiner Frau Vivi Bach. Nun ist der große Moderator nach Angaben seiner Hilfsorganisation Pan y Arte gestorben.
Der Verein berief sich am Freitag auf Informationen des behandelnden Arztes. Schönherr starb demnach in der Nacht zum Freitag im Alter von 88 Jahren auf Ibiza, wo er die vergangenen Jahre gelebt hatte. Der Tiroler wurde einem breiten Publikum durch die Science-Fiction-Fernsehserie "Raumpatrouille" bekannt, und später eben durch "Wünsch Dir was".
Dietmar Schönherr hatte einen grimmigen Charme und passte zum politischen Geist der Zeit. Und die Dänin Vivi Bach an seiner Seite war stets fröhlich. Sie habe den Clown gemacht, sagte sie selbst über ihre Rolle.
Seit 1966 waren Schönherr und Bach verheiratet - ihre Ehe sollte über vier Jahrzehnte lang halten. Im April 2013 war Bach gestorben. Bei Dreharbeiten hatten sich der Österreicher und die Dänin kennengelernt. Im Duett sangen sie den Song "Molotow Cocktail Party". Vor allem aber sah man das Paar im Fernsehen, als Conférenciers beim "Gala-Abend der Schallplatte" oder im "Night-Club".
Mit Vivi Bach auf Theatertournee
Ende der Sechzigerjahre gingen Schönherr und Bach mit dem Strindberg-Stück "Fräulein Julie" auf Theatertournee. Auch den "ersten deutschen Video-Film" präsentierten die beiden seinerzeit: Unter dem Titel "Die Lady aus dem Weltraum" kurvten sie "auf 253 Meter Magnetband 23 Minuten durch den Kosmos", wie der SPIEGEL zusammenfasste. Preis bei Neckermann: "trotz Einstandsrabatt noch 98 Mark".
Dietmar Schönherr wurde am 17. Mai 1926 in Innsbruck geboren. Im Jahr 1946 begann er dort ein Architekturstudium, das er allerdings wegen eines Filmangebots ("Wintermelodie") abbrach. Zwischen 1947 und 1952 arbeitete Schönherr als Sprecher, Schauspieler, Regisseur, Reporter und Autor beim Österreichischen Rundfunk. Er wechselte dann zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) nach Köln und war dort als Hörfunkdramaturg und Moderator tätig.
Der Durchbruch als Schauspieler gelang Schönherr 1955 mit dem Willy-Birgel-Film "Rosenmontag". In Österreich startete er die TV-Serie "Apropos Film". Große Beachtung erhielt der Schauspieler als Commander McLane in der Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille".
Kritik an US-Präsident Reagan
Schönherr machte weiterhin TV- und Film-Karriere. Es folgten rund 70 Filme wie "Der liebe Augustin" (1959) oder "Schachnovelle" (1960) bis "Bin ich schön?" und "Der Schrei des Schmetterlings", beide 1998.
Auch in Fernsehrollen war Schönherr häufig zu sehen, unter anderem in Krimis wie "Ein Fall für zwei" und "Tatort". Für seine Leistung erhielt Schönherr unter anderem die Goldene Kamera und den Deutschen Fernsehpreis.
Schönherr war auch Synchronsprecher und lieh seine sonore Stimme Schauspielern wie James Dean und Steve McQueen. Als Theatermann stand er unter anderem in Salzburg, Bonn, Berlin und Zürich auf der Bühne. Er war Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele in Telfs.
Als Friedensaktivist und Entwicklungshelfer war Schönherr zeit seines Lebens auch ein politischer Kopf. Den US-Präsidenten Ronald Reagan nannte er einen "Verbrecher". Schönherr beteiligte sich 1983 auch an der Blockade des US-Raketenstützpunktes in Mutlangen. Später engagierte er sich mit seiner Hilfsorganisation in Nicaragua.
Als seine größte Lebensleistung bezeichnete Schönherr einmal seine Ehe: "Das hat auch sehr viel damit zu tun, dass man sich eine gewisse Freiheit lässt", sagte Schönherr. "Bei uns ist eine symbiotische Verbindung entstanden." Das Ehepaar wohnte lange im österreichischen Straßwalchen (bei Salzburg), danach mit Hauptwohnsitz in der Schweiz in Kaiserstuhl am Rhein. 1990 siedelten Bach und Schönherr nach Santa Eulalia auf Ibiza um.